Can Coll

Gu­te Küche, freund­li­che At­mo­sphä­re

Mallorca geht aus! - - Westen -

Sól­ler ist ein wun­der­schö­nes Städt­chen, für vie­le so­gar das schöns­te der In­sel – aber ei­nes oh­ne er­wäh­nens­wer­te Re­stau­rants. Wer gut es­sen möch­te, muss min­des­tens bis nach Port Sól­ler fah­ren. Ei­ne Tat­sa­che, die Da­ni­el See­ling, ge­mein­sam mit sei­ner Frau seit elf Jah­ren Be­trei­ber des Fin­ca-Ho­tels Can Coll, schon vor rund sie­ben Jah­ren ver­an­lass­te, ein Re­stau­rant für ih­re Haus­gäs­te ein­zu­rich­ten. Die Qua­li­tät der Küche sprach sich schnell her­um. Und so mach­te See­ling 2016 sein klei­nes Re­stau­rant auch of­fi­zi­ell Gäs­ten zu­gäng­lich, die nicht in der Fin­ca über­nach­ten. Noch ist das Re­stau­rant Can Coll das, was man ei­nen Ge­heim­tipp nennt. See­ling macht nicht viel Wer­bung. Und wenn man nach Sól­ler hin­ein­fährt, kann man das klei­ne grü­ne Hin­weis­schild, das den Weg zur Fin­ca weist, leicht über­se­hen. Dass trotz­dem im­mer mehr Gäs­te das Re­stau­rant fin­den, hat si­cher­lich meh­re­re Grün­de. Ei­ner da­von ist si­cher­lich der Chef selbst. Mit wie viel Herz­blut Da­ni­el See­ling sei­ne Fin­ca und das Re­stau­rant führt, kön­nen wir bei un­se­rem Be­such förm­lich spü­ren. See­ling ar­bei­te­te vie­le Jah­re im Ma­nage­ment bei gro­ßen Ho­tel­ket­ten wie Ritz Carl­ton und Hil­ton, hat­te schließ­lich die Na­se voll vom Mas­sen­ge­schäft und

ent­schloss sich, zu­sam­men mit sei­ner Frau et­was Ei­ge­nes auf die Bei­ne zu stel­len. Das ist ihm mit der Fin­ca ge­lun­gen, und nun wird auch sein klei­nes Re­stau­rant mit zehn Ti­schen auf der Ter­ras­se, ei­nem Tisch im ker­zen­be­leuch­te­ten „Wein­kel­ler“und den drei Ti­schen im In­nen­be­reich fast ne­ben­bei zum un­ge­plan­ten Er­folg. Kein Wun­der: See­ling küm­mert sich lie­be­voll um sei­ne Gäs­te, oh­ne auf­dring­lich zu sein. Die fa­mi­liä­re At­mo­sphä­re und die ins­ge­samt gu­te Stim­mung im Team rund um den Chef sor­gen da­für, dass man sich im Can Coll wohl fühlt. Kein Wun­der, dass aus Kun­den hier schnell Stamm­gäs­te wer­den. Als wir ein­keh­ren und un­se­ren Platz im „Wein­kel­ler“fin­den, ler­nen wir im Lau­fe des Abends nicht nur den Gast­ge­ber, son­dern auch sei­nen neu­en Kü­chen­chef ken­nen. Ro­bert Kru­sche steht seit Mit­te Fe­bru­ar hier am Herd. Der ge­bür­ti­ge Thü­rin­ger ar­bei­te­te zu­letzt drei Jah­re lang als Kü­chen­chef in der Ham­bur­ger „Po­let­to Wein­bar & Bis­tro“und er­fin­det nun in der of­fen ein­seh­ba­ren klei­nen Fin­caKü­che al­le zwei Ta­ge neue Ge­rich­te. Ei­ne ge­druck­te Spei­se­kar­te hat das Can Coll des­halb nicht. Das An­ge­bot passt auf ei­ne gro­ße Schie­fer­ta­fel. Die fri­schen Zu­ta­ten stam­men zum Teil aus ei­ge­ner Pro­duk­ti­on, vom Markt und von ei­nem Fi­scher, mit dem See­ling seit ei­ni­gen Jah­ren zu­sam­men­ar­bei­tet. Heu­te hat er Wolfs­barsch ge­fan­gen: Man bie­tet ihn uns im Salz­man­tel an. Die Schie­fer­ta­fel of­fe­riert zu­dem ei­ne Aus­wahl aus zwei Vor­spei­sen und drei Haupt­ge­rich­ten, da­zu noch ein Des­sert. Be­vor wir uns für ei­ne Spei­se­fol­ge ent­schei­den, wer­fen wir zu­nächst bei Ker­zen­licht ei­nen Blick auf die Wein­kar­te. Die Aus­wahl an aus­schließ­lich mal­lor­qui­ni­schen Wei­nen über­zeugt uns. Et­li­che der gu­ten Tröpf­chen la­gern di­rekt um uns her­um in den Re­ga­len und im Wein­kli­ma­schrank. Wir zäh­len 26 Ro­te, die zwi­schen 25 und

60 Eu­ro pro Fla­sche kos­ten so­wie 13 Weiß­wei­ne zu Prei­sen zwi­schen 22 und 50 Eu­ro. An of­fe­nen Wei­nen ha­ben wir die Wahl aus drei ro­ten, drei wei­ßen und drei Ro­se­wei­nen (6,50 bis acht Eu­ro). Wir wäh­len den Ma­cia Bat­le Cri­an­za (6,50 Eu­ro), ei­ne Cu­vee aus Ca­ber­net Sau­vi­gnon, Man­to Ne­gro, Mer­lot und Sy­rah. Ein et­was stär­ke­rer und wür­zi­ger Wein, der uns an­ge­mes­sen er­scheint, da wir schon wis­sen, dass wir uns an die­sem Abend ge­gen Fisch und für Fleisch ent­schei­den wer­den. Der Wein ist ei­ne gu­te Wahl. Er passt be­reits per­fekt zu Brot und Fo­cac­cia, bei­des haus­ge­macht, mit Ros­ma­rin und der Oli­ven­pas­te, die vor uns steht, eben­so wie zum Gruß aus der Küche, der uns die War­te­zeit zum ers­ten Gang ver- kürzt: ei­ne Gaz­pa­cho mit in­ten­si­vem Knob­lauch­ge­schmack. Es fühlt sich gut an, zum Auf­takt ein ty­pisch spa­ni­sches Ge­richt ser­viert zu be­kom­men. Die Vor­spei­se, ei­ne Pilz­sup­pe mit Ru­co­la-Pes­to und Kalbs­spieß für zehn Eu­ro, er­öff­net dann schließ­lich die heu­ti­ge Me­nü­fol­ge für uns. Wir stel­len fest: Auch mit sei­nem neu­en Koch hat See­ling of­fen­bar ei­nen gu­ten Griff ge­tan. Die Sup­pe hat ei­ne fei­ne, sä­mi­ge Kon­sis­tenz und ei­nen an­ge­nehm in­ten­si­ven Pilz­ge­schmack. Das Kalb­fleisch auf den zwei klei­nen Spie­ßen ist zart und schmack­haft. So kann der Abend wei­ter­ge­hen. Wir pros­ten uns zu. Und in der Tat, wir wer­den nicht ent­täuscht: Als Haupt­spei­sen ge­nie­ßen wir zum ei­nen ei­ne ge­schmor­te Rin­der­schul­ter mit Ge­mü­se und me­di­ter­ra­nem Knö­del (20 Eu­ro). Das Fleisch ist ex­trem gut und weich ge­gart, nicht zu fest, nicht zu weich. Die Sau­ce ist gut ab­ge­bun­den, sie weist ei­nen in­ten­si­ven Rot­wein­ge­schmack auf. Sie passt da­mit auch ide­al zu den drei Knö­deln, die mit Oli­ven, Ros­ma­rin, ge­trock­ne­ten To­ma­ten und klei­ne Stück­chen von Cho­ri­zo-Würst­chen ei­ne wür­zi­ge me­di­ter­ra­ne No­te er­hal­ten. Ei­ne klei­ne Por­ti­on Ge­mü­se aus Brok­ko­li, grü­nem Spar­gel, Blu­men­kohl, Ka­rot­te und Ar­ti­scho­cke run­det die­ses Ge­richt per­fekt ab. Das zwei­te Ge­richt, das wir tes­ten, ei­ne Mais­hähn­chen­brust mit Sal­bei, Ser­ra­no und Kar­tof­fel­pü­ree von Ro­ter Be­te (21 Eu­ro), kommt et­was we­ni­ger spek­ta­ku­lär im Ge­schmack da­her, ist aber trotz­dem le­cker. Das Fleisch ist saf­tig und zart auf den Punkt ge­gart und er­hält durch den Schin­ken ei­ne schö­ne Wür­ze. Das ro­te Pü­ree ist fluf­fig und ge­schmack­voll, wird aber nicht zu sehr von der Ro­ten Be­te do­mi­niert. Der Trick, er­klärt uns der Koch spä­ter, liegt da­rin, dass er die Ro­te Be­te und die Kar­tof­feln ge­trennt kocht, zu Pü­ree ver­ar­bei­tet und die bei­den Mas­sen erst dann ver­mischt, wenn er sie auf dem Tel­ler an­rich­tet. So kann er Ge­schmack und Kon­sis­tenz per­fekt aus­ta­rie­ren. Wir sind be­ein­druckt von dem bis­her Auf­ge­tra­ge­nen und be­stel­len uns des­halb auch noch das an­ge­bo­te­ne Des­sert von der Ta­ges­kar­te, ein „Scho­ko­mal­heur“mit Va­nil­le­schaum und Erd­bee­ren (neun Eu­ro). Das Mal­heur be­steht aus ei­nem Scho­ko­ku­chen, des­sen Scho­ko­la­de ei­gent­lich beim Durch­tren­nen des Ku­chens in der Mit­te aus­flie­ßen soll. Da der Ku­chen aber of­fen­sicht­lich ei­ni­ge Se­kun­den zu lang im Ofen war, ge­lingt das lei­der nicht. Er schmeckt den­noch, ist su­per­süß, was durch den Va­nil­le­schaum und die ihn um­ge­ben­den Erd­bee­ren und Ma­da­r­i­nen et­was ab­ge­mil­dert wird. Un­ser Fa­zit:

Wir sind über­zeugt, dass das Can Coll schnell vie­le wei­te­re Stamm­gäs­te ge­win­nen wird, die sich von der freund­li­chen und fa­mi­liä­ren Atom­sphä­re und der gu­ten Küche an­ge­zo­gen füh­len. mva

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