Schön am Schnüf­feln

War­um frem­de Ba­de­zim­mer viel span­nen­der sind als das ei­ge­ne

Maxi (Germany) - - Inhalt -

N ach die­sem Text wer­den mei­ne Freun­de mich viel­leicht in ei­nem an­de­ren Licht se­hen. Oder ein­fach nie mehr zu sich nach Hau­se ein­la­den. Ich lie­be näm­lich frem­de Ba­de­zim­mer. Weil die so viel span­nen­der sind als mein ei­ge­nes! Und schö­ner! Und da ste­hen so auf­re­gen­de Sa­chen rum! Des­halb – und das ist, was ich ei­gent­lich sa­gen möch­te – gu­cke ich mich gern ein klei­nes biss­chen um. Al­so ich öff­ne kei­ne Schub­la­den (je­den­falls nie nüch­tern), aber ich stu­die­re gern aus­gie­big die Du­sch­ab­la­gen, Fens­ter­bret­ter, Wasch­ma­schi­nen­ober­flä­chen. Al­so al­les, was so in mein Blick­feld kommt. Ich ma­che das nicht, weil ich ein kran­ker Stal­ker wä­re oder so. Ich bin nur ein Jun­kie – ein Be­au­ty­Jun­kie! Und wenn ich gera­de kei­nen Dou­glas in der Nä­he ha­be, schnup­pe­re ich mich eben durch die Fla­kons mei­ner Freun­de, pro­bie­re kurz mal ih­re Hand­cremes und Bo­dy­lo­tions aus, le­se in­ter­es­siert die La­bels von Duft­ker­zen und Raum­sprays.

wie­so ich das ma­che? weil mein ei­ge­nes bad ei­ne ein­zi­ge pro­blem­zo­ne ist Kei­ne Ah­nung, wie mei­ne Freun­de das hin­krie­gen – aber ir­gend­wie müs­sen die al­le oh­ne Po­ren oder Del­len ge­bo­ren sein. Bei MIR ste­hen näm­lich ganz an­de­re Din­ge im Bad rum. Und manch­mal ver­ges­se ich die ganz weit un­ten in die Schub­la­de zu pa­cken. Aber ich BRAU­CHE lei­der all die­se Sos­hel­fer: An­ti­cel­lu­li­teC­re­me. Horn­haut­fei­le. Ent­haa­rungs­cre­me. Tro­ckens­ham­poo. Und dann wä­ren da noch die­se Cre­mes für „ers­te An­zei­chen der Haut­al­te­rung“oder „zu Un­rein­hei­ten nei­gen­de Haut“… Auch so ein un­an­sehn­li­ches Ding: mein Korb mit ge­sam­mel­ten Pröb­chen. Ich den­ke im­mer: Die sind doch su­per prak­tisch für den Ur­laub! Mei­ne Freun­de müs­sen den­ken: Zi­geu­ne­rin. Und na­tür­lich ver­sam­meln sich da auch die gan­zen Schätz­chen, von de­nen ich mich nicht tren­nen kann. Mei­ne ers­te Fla­sche „Cha­nel No. 5“zum Bei­spiel, ge­kauft 1998. Der Mi­ni­rest da drin er­in­nert zwar mitt­ler­wei­le stark an den Ma­ria­crohn­lieb­lings­wein­brand mei­nes Opas, aber ich kann den Fla­kon doch nicht weg­schmei­ßen! Da hän­gen ER­IN­NE­RUN­GEN dran!!! Das gilt auch für mein ers­tes Hand­tuch, das ich zur Tau­fe be­kom­men ha­be. Da sind mei­ne Initia­len ein­ge­stickt – ur­sprüng­lich ver­mut­lich mal in Weiß (ob­wohl, könn­te auch ro­sa ge­we­sen sein). Mitt­ler­wei­le ist es „grau­isch“. Aber weg­wer­fen? Nie­mals! Lei­der ist der Rest mei­ner Hand­tü­cher auch nicht wirk­lich re­prä­sen­ta­tiv, son­dern ein Mix aus Wer­be­ge­schen­ken („100 Jah­re Aral“) und Pay­back­prä­mi­en. Aber noch mal zu­rück zum Frem­dStö­bern.

denn ich ha­be ge­lo­gen: ich öff­ne doch schrän­ke. bei män­nern. So ein Ba­de­zim­mer­de­pot kann ja ver­dammt viel über den Cha­rak­ter ei­nes Men­schen aus­sa­gen. Und Män­ner ha­ben das mit dem Ver­ste­cken ein­fach nicht drauf. Gut für uns Frau­en, denn es gibt ja tod­si­che­re Warn­si­gna­le, bei de­nen man so­fort die Flucht er­grei­fen soll­te. Hä­mor­rhoi­den­cre­me, Cle­ara­sil­ge­sichts­was­ser, zwei­la­gi­ges Toi­let­ten­pa­pier … Aber auch: Wenn sei­ne Tie­gel­samm­lung viel bes­ser ist als mei­ne. Es wür­de ein­fach nicht gut ge­hen, wenn ich mich mor­gens mit mei­ner Zwei­eu­ro­cel­lu­lo­tion ein­schmie­re, wäh­rend er sich in Kiehl’s Af­ters­ha­ve hüllt. Ach üb­ri­gens, weil ich beim ers­ten Da­te aus Ner­vo­si­tät ei­gent­lich nie ganz nüch­tern bin, war das gar nicht ganz ge­lo­gen …

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