Vom Ex zum gu­ten Kum­pel?

Mit die­sem Sie­ben-stu­fen-plan kann das funk­tio­nie­ren

Maxi (Germany) - - Inhalt -

E s ist Herbst und ich lie­ge mit mei­ner Schwes­ter zu­sam­men auf der Couch und schaue „Ga­me of Thro­nes“. Ich knei­fe leicht an­ge­wi­dert die Au­gen zu­sam­men, als ein Kopf ab­ge­trennt wird, wäh­rend mei­ne Schwes­ter zu­frie­den grunzt: „Ach Kai, wie ein­fach das Le­ben manch­mal sein könn­te. So wie hier: Du ver­knallst dich, bist zu­sam­men glück­lich und wenn es dann mal nicht mehr so läuft, muss der Kerl in ir­gend­ei­ne Schlacht zie­hen und kommt nicht wie­der. Und wie ger­ne hät­te ich so ei­nen feu­er­spei­en­den Dra­chen im Hin­ter­hof. Der könn­te dann je­den Ex ein­fach weg­fläm­men, der im­mer noch in mei­nem Kopf her­um­spukt.“Ich ver­ste­he mei­ne Schwes­ter. Laut ei­ner Par­ship-um­fra­ge sind knapp die Hälf­te al­ler Deut­schen nach der Tren­nung noch freund­schaft­lich ver­bun­den, was be­deu­tet, dass der über­wie­gen­de Teil es nicht ist. Und laut die­ser Stu­die wün­schen sich fast 80 Pro­zent kei­nen Dra­chen mit Ex-ex-funk­ti­on, son­dern die letz­te Lie­be als Kum­pel. Sie ken­nen aber oft­mals kei­ne brauch­ba­re An­lei­tung, um aus den Scher­ben der Ge­füh­le et­was Nach­hal­ti­ges zu bas­teln. Zu kom­pli­ziert er­scheint vie­len der Wunsch, ei­ne ehe­mals lei­den­schaft­li­che Bin­dung auf ei­ne an­de­re Ebe­ne zu he­ben. Da­bei kann es funk­tio­nie­ren, wenn man es hand­werk­lich sau­ber an­geht – und sich die­sen 7-Punk­te-plan zu Her­zen nimmt:

Erst mal luft ho­len Wenn al­les in Trüm­mern liegt, hilft als Ers­tes – nichts tun. Die Fü­ße still­hal­ten. Die Fin­ger erst recht. We­der ei­ne Whats­app-nach­richt im an­ge­dusel­ten Zu­stand noch ein ver­früh­ter An­ruf führt zum Er­folg, wenn man nicht vor­her sei­ne Emp­fin­dun­gen sor­tiert. Wer je ei­ne Kom­mo­de zum Sel­ber­bau­en kauf­te, weiß, dass es in ei­ner Ka­ta­stro­phe en­det, wenn man plan­los Ein­zel­tei­le zu­sam­men­schraubt. Des­we­gen soll­te man sich zu­nächst ehr­lich fra­gen, ob man le­dig­lich ei­ne un­ge­woll­te Lü­cke im Pri­vat­le­ben schlie­ßen möch­te oder ob der an­de­re tat­säch­lich das Zeug zu ei­nem pla­to­ni­schen See­len­ver­wand­ten hat. Ein wirk­lich gu­ter Freund ist ja nüch­tern be­trach­tet nichts an­de­res als ein Traum­mann oh­ne Ge­ni­ta­li­en. Ver­schwen­det man an Letz­te­re noch ei­nen Ge­dan­ken, ist an Freund­schaft oh­ne­hin nicht zu den­ken.

DIE Pro-und-con­tra-lis­te Ei­ne ganz klas­si­sche Auf­lis­tung sei­ner Bud­dy-qua­li­tä­ten ist der bes­te Schritt zur Er­kennt­nis. Ist er ein gu­ter Mensch? War er fair, loy­al und konn­te gut zu­hö­ren? Oder fehl­ten ihm be­reits in der Be­zie­hung die Ba­sics für ei­ne Freund­schaft? Sei­ne Zu­nei­gung an je­man­den zu ver­schen­ken, der be­reits frü­her tie­fe Ge­füh­le nie er­wi­dern konn­te oder woll­te, ist in et­wa so sin­nig wie mit Smo­key Eyes zu jog­gen. Na­tür­lich legt man so ei­nen bild­hüb­schen Start hin, en­det aber nach kür­zes­ter Zeit wie­der mit ver­schmier­ten Au­gen al­lein zu Hau­se. Wer sich der mensch­li­chen Wer­te sei­nes Ex hin­ge­gen si­cher ist, kann nach ei­ni­ger Zeit durch­aus den Kon­takt su­chen.

DER tes­t­an­ruf Ein Te­le­fo­nat ist laut der So­zio­lo­gin Su­san­ne Hansch­ke das bes­te Mit­tel, um die Zi­ga­ret­te da­nach in die Frie­dens­pfei­fe zu ver­wan­deln. „Die Stim­me des ehe­ma­li­gen Part­ners stellt da­bei die nö­ti­ge Nä­he her, wäh­rend die phy­si­sche Dis­tanz da­vor schützt, die ro­man­ti­sche Ver­gan­gen­heit zu the­ma­ti­sie­ren. So lässt sich das Ge­spräch bes­ser steu­ern und kann pro­blem­los be­en­det wer­den, wenn sich ei­ner von bei­den nicht wohl da­bei fühlt.“Wäh­rend des Ge­sprächs soll­te man die ei­ge­nen Ge­füh­le che­cken. Wie se­hen Sie den frü­he­ren Part­ner, wenn Sie sei­ne Stim­me hö­ren? Nackt? Un­ter Fels­bro­cken be­gra­ben? In die­sen Fäl­len neh­men Sie bit­te Ab­stand vom Neu­an­fang. Und klar: Fängt man an zu heu­len wie ein Schloss­hund, so­bald man den An­ruf be­en­det hat, soll­te man sich Zeit für sich neh­men und nicht für ei­ne ver­früh­te Freund­schaft mit dem Ex. Eins soll­te man im­mer im Kopf be­hal­ten: Ja, der Ge­dan­ke ist hübsch, es wä­re auch wahn­sin­nig har­mo­nisch – aber die Theo­rie ist im­mer blu­mi­ger als die Rea­li­tät, ins­be­son­de­re, wenn Träu­me zer­bra­chen und man sich ge­gen­sei­tig ver­letzt hat. Freund­schaft ist schön. Aber nicht um je­den Preis.

DER Pro­be­lauf Über­wie­gen die po­si­ti­ven Ge­füh­le, sind Sie be­reit für ei­nen Pro­be­lauf. Tref­fen Sie den Ver­flos­se­nen per­sön­lich. Herz­ra­sen ist zu­läs­sig, schließ­lich geht es ja um was. Dass sich für die­se Be­geg­nung der

JE­DE tren­nung hat Ei­nen grund – und der ist lei­der nie­mals das per­fek­te glück

eins­ti­ge ge­mein­sa­me Lieb­lings­i­ta­lie­ner als Treff­punkt ver­bie­tet – eh klar. Ein neu­tra­ler Ort und ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung lin­dern die Ner­vo­si­tät. Schuld­zu­wei­sun­gen ha­ben in die­ser neu­en Kon­takt­stu­fe eben­so­we­nig was zu su­chen wie Crop Tops. Spit­zen à la „Das konn­test du ja eh nie“soll­te man sich ver­knei­fen. Oh­ne­hin sind die Wör­ter „nie“und „im­mer“streng ver­bo­ten. Ge­ben Sie ihm zu ver­ste­hen, dass es Ih­nen gut, aber nicht su­per­gut geht – das be­kommt er sonst in den fal­schen Hals. (Ach, oh­ne mich geht es dir bes­ser?) Als Grund­satz­re­gel für das ers­te Tref­fen mit der al­ten Lie­be gilt: Net­flix ist ein su­per The­ma, das Sex­le­ben des an­de­ren eher nicht. Und ver­zich­ten Sie dar­auf, zu er­wäh­nen, dass Sie auf der Ber­li­na­le mit Da­vid Kross ge­knutscht ha­ben – wo­bei Sie das eh für sich be­hal­ten soll­ten.

Das Klein­ge­druck­te Wer sich stark ge­nüg fühlt, den al­ten Lo­ver zum neu­en Bud­dy zu er­nen­nen, darf dies ger­ne mit ei­nem Hand­schlag be­sie­geln. Be­den­ken soll­te man, dass auch ein Freund­schafts­ver­trag Klein­ge­druck­tes ent­hält. Die wich­tigs­te Zu­satz­klau­sel ist da­bei je­ne, die sich mit dem neu­en Part­ner be­schäf­tigt. Gibt es be­reits ei­nen neu­en Mann im ei­ge­nen Le­ben? Kommt er mit Ih­rem gu­ten Draht zum Ex klar? In der Re­gel in­ter­es­sie­ren wir Ker­le uns nicht für den letz­ten Lieb­ha­ber un­se­rer Frau, kön­nen aber Ge­fal­len dar­an fin­den, wenn man uns re­gel­mä­ßig zu ver­ste­hen gibt, dass wir ein­fach bes­ser sind als un­ser Vor­gän­ger. Be­vor­zug­te Le­bens­be­rei­che sind da­bei üb­ri­gens Sport, Gril­len und Beischlaf, wäh­rend wir es ge­las­sen se­hen, wenn der Mann vor uns ein Pro­fi bei der Deu­tung von Stern­zei­chen war.

Der Här­te­test Ein Drei­er ist ja be­reits auf se­xu­el­ler Ebe­ne eher in der männ­li­chen Fan­ta­sie zu Hau­se. Wo­mit sich Frau­en aber laut ei­ner Stu­die der Uni­ver­si­ty Oak­land welt­weit noch schwe­rer tun, ist das ers­te Match mit der Nach­fol­ge­rin an der Sei­te der al­ten Lie­be. Er­war­tungs­ge­mäß hal­ten Frau­en ei­ne Freund­schaft mit dem Ex zu 98 Pro­zent für aus­ge­schlos­sen, wenn die Neue der Tren­nungs­grund war. Soll­te die zwei­te First La­dy erst nach­träg­lich ins Spiel ge­kom­men sein, sieht die Sa­che lo­cke­rer aus. Nur 10 Pro­zent al­ler Frau­en kön­nen die­sen An­blick grund­sätz­lich nicht er­tra­gen, wäh­rend der Rest sich für das neue Glück freu­en kann. Und ge­nau an die­ser Stel­le kann man auch an sich über­prü­fen, wie miss­güns­tig oder mit­freu­end man grund­sätz­lich ist. Hat man den an­de­ren so gern, ihm al­les Glück der Welt zu gön­nen? Ei­ne wich­ti­ge Fra­ge. Wenn man es dann schafft, der nach­ge­rück­ten Part­ne­rin die ge­hei­me Adres­se ei­nes Pop-up-de­si­gner-out­lets zu ver­ra­ten, hat man im Grun­de je­de Hür­de ge­nom­men. Na ja, sa­gen wir, fast je­de.

letz­ter alk-check Ein Trick für Un­ge­dul­di­ge: Fül­len Sie den frisch re­stau­rier­ten Ehe­ma­li­gen ab. Ki­chern Sie zu­sam­men? Gut. Wi­der­steht er nach dem ach­ten Wod­ka, Gin oder Te­qui­la der Ver­su­chung, fri­vo­le An­ek­do­ten der ge­mein­sa­men Zeit zum Bes­ten zu ge­ben, und bricht er nicht in ei­nem al­ko­ho­li­sier­ten Emo-an­fall in Trä­nen aus? Fein. Sie dür­fen sei­ne Num­mer auf Kurz­wahl spei­chern.

und üb­ri­gens … Wer von Ih­nen nach dem er­folg­rei­chen Ab­ha­ken die­ser Check­lis­te im­mer noch ein mie­ses Ge­fühl hat, wenn er an sein ver­gan­ge­nes Glück denkt, macht es ein­fach wie wir zu Hau­se auf der Couch: mit gan­zer Kraft dar­an glau­ben, dass in der Fan­ta­sie al­les mög­lich ist. Viel­leicht lun­gert ja doch bald ein Dra­che hin­term Haus – und viel­leicht ist die Er­de doch ei­ne Schei­be. Und dann kann man je­den, der ei­nen nicht mehr liebt und der nicht mehr gut für ei­nen ist, ein­fach über den Rand schub­sen.

Herz­ra­sen beim ers­ten tref­fen ist okay. sich die schuld zu­schie­ben aber nicht

Das al­te „Wir“gibt es nicht mehr … aber da­für die Chan­ce auf et­was Neu­es. Al­so Schluss mit sie­ben Ta­ge Re­gen­wet­ter!

Die ers­ten An­nä­he­rungs­ver­su­che ge­lin­gen am bes­ten, wenn wir sie kurz und bün­dig hal­ten. Zum Bei­spiel beim Kaf­fee in der Pau­se

Ha, so leicht geht das al­so mit der Ex­freund­schaft … Ja okay, bis man ent­spannt zu­sam­men la­chen kann, hat man har­te Ar­beit hin­ter sich

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