Nie reicht die Koh­le? Ab mor­gen wird das an­ders – denn wir ha­ben schlaue Spar-tipps für Sie

Was gibt uns Geld – und was nicht? Und wie­so spricht kei­ner dr­über? War­um wir das Schwei­gen bre­chen soll­ten und wie man bes­ser mit sei­ner Koh­le klar­kommt. Ein Gui­de

Maxi (Germany) - - Inhalt - Text kers­tin teu­ber

Wie ist das wie­der pas­siert?! Fra­gen wir uns al­le paar Wo­chen, wenn wir auf un­ser Kon­to gu­cken. Da war doch eben noch was drauf … Wir wa­ren nicht shop­pen – nur beim Ita­lie­ner. Und viel­leicht ein, zwei Mal bei „Star­bucks“. Und okay, wir hat­ten ei­nen Ter­min beim TÜV, und der ging nicht gut aus. Im Gan­zen al­so: völ­lig nor­ma­le Aus­ga­ben. Trotz­dem reicht ei­ne klei­ne Über­ra­schung und wir ste­cken im Di­s­po. Doof? Ja. Un­ge­wöhn­lich? Nö. Sa­gen wir es so: Un­se­re Be­zie­hung zu Geld ist ver­gleich­bar mit un­se­rem Be­zie­hungs­sta­tus auf Face­book – es ist kom­pli­ziert. Ei­ner­seits ist uns Koh­le nicht so wich­tig wie den Ge­ne­ra­tio­nen vor uns. Weil die meis­ten von uns in ziem­lich gu­ten Ver­hält­nis­sen auf­ge­wach­sen sind und wir da­mit die Frei­heit hat­ten, uns mit an­de­ren Din­gen zu be­schäf­ti­gen, als mög­lichst schnell ei­ge­nes Geld zu ver­die­nen. Wir wol­len auch gar nicht die nächs­ten „Wolf of Wall­s­treet“-bro­ker sein, die al­les für ein di­ckes Pols­ter auf dem Kon­to ris­kie­ren. Aber: Stän­dig plei­te zu sein nervt auch. Un­se­re Ge­ne­ra­ti­on ist knapp bei Kas­se – das ist wis­sen­schaft­lich be­legt. Es wird uns spä­ter mit ho­her Wahr­schein­lich­keit schlech­ter ge­hen als un­se­ren El­tern. Im Schnitt ver­die­nen wir fünf Pro­zent we­ni­ger als Gleich­alt­ri­ge vor 30 Jah­ren. Da­für klet­tern aber die Le­bens­hal­tungs­kos­ten, et­wa un­se­re Mie­te, seit Jah­ren in die Hö­he. Wie viel Geld brau­chen Wir Wirk­lich zum le­ben? Es geht ja gar nicht dar­um, dass wir al­le Mil­lio­nä­re sein wol­len. Son­dern dar­um, so viel zu ver­die­nen, dass wir am En­de des Mo­nats kei­ne Schweiß­aus­brü­che krie­gen, wenn wir auf un­ser Kon­to schau­en. Wie viel wir da­für brau­chen? Kommt drauf an. Denn ei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Ant­wort gibt es na­tür­lich nicht. Ge­setz­lich liegt die re­la­ti­ve Ar­muts­schwel­le in Deutsch­land bei ei­nem Ein­kom­men von 987 Eu­ro. Laut Da­ten­re­port des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes le­ben üb­ri­gens 20 Pro­zent der Deut­schen zwi­schen 21 und 30 Jah­ren dar­un­ter. Aber: Un­se­re An­sprü­che ha­ben sich in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert. So­ci­al Me­dia und per­so­na­li­sier­te Wer­bung fär­ben un­ser Emp­fin­den da­für, wel­che Aus­ga­ben – und wie viel wir über­haupt im Mo­nat ver­pras­sen – nor­mal sind. Denn ge­fühlt gibt es je­den Tag zehn neue Din­ge, die wir ha­ben wol­len. Ach Quatsch, die wir BRAU­CHEN. Den De­sign-stuhl fürs Wohn­zim­mer, neue Snea­ker oder gleich die Rei­se zum Ma­chu Pic­chu. Wir wol­len schließ­lich un­se­re Träu­me le­ben. Und über­zie­hen da­für auch gern mal un­ser Kon­to. 1,66 Mil­lio­nen Deut­sche un­ter 30 sind über­schul­det. Ins­ge­samt sind es so­gar 6,85 Mil­lio­nen Deut­sche.

macht Geld Glück­lich? Und über all un­se­ren Ge­dan­ken zu Geld schwebt letzt­lich die Fra­ge: Wie glück­lich macht uns die gan­ze Koh­le ei­gent­lich? Denn Geld ist nicht nur

ei­ne Zahl auf un­se­rem Kon­to. An den Schei­nen hän­gen je­de Men­ge Ge­füh­le: Si­cher­heit, Stolz, Scham oder Selbst­wert. Geld be­deu­tet Frei­heit, aber auch Ver­ant­wor­tung. Geld kann Men­schen groß­zü­gig ma­chen oder ver­der­ben. Es kann uns vie­le schö­ne Din­ge im Le­ben kau­fen – und vie­le auch nicht. Aber klar, ein Pols­ter macht uns in ers­ter Li­nie erst mal glück­lich, denn es lässt un­ser Be­loh­nungs­zen­trum im Ge­hirn auf Hoch­tou­ren ar­bei­ten, wenn wir uns da­mit et­was Tol­les gön­nen. Aber be­deu­tet im­mer mehr Geld auch im­mer mehr Glück? Ja – aber nicht un­be­grenzt. Das größ­te Glücks­ge­fühl lässt sich so­gar auf ei­nen ge­nau­en Be­trag fest­le­gen: 61000 Eu­ro. Der schot­ti­sche Wis­sen­schaft­ler An­gus Dea­ton fand in ei­ner groß an­ge­leg­ten Stu­die her­aus, dass Men­schen, die die­sen Be­trag pro Jahr ver­die­nen, am zu­frie­dens­ten sind. Je­de Ge­halts­er­hö­hung bis zu die­sem Be­trag stei­gert un­ser Glücks­ge­fühl. Da­nach ist Schluss, das Glücks­ge­fühl sta­gniert. Im­mer mehr Geld an­zu­häu­fen macht al­so nicht au­to­ma­tisch im­mer glück­li­cher. Da­für gibt es meh­re­re Grün­de: Zum ei­nen de­fi­nie­ren wir Glück oder Er­folg nicht mehr in ers­ter Li­nie über Geld. „Für die Mehr­heit der Men­schen liegt der Schlüs­sel zur Er­fül­lung in der Art der Ar­beit und ob sie in ei­nem ge­rech­ten Ver­hält­nis zum Auf­wand steht“, so der For­scher. Denn: Mehr Geld be­deu­tet in den meis­ten Fäl­len auch deut­lich mehr Ar­beit – und das ist es uns heu­te im­mer öf­ter schlicht nicht wert, weil es auf Kos­ten un­se­rer Le­bens­qua­li­tät geht. Auch ein wich­ti­ger Punkt: Geld bringt Ver­ant­wor­tung mit sich. Mal ehr­lich, je­der von uns hat­te schon mal den Traum, ei­nen Jack­pot zu kna­cken oder ir­gend­wie reich und be­rühmt zu wer­den. Aber: Wenn man nicht ge­lernt hat, grö­ße­re Sum­men zu ver­wal­ten, ist die Wahr­schein­lich­keit hoch, dass man dar­an schei­tert. Schät­zun­gen zu­fol­ge sind zum Bei­spiel 80 Pro­zent der Lot­to­ge­win­ner schon zwei Jah­re nach ih­rem Ge­winn wie­der plei­te. Weil wir mit zu viel Geld auf ein­mal schlicht über­for­dert sind. Aber wer in ei­nem nor­ma­len Job ar­bei­tet, hat laut dem Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung so­wie­so nicht die bes­ten Chan­cen, ir­gend­wann mal im Geld zu schwim­men: „Selbst­stän­di­ge und Un­ter­neh­mer ma­chen die größ­ten Ge­halts­sprün­ge“, so die Wis­sen­schaft­ler. Aber was be­deu­tet es über­haupt, reich zu sein? Der Staat sagt: Wer ein Ver­mö­gen von 500000 Eu­ro auf­wärts zur Ver­fü­gung hat, gilt als reich. An­la­geOb­jek­te wie Häu­ser zäh­len al­so nicht mal mit. In Deutsch­land sind drei Vier­tel der Rei­chen männ­lich. Ihr Durch­schnitts­al­ter liegt bei 59 Jah­ren. For­scher des DWD er­klä­ren au­ßer­dem: „Der Reich­tum in Deutsch­land ist un­ge­recht ver­teilt. 50 Pro­zent der Be­völ­ke­rung be­sit­zen le­dig­lich ein Pro­zent des ge­sam­ten Ver­mö­gens. Die obe­ren 10 Pro­zent be­sit­zen 70 Pro­zent.“Ten­denz: stei­gend. Denn: Ein Dax-vor­stand ver­dient heu­te bis zu 200-mal mehr als ein An­ge­stell­ter. In der 80er-jah­ren war es „nur“80-mal mehr. Wie­so spricht dann nie­mand über geld? Ei­gent­lich müss­ten wir uns viel lau­ter über die­sen Zu­stand em­pö­ren. Aber wir tun ge­nau das Ge­gen­teil: schwei­gen. Für 60 Pro­zent der Deut­schen ist Geld im­mer noch ein Ta­bu­the­ma. Welt­weit sind wir da­mit Spit­zen­rei­ter im Schwei­gen, wie ei­ne Un­ter­su­chung der Post­bank zeig­te. Ob un­se­ren Kol­le­gen, Freun­den, manch­mal so­gar un­se­ren El­tern: Wir ver­ra­ten nicht gern, was auf un­se­rem Ge­halts­zet­tel steht. Wie­so? Weil wir Angst ha­ben, dass da viel we­ni­ger steht als bei an­de­ren. Oder weil wir ah­nen, dass es ver­dammt we­nig ist. Und weil wir ge­ne­rell zu we­nig über Geld wis­sen. Ta­ges­geld­kon­to, Ak­ti­en, Steu­ern … Wir ha­ben kei­ne Lust, uns da­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Und be­zah­len – zum Bei­spiel den Steu­er­be­ra­ter oder durch Zin­sen, die uns durch die Lap­pen ge­hen – für un­se­re Faul­heit. Auch un­se­re Kul­tur spielt ei­ne Rol­le: Wir set­zen das Schwei­gen über Geld im­mer noch mit gu­ter Er­zie­hung gleich. Über Geld re­den nur Prot­zer – die Geis­sens die­ser Welt, die ih­re Vil­len bei RTL im Fern­se­hen zei­gen und sich beim Ro­lex-shop­ping fil­men las­sen. Wir Nor­ma­los hal­ten es ge­nau an­ders­rum: Wenn wir über­haupt mal über Geld spre­chen, dann, um zu er­zäh­len, wie we­nig wir für et­was aus­ge­ge­ben ha­ben à la: „Ach, der Pul­li, den hab ich für 19 Eu­ro im Sa­le ge­schos­sen!“An­statt aber al­les mit uns al­lein aus­zu­ma­chen – zum Bei­spiel un­se­ren Frust über die ge­platz­te Ge­halts­er­hö­hung oder un­se­re Fra­gen zu Di­s­po-zin­sen –, soll­ten wir an­fan­gen, uns öf­ter mit an­de­ren aus­zu­tau­schen. Mit un­se­ren Freun­den zum Bei­spiel. Um von­ein­an­der zu ler­nen und Geld zu ent­ta­bui­sie­ren – wir zei­gen ja auch sonst un­ser Le­ben oder uns selbst im Bi­ki­ni be­reit­wil­lig auf Ins­ta­gram. War­um nicht mal of­fen über Geld nach­den­ken?

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