Sieht selt­sam aus, aber viel­leicht wird aus die­sem Get-to­ge­ther die gro­ße Lie­be. Der neue Da­ting-trend

kif­fer, Veg­gies, Trek­kies … singles su­chen jetzt on­li­ne auf Platt­for­men für spe­zi­el­le in­ter­es­sen nach dem per­fek­ten part­ner. war­um das so ist und ob es was bringt

Maxi (Germany) - - Inhalt - Text Ali­na Mi­le­wicz

Sie hasst es, ei­ne ein­zel­ne So­cke zu ver­lie­ren. Lang­sa­mes WLAN bringt sie rich­tig auf die Pal­me, beim Zwie­bel­schnei­den muss sie heu­len und Do­nald Trump geht eh gar nicht. Was ihr auch nicht ge­fällt, ist ihr Sing­le-sta­tus. Den ver­sucht sie mit­hil­fe der Da­ting-app „Ha­ter“zu än­dern. Denn sie hofft, hier ei­nen Mann zu fin­den, der ab­ge­se­hen von den Stan­dards (Mit­te 30, min­des­tens 1,80 Me­ter groß, vol­ler Haar­schopf – klar!) die­sel­ben Din­ge hasst wie sie. Klingt ab­ge­dreht? Mag sein, aber die­se Mie­se-pe­tra liegt mit ih­rer Da­ting­tak­tik voll im Trend. Vor­teil: Vor­lie­be Lie­beshung­ri­ge mel­den sich jetzt näm­lich bei Apps und Com­mu­ni­tys an, die ver­spre­chen, den Part­ner fürs Le­ben in ei­ner Ni­sche zu fin­den: Sci­ence-fic­tion­fans et­wa kön­nen nach ih­rem Han So­lo bei „Trek Pas­si­on“su­chen. Auf „Ra­ya“, das auch ger­ne „Tin­der für Il­lu­mi­na­ti“ ge­nannt wird, tum­meln sich Stars und Stern­chen, die nur auf Emp­feh­lung ei­nes an­de­ren Mit­glieds und mit ei­ner an­stän­di­gen Fol­lo­werschaft bei Ins­ta­gram (man mun­kelt 100 000) den Auf­nah­me­pro­zess be­ste­hen. Nicht ganz so ex­klu­siv geht es bei „Dog 2 Lo­ve“zu: Hier sucht Frau­chen nach ei­nem „Hun­de-pa­pa“. Und Lieb­ha­ber der elek­tro­ni­schen Tanz­mu­sik kön­nen viel­leicht bald dank „Mix’d“ge­mein­sam ra­ven – denn die App matcht Leu­te nach ih­ren Lieb­lings-tech­no-djs. Es ist al­so nicht mehr ge­nug, ein­fach nur

gut aus­zu­se­hen, um ei­nen Swi­pe nach rechts zu be­kom­men. Klar hat das ei­ne gan­ze Wei­le Spaß ge­macht und man hat­te plötz­lich rich­tig vie­le Da­tes, aber ge­nau des­we­gen sind wir auch an­spruchs­vol­ler ge­wor­den. Un­zäh­li­ge ers­te Tref­fen, auf die kei­ne zwei­ten folg­ten, und genau­so vie­le Chat-lei­chen sind frus­trie­rend und an­stren­gend. Ei­ne neue Such­stra­te­gie muss her! Bei Ha­ter funk­tio­niert das so: Aus mehr als 2500 The­men wäh­len Singles aus, wie schlimm sie et­wa lau­tes At­men (Boah!), Po­sel­fies (ja nee, ist klar!) oder Men­schen fin­den, die bei Face­book zu Can­dy Crush Sa­ga ein­la­den (ES NERVT!). Vor­ge­schla­gen wer­den ei­nem dann po­ten­zi­el­le Flirts, die mög­lichst vie­le Sa­chen gleich blöd fin­den. Was das bringt? Man läuft im­mer­hin nicht Ge­fahr, sich Hals über Kopf in ein zu­cker­sü­ßes Pro­fil­bild und ein paar wit­zi­ge Chat-nachrichten zu ver­gu­cken, um dann beim Da­te raus­zu­fin­den, dass er auf wirk­lich je­des Kon­zert von He­le­ne Fi­scher geht! Bei Ha­ter könn­te sie ja an­ge­ben, dass Schla­ger sie atem­los ma­chen – vor lau­ter Wi­der­wil­len. Der Grün­der der App, Bren­dan Al­per, sag­te es in ei­nem In­ter­view so: „Apps der neu­en Ge­ne­ra­ti­on, wie Tin­der oder Bum­ble, ha­ben Da­ting sehr viel ef­fi­zi­en­ter ge­macht. Aber die Leu­te ha­ben da­bei an Per­sön­lich­keit ver­lo­ren.“ Da­bei sind wir doch die Ge­ne­ra­ti­on „Mehr Mut zur In­di­vi­dua­li­tät“! Auf al­len So­ci­al-me­dia-ka­nä­len schreit es uns förm­lich ent­ge­gen und in je­dem Ma­ga­zin wird uns das Ge­fühl ver­mit­telt: Du bist ein­zig­ar­tig! Klar tra­gen wir al­le die glei­chen Kla­mot­ten und ar­bei­ten in den­sel­ben Bran­chen – trotz­dem sind wir na­tür­lich nicht nur ei­ne von vie­len. Un­ser Part­ner soll bit­te genau­so „be­son­ders“sein, wie wir es ver­meint­lich sind. So wird dann eben un­se­re An­ti-hal­tung schnell mal iden­ti­täts­stif­tend. Was Wirk­lich zählt Bei Mal­te ist das Gras rau­chen. Er sucht – wenn man sei­nem Da­ting-pro­fil Glau­ben schen­ken darf – „die Rich­ti­ge fürs Le­ben“. Und zwar bei „My420ma­te“– der Com­mu­ni­ty für Freun­de des ge­pfleg­ten Can­na­bis-kon­sums. Hier wer­den nicht nur Stan­dards (groß oder klein, dick oder dünn, in­ter­es­siert an Män­nern oder Frau­en) ab­ge­fragt. Viel wich­ti­ger ist, wel­che Sor­te Gras die Singles be­vor­zugt rau­chen – ent­span­nen­des „In­di­ca“oder auf­put­schen­des „Sa­ti­va“(bei­des geht na­tür­lich auch)! Und über­haupt: Wird aus me­di­zi­ni­schen Grün­den oder aus Spaß ge­qualmt, je­den Tag, wö­chent­lich oder 24/7? Wow … echt jetzt? Na­tür­lich klingt es erst mal ab­surd, ei­nen Part­ner zu su­chen, der mit dem ei­ge­nen Ma­ri­hua­na-kon­sum kom­pa­ti­bel ist. Aber – wie­so denn ei­gent­lich nicht? Auf der Web­site von „My420ma­te“heißt es: „Sei kein ein­sa­mer Sto­ner, fin­de dei­ne Ma­ry Ja­ne!“Das ist üb­ri­gens die eng­li­sche Form von „Ma­ria Jua­na“und wie „420“ein Er­ken­nungs­code der Kif­ferGe­mein­schaft. Wer das nicht weiß, ge­hört nicht da­zu und wird hier be­stimmt nicht fün­dig. Der Vor­teil die­ser Sing­le-se­lek­ti­on liegt auf der Hand. „Part­ner­su­che be­deu­tet vor al­lem zeit­auf­wen­di­gen Ein­satz. Je ziel­ge­nau­er die Vor­aus­wahl ist, um­so we­ni­ger Zeit muss ich in­ves­tie­ren und um­so sel­te­ner muss ich beim ers­ten Da­te mit ei­ner Ent­täu­schung rech­nen“, sagt Be­zie­hungs­coach und Paar­be­ra­ter Eric Heg­mann. Zeit ha­ben wir, ne­ben Voll­zeit­job, Fa­mi­lie und Freun­den, eh nicht. Und wenn Mal­te ei­ne Frau da­tet, die er bei „My420ma­te“ken­nen­lernt, muss er sich zu­dem kei­ne Sor­gen ma­chen, dass sie Kif­fer blöd fin­det. Nur so und Nicht an­ders? Bei „Veg­gie Com­mu­ni­ty“sucht Se­bas­ti­an nach ei­ner Part­ne­rin, die – na klar – auf Fleisch ver­zich­tet. Fru­ta­ri­er, Free­ga­ner oder ve­ga­ner Roh­köst­ler muss sie nicht sein (auch das sind hier Such­ka­te­go­ri­en). Aber war­um ist er nicht, wie im­mer­hin zwei Mil­lio­nen Deut­sche, bei Tin­der an­ge­mel­det und fragt ein­fach nach, wenn’s erns­ter wird? Se­bas­ti­an: „Hier weiß ich ein­fach von vorn­her­ein, was Sa­che ist, und mit ei­ner Fleisch­es­se­rin kann ich mir eh nichts Fes­tes vor­stel­len. Da sind mir die An­sich­ten zu un­ter­schied­lich.“Kla­re Er­war­tungs­hal­tung! Bleibt die Fra­ge, ob wir uns so am En­de die Mög­lich­keit ver­bau­en, je­man­den ken­nen­zu­ler­nen, der zwar an­ders tickt, aber ge­ra­de des­halb wie die Faust aufs

Per­fect match

Glei­che Stadt, glei­cher Sta­tus, glei­cher (Ver-)klei­dungs­stil? Ob wir uns ver­lie­ben oder nicht, ent­schei­det kein Al­go­rith­mus die­ser Welt. Bei der Su­che nach dem Rich­ti­gen hilft er aber schon

Au­ge zu uns passt. Sind wir al­so – un­char­mant for­mu­liert – zu selbst­ver­liebt? Kei­ne Sor­ge, so ver­korkst sind wir na­tür­lich nicht. Aber wir ken­nen es doch al­le: Auf ein Da­te ver­ab­re­den wir uns lie­ber mit je­man­dem aus dem en­ge­ren oder wei­te­ren Be­kann­ten­kreis. Weil wir da wis­sen, dass wir die­sel­ben Leu­te mö­gen und ziem­lich si­cher auf ei­ner Wel­len­län­ge lie­gen. Ni­schen-da­ting ist ei­gent­lich auch nichts an­de­res als so ein Start mit Sym­pa­thie-bo­nus – bloß mit ei­nem Un­be­kann­ten. Aber so fan­gen ja oft die schöns­ten Hol­ly­wood-roman­zen an…

Kaum zu Glau­ben, aber: rund 2500 da­ting­por­ta­le Gibt es in deutsch­land! mo­nat­lich sind hier 8,4 mil­lio­nen su­chen­de un­ter­wegs. und das al­ler­bes­te: mehr als 30 Pro­zent al­ler be­zie­hun­gen star­ten on­li­ne

Tref­fen sich zwei freaks … im bes­ten fall wird das kein witz – son­dern die gros­se lie­be

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