Rei­se: Wal­king in Os­lo

Sie ist der Über­flie­ger im ho­hen Nor­den, denn nor­we­gens Haupt­stadt hat zu Land und zu Was­ser, sty­ling- und snack­tech­nisch über­zeu­gen­de Ar­gu­men­te! Wel­che das sind und war­um sich ein Städ­te-trip an den Fjord ge­ra­de jetzt rich­tig lohnt

Maxi (Germany) - - Inhalt - Text Ali­na Mi­le­wicz

War­um sich ein Städ­te-trip an den Fjord ge­ra­de jetzt lohnt

stadt

Hän­de hoch, wer bei Skan­di­na­vi­en zu­erst an Stock­holm oder Ko­pen­ha­gen denkt! Na, er­wischt? Ging mir genau­so. Aber Os­lo ist ein Über­ra­schungs­ei: Wäh­rend mein Blick im Vier­tel Bjør­vi­ka noch an un­zäh­li­gen Bau­krä­nen hängt (Os­lo ist die am schnells­ten wach­sen­de Haupt­stadt Eu­ro­pas!), ste­he ich plötz­lich mit­ten in der Urban-far­ming-com­mu­ni­ty losae­ter (Kong­s­havn­vei­en Ecke Sø­reng­kaia). Wo frü­her Con­tai­ner ge­parkt wur­den, bau­en Os­lo­er jetzt ihr ei­ge­nes Obst und Ge­mü­se an. So wie Food­sty­lis­tin Ce­ci­lia, die mich spon­tan zum Mit­tag­es­sen ein­lädt. Tou­ris ver­ir­ren sich noch sel­ten hier­hin, er­zählt sie, wäh­rend sie den Sa­lat schnip­pelt. Kla­rer Plus­punkt für die Fjord-stadt. „Os­lo ist nicht so über­lau­fen wie Ko­pen­ha­gen und nicht so ‚posh‘ wie Stock­holm“, meint die Frei­luft­kö­chin. Zur Ern­te­zeit fin­det hier je­den Di­ens­tag ein Abend­es­sen statt, bei dem auch Be­su­cher will­kom­men sind. Mehr lo­cal geht nicht! Da­nach ma­che ich mich auf den Weg nach grü­ner­løk­ka (rund um So­fi­en­berg­par­ken). Ce­ci­lia sagt, dass hier das „ech­te“Os­lo sei. In Ha­fen­nä­he hat sich die Stadt näm­lich, mit al­lem was mo­der­ne Ar­chi­tek­tur zu bie­ten hat, rich­tig raus­ge­putzt. Aber hier im ehe­ma­li­gen Ar­bei­ter­vier­tel fühlt es sich, dank ver­wa­schen pas­tell­far­be­nen Häu­ser­fas­sa­den und her­um­schlen­dern­der Hips­ter, schön urig an. Wer bis zum Abend bleibt, kann sein Bier im Smel­te­ver­ket (Ma­ri­dals­vei­en 17) zwi­schen Mä­dels und Jungs trin­ken, die aus­se­hen, als sei­en sie ei­nem Street­style-blog ent­sprun­gen. Fünf Mi­nu­ten wei­ter im Blå (Bren­ne­rivei­en 9) fin­det fast je­den Abend ein In­die-kon­zert statt (Pro­gramm: blaa­os­lo.no). Und die bes­ten Hin­ter­hof­näch­te er­lebt man in der angst-bar (Torg­gata 11). Der Na­me ist üb­ri­gens als War­nung zu ver­ste­hen: Der art­sy La­den ist im­mer rap­pel­voll – wer Platz­angst hat, tanzt hier ge­fähr­lich!

Na­tur

Ich bin mit Leib und See­le Stadt­kind! Ei­nen Aus­flug ins Grü­ne bei ei­nem Städ­te-trip? Da braucht es schon sehr viel Über­zeu­gungs­kraft. Und die hat Os­lo, kei­ne Fra­ge: Für 3, 50 Eu­ro fährt mich die Fäh­re (Li­nie B1, B2 oder B3) vom Ab­le­ger beim Rat­haus (Råd­hus­plas­sen 1) zur In­sel Ho­ve­døya – in nur fünf Mi­nu­ten! Was es hier gibt? Ein rotes Ca­fé mit Re­tro-flair, le­cker Eis und Klos­ter­rui­nen (die für mein Ver­ständ­nis auch ein­fach grö­ße­re St­ei­ne sein könn­ten). Und am wich­tigs­ten: gaa­anz viel Ru­he! Selbst ich bin für so ei­ne Aus­zeit zu ha­ben. Erst recht, wenn das Was­ser der Fjor­de an das In­sel­u­fer plät­schert, die Mö­wen in der Son­ne ent­span­nen (Kitsch­fak­tor zehn!) und ich weiß, dass ich in ein paar Mi­nu­ten zu­rück im Ge­sche­hen sein kann. Das­sel­be gilt üb­ri­gens auch für die In­seln Nak­hol­men, Lin­døya oder Blei­køya. Sie sind al­le mit der Fäh­ren-li­nie B1 in höchs­tens 20 Mi­nu­ten er­reich­bar und fah­ren ganz schön viel un­be­rühr­te Na­tur (weil Schutz­ge­bie­te) und Eins-a-mee­res­blick auf. Zu­rück am Ha­fen (Aker Bryg­ge), bin ich von der gan­zen Mee­res­luft rich­tig an­ge­fixt und las­se mir von den Fi­schern, die hier ih­re frisch ge­fan­ge­nen Mee­res­tier­chen di­rekt vom Was­ser an den Mann brin­gen, ei­ne Por­ti­on Kr­ab­ben an­dre­hen. Denn das ty­pi­sche Pau­sen­brot der Nor­we­ger ist Ba­guette, be­legt mit fri­schen Kr­ab­ben, Zi­tro­ne und Mayon­nai­se. Wo­zu die üp­pi­ge und ver­bo­ten le­cke­re Stär­kung? Nun ja, wer ein­mal in Os­lo ist, der nimmt es fast au­to­ma­tisch als sport­li­che Her­aus­for­de­rung, ne­ben Fjor­den und Fa­shion (da­zu auf der nächs­ten Sei­te mehr) auch noch die Fors­te zu er­kun­den – und zwar al­les an ei­nem Tag! Das geht na­tür­lich nur, weil Os­lo so über­sicht­lich ist. Selbst wer nur ein oder zwei Ta­ge hier ver­bringt, kriegt ei­ne Men­ge zu se­hen. Ich fah­re in ge­ra­de mal 20 Mi­nu­ten bis zum Eke­berg­par­ken. Ne­ben der bes­ten Aus­sicht auf die Haupt­stadt mit­ten im Fjord gibt es in die­sem Park auch ei­ne Men­ge Kunst zu se­hen. Schlen­dert man durchs Grün, be­geg­nen ei­nem über­all Skulp­tu­ren nor­we­gi­scher und in­ter­na­tio­na­ler Künstler, die viel über Land und Leu­te er­zäh­len – lang­wei­lig wird es hier al­so nicht!

Shop­ping

Wirk­lich wahr: Skan­di­na­vi­er sind nicht nur mit gu­ten Ge­nen, son­dern auch mit ei­nem be­nei­dens­wer­ten Stil­ge­fühl ge­seg­net (sie­he oben). Kein Wun­der, dass der Scan­di-look so ge­hypt wird! Gut, dass ich mich hier da­mit ein­de­cken kann. Die Os­loe­rin Chris­ti­na Le­dang, der das La­bel Cle­an ge­hört (oben links) und die ich im Ca­fé ih­res Man­nes (nächs­te Sei­te) tref­fe, ver­rät mir, wo ich Tei­le mit dem „Wo hast du das denn her?“-ef­fekt schie­ßen kann: auf der Torg­gata-stra­ße, die Grü­ner­løk­ka mit der Alt­stadt ver­bin­det. Hier wech­seln sich sü­ße Ca­fés mit klei­nen Bou­ti­quen ab. Das Qo­mo (Torg­gata 35) et­wa woll­te ich mir we­gen des sty­lis­hen In­te­ri­ors an­se­hen – ge­gan­gen bin ich dann mit coo­lem Woll­pul­li und Schal (ist ja bald Win­ter!). Im Se­con­dhand-la­den Ro­bot wan­der­ten ein paar Vin­ta­ge-som­mer­kleid­chen in mei­ne Ta­sche (fürs nächs­te Jahr!). Bei Gre­nen (Olaf Ryes Plass 6) ka­men Bio­sei­fen vom Os­lo­er Be­au­ty-la­bel „Ne­ven“(duf­ten himm­lisch nach La­ven­del und Anis!) und an­de­rer grü­ner Schön­heits­schnick­schnack da­zu.

Es­sen

In auf­fäl­lig vie­len Ca­fés, z. B. im Pe­lo­ton (Torg­gata 35) oder Oslove­lo (Seil­duks­ga­ta 23A), hän­gen Renn­rä­der rum. Das hat aber nix mit Spor­teln nach dem Es­sen zu tun, son­dern da­mit, dass Os­los Stra­ßen nach und nach zu au­to­frei­en Zo­nen wer­den. Auch des­halb sind die Zwei­rä­der der Städ­ter liebs­tes Hob­by – selbst bei der Kaf­fee­pau­se ha­ben die Os­lo­er sie gern um sich oder las­sen sie fix auf­mö­beln. Ent­spann­ter geht nicht! Ob per Rad oder zu Fuß: Ener­gie für den Stadt­bum­mel tankt man am bes­ten mit Nor­we­ger-waf­feln, und zwar mit ge­koch­tem brau­nen Zie­gen­kä­se. Klingt ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, aber schmeckt le­cker süß nach Ka­ra­mell! Bei Ha­ralds Vaf­fel (Sver­drups Ga­te 2) gibt’s die bes­ten und mit knapp 5 Eu­ro güns­tigs­ten Waf­feln. Tie­fer in die Ta­sche muss man bei Tjuvhol­men Sjø­ma­gasin (Tjuvhol­men Al­lé 14) grei­fen, da­für wird der Fisch, der hier auf die Tel­ler kommt, im Fjord di­rekt vor der Tür ge­fischt!

In Grü­ner­løk­ka fla­nie­ren die tren­di­gen Städ­ter oder schlür­fen ih­ren Lat­te in ei­nem der vie­len Ca­fés

Auf das 110 Me­ter brei­te und 207 Me­ter lan­ge Neue Opern­haus kann man rauf­klet­tern, um dann beim Blick auf den Os­lo-fjord all die un­ter­schied­li­chen Blau­tö­ne zu zäh­len

Ta­ke me on the Fer­ry: Auf dem Was­ser­weg geht es für ein fi­xes Eis im Grü­nen auf die In­sel „Ho­ve­døya“

Wie gut die aus­se­hen! Die klei­nen Bou­ti­quen (hier das „Qo­mo“) auf der Torg­gata-stra­ße ha­ben sich mit viel Lie­be zum De­tail chic ge­macht

Bei „Fransk Ba­zar“(Grü­ners Ga­te 5) schlägt das Herz je­des Vin­tag­ein­te­ri­or-lieb­ha­bers hö­her

Im „Oslove­lo“be­rei­tet Be­sit­zer Si­mon (den pink­far­be­nen Pul­li hat sei­ne Frau de­signt) sel­ber den Kaf­fee zu und re­pa­riert auch Rä­der

Steht für gute Lau­ne, selbst wenn’s reg­net – und das tut es in Os­lo im­mer­hin an 184 Ta­gen im Jahr

Teu­rer als bei uns, aber de­fi­ni­tiv auch schi­cker: Auf ih­re Craft-beer-sze­ne sind die Os­lo­er sehr stolz!

1. Fri­sches­ten Fisch di­rekt aus dem Fjord gibt’s bei „Tjuvhol­men Sjø­ma­gasin“und auch in der 2. „Mat­hal­len“(sie­he Kas­ten)

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