So viel zum The­ma …

Fal­len ei­gent­lich al­le so leicht auf Fa­ke-schnäpp­chen rein wie ich? Und wo­her ken­nen Gangs­ter mei­ne Han­dy­num­mer? Au­to­rin Mei­ke Werk­meis­ter sagt, wie sie es sieht: die Sa­che mit der Lie­be, den Freun­den, den Zwei­feln. Und den In­ter­net-be­trü­gern

Maxi (Germany) - - Inhalt -

In­ter­net-be­trü­ger

Ich bin ein di­gi­tal eher nai­ver Mensch. Ich be­nut­ze das­sel­be Pass­wort für meh­re­re Por­ta­le, ver­wen­de un­be­küm­mert Whatsapp und läch­le mil­de, wenn Leu­te mir er­zäh­len, dass sie von Face­book ab­ge­hört wer­den. Was trei­be ich schon im In­ter­net, das für ir­gend­wen in­ter­es­sant sein könn­te? Wie ge­sagt: ein we­nig na­iv – was ich als durch­aus ent­las­tend emp­fin­de als Frau, die je­de Nacht we­gen Fa­ke-ein­bre­chern hoch­schreckt. Da brau­che ich nicht auch noch die Sor­ge um Fa­ke-bril­len­an­ge­bo­te oder Fa­ke-kon­to­aus­zü­ge. Bis es mich doch er­wisch­te. Seit ei­ni­ger Zeit lieb­äu­gel­te ich mit ganz be­stimm­ten Snea­kers. Be­dau­er­li­cher­wei­se war das Letz­te, was ich ge­ra­de brauch­te, ein wei­te­res Paar Schu­he. Al­ler­dings für we­ni­ger als die Hälf­te des Prei­ses… Es hät­te mich miss­trau­isch stim­men müs­sen, tat es aber nicht. Ich klick­te mich ruck, zuck durch den Be­stell­vor­gang, der zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen et­was schlam­pig pro­gram­miert war („Vorn­me, Ge­burtsng“). Nach der Ab­bu­chung des Be­tra­ges von mei­ner Kre­dit­kar­te pas­sier­te erst mal lan­ge nichts. Die Nach­fra­ge war si­cher groß, schob ich ein ers­tes mul­mi­ges Ge­fühl bei­sei­te … Sie­ben Wo­chen spä­ter er­hielt ich ein Päck­chen. Es war so schmal wie ei­ne DVD und aus Chi­na ver­schickt wor­den. Der Blick mei­nes Man­nes, der es aus dem Brief­kas­ten zog, sprach Bän­de. Im Pa­ket be­fand sich ein Guc­ci-schal, oder sa­gen wir: die freie Nach­bil­dung ei­nes sol­chen. Au­ßer­dem die Auf­for­de­rung, in­ner­halb von zehn Ta­gen ei­nen sechs­stel­li­gen Be­trag auf ein Kon­to in Ban­gla­desch zu über­wei­sen. Bei der Po­li­zei nahm man ach­sel­zu­ckend mei­ne An­zei­ge auf und er­klär­te mir, was ich eh längst wuss­te: „Sie sind auf ei­ne in­ter­na­tio­na­le Be­trü­ger­ban­de rein­ge­fal­len, da kann man nichts ma­chen“. Im­mer­hin war ich ge­warnt. Dach­te ich. Kur­ze Zeit spä­ter kon­tak­tier­te mich ei­ne Be­kann­te über Face­book, sie ha­be mei­ne Num­mer ver­schlampt. Aus­ge­rech­net an ih­rem ei­ge­nen Ge­burts­tag. Bin­go, dach­te ich, da springt si­cher ei­ne kurz­fris­ti­ge Ein­la­dung raus, und schrieb: „Mensch, erst mal herz­li­chen Glück­wunsch!“Die Ant­wort: „Dan­ke sehr! Und jetzt dei­ne Han­dy­num­mer.“Viel­leicht hät­te mich der do­mi­nan­te Ton stut­zig ma­chen sol­len, aber ich saß vor mei­nem in­ne­ren Au­ge be­reits bei ei­nem Pro­sec­co in ih­rem Wohn­zim­mer. Schon be­kam ich ei­ne SMS, die mich auf­for­der­te, ir­gend­ei­nen Co­de wei­ter­zu­lei­ten, da­mit be­sag­te Freun­din bei ei­nem Ge­winn­spiel… Ich ver­stand kein Wort, aber was soll’s, es war ihr Ge­burts­tag, ich schick­te den Co­de. In die­sem Mo­ment ge­scha­hen zwei Din­ge gleich­zei­tig: Mein Mann schau­te mir über die Schul­ter. Und auf mei­nem Dis­play er­schien: „Und jetzt die PIN für dein On­li­ne­ban­king.“Mein Mann schrie auf. Ich bin mir jetzt ganz si­cher, er trau­te mir ins­ge­heim zu, dass ich für die Aus­sicht auf ei­ne Par­ty-ein­la­dung so­gar be­reit war, mei­ne Kon­to­da­ten raus­zu­rü­cken. Dies­mal kam ich zum Glück aber mit ei­nem Schreck da­von. Der bis da­to höf­li­che Ga­no­ve sen­de­te mir, als ich nicht mehr spur­te, noch meh­re­re SMS, die in die­sem For­mat lei­der nicht zi­tier­fä­hig sind … Seit­dem fra­ge ich mich bei je­der schrä­gen Nachricht, ob ihr Ab­sen­der mal wie­der zu lan­ge „Ga­me of Thro­nes“ge­guckt hat oder ich ge­ra­de wie­der mit ir­gend­ei­nem Ha­cker kom­mu­ni­zie­re. Na ja, ein Gu­tes ha­ben die­se Erlebnisse im­mer­hin: Ich bin jetzt ziem­lich im­mun ge­gen Schnäpp­chen-an­zei­gen.

Ich er­hielt ei­ne art Guc­ci-schal und soll­te ei­nen sechs­stel­li­gen Be­trag auf ein Kon­to In Ban­gla­desch über­wei­sen

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