Neu­an­fang

Als Pe­trA, 52, zu ih­rem Theo nach Grie­chen­land zieht, denkt sie: Das ro­cken wir schon. Jetzt ste­cken sie mit­ten­drin in der Kri­se

Meins - - Inhalt - VON ANDRE­AS JUHNKE

pe­tra, 52, wan­der­te nach Grie­chen­land aus

All ih­re hüb­schen Fe­ri­en­häu­ser? Leer! Re­gen und 19 Grad im Ju­ni, das hat­te es in Grie­chen­land noch nie ge­ge­ben. Der grie­chi­sche Staat tau­mel­te scharf am Ab­grund ent­lang. Und dann war auch noch Pe­tras Lieb­lings­ka­ter ver­schwun­den! War das das En­de von „Ky­ra’s Pa­ra­di­se“, ih­rem Gar­ten Eden?

„Ich woll­te gar kei­ne Nach­rich­ten mehr se­hen, es war so nie­der­schmet­ternd“, er­zählt Pe­tra Rath­mann, 52. Statt­des­sen hat sie Ver­schwö­rungs-Vi­de­os bei YouTube ge­schaut. „Das ist nicht bes­ser, aber im­mer­hin be­steht die Chan­ce, dass die nicht wahr sind. Im Ge­gen­satz zu un­se­rer Mi­se­re hier.“

Man muss wis­sen, dass Pe­tra ei­gent­lich der wan­deln­de Op­ti­mis­mus ist. Die stu­dier­te Mu­si­ke­rin rockt ihr Le­ben mit Herz und Rhyth­mus. Sie spiel­te schon Sa­xo­fon für die Band des Schau­spie­lers Jan Fed­der und rock­te mit Pop­star Ian Cus­sick. Und sie trau­te sich schon ziem­lich viel zu. Aus­wan­dern zum Bei­spiel. In ein Land, das sie nicht wirk­lich kann­te …

Denn mu­tig und of­fen wAr Pe­trA schon im­mer.

Des­halb hat­te sie auch da­mals nach­ge­ge­ben, als ih­re El­tern ihr per­ma­nent in den Oh­ren la­gen, sie hät­ten da ei­nen tol­len Mann für sie. Das klingt zu­nächst nicht spek­ta­ku­lär, ist es aber, wenn man be­denkt, dass ih­re El­tern zeit­wei­se in Grie­chen­land wohn­ten. Sie hat­ten dort ein Haus ge­baut. Und ne­ben­an wohn­te halt die­ser tol­le Mann. „Du, hier gibt es ei­nen, der spielt Gi­tar­re. Den musst du ken­nen­ler­nen!“, la­gen sie ihr in den Oh­ren. Pe­tra ver­dreht noch heu­te die Au­gen, wenn sie da­von er­zählt. So wie Theo, dem sei­ne El­tern von Pe­tra mit dem Sa­xo­fon vor­schwärm­ten.

Aber dann, als Pe­tra ih­re El­tern be­sucht, tref­fen sie sich. Am Mit­tel­meer­st­rand, fast aus Ver­se­hen. „Ich hat­te mir nicht vor­stel­len kön­nen, dass mir mei­ne El­tern ei­nen Mann aus­su­chen“, er­zählt sie la­chend. Aber dann macht es trotz­dem „Zoom“. Theo legt ihr sein Grie­chen­land zu Fü­ßen. Pe­tra schenkt ihm ih­re Kar­rie­re als Mu­si­ke­rin. In Po­tis­ti­ka auf dem Pi­li­on, 250 Ki­lo­me­ter süd­lich von Thes­sa­lo­ni­ki, wird sie Wir­tin von „Ky­ra’s Pa­ra­di­se“, das Theo von Pa­pa ge­erbt hat­te.

Aus­sich­ten hat sie da auch. Un­ter­halb des Berg­hangs, an den sich die Häu­ser von „Ky­ra’s Pa­ra­di­se“zwi­schen Blü­ten, Kräu­tern und ur­al­ten Oli­ven­bäu­men schmie­gen, liegt das Meer. Buch­ten, Ber­ge und Fel­sen for­men ei­ne hin­rei­ßen­de Land­schaft. Man hört nur das Ge­läch­ter der Kin­der, die Zi­ka­den, Pe­tras Sa­xo­fon und The­os Gi­tar­re, wenn sie die Gäs­te an ei­nem Grill­abend mit Mu­sik ver­wöh­nen.

In den ers­ten Jah­ren läuft al­les wie am Schnür­chen. Schließ­lich ist Pe­tra ei­ne Kämp­fe­rin und op­ti­mis­tisch. Das Glas ist im­mer halb­voll. Ist das mal nicht so, ist ja auch noch Theo da. Au­gen wie la­ckier­te Koh­le hat der 45-jäh­ri­ge Grie­che, ein Ge­müt wie Son­ne in Do­sen. Er weiß: Pe­tra ist die Aphro­di­te sei­nes Le­bens. Sie weiß: An sei­ner Sei­te wird sie nicht un­ter­ge­hen.

Nach und nach bau­en sie die Häu­ser von „Ky­ra’s Pa­ra­di­se“auf. „Wir ha­ben nie ei­nen Kre­dit auf­ge­nom­men“, er­zählt Theo, „son­dern nur ge­baut,

„Wir ha­ben im­mer nur ge­baut, was wir uns leis­ten konn­ten“

was wir uns leis­ten konn­ten.“Doch lei­der le­ben nicht al­le Grie­chen so. 2009 mach­te die Re­gie­rung Kas­sen­sturz. Und stell­te fest: Das Land ist plei­te. Seit­dem pras­seln Hi­obs­bot­schaf­ten, Spar­pro­gram­me und neue Steu­ern auf die Grie­chen ein. „Den­noch ha­be ich nie be­reut, dass ich hier­her ging“, stöhnt Pe­tra, „nur im Mo­ment ist es schon schwie­rig.“

So wie die­sen Ju­ni.

„Ky­ra’s Pa­ra­di­se“ist ver­waist. Theo und Pe­tra hat­ten im Re­gen ge­duscht, weil ihr ei­ge­nes Bad nie fer­tig­ge­baut wur­de und es im­mer noch kein Dach gab. Nun frie­ren sie beim Früh­stück. „Hol un­ser Geld von der Bank“, sagt sie, „wer weiß, was wird.“„I wo“, meint er, „lass uns lie­ber al­le Re­no­vie­run­gen ma­chen, die wir schon lan­ge auf­schie­ben.“Wo er recht hat, hat er recht, denkt sie. Jetzt hat das Ba­de­zim­mer ein Dach, die Ter­ras­se ist frisch ge­fliest. Und „Ky­ra’s Pa­ra­di­se“glänzt wie neu. Und wo sie recht hat, hat sie recht: Seit Wo­chen kann man nur noch 60 Eu­ro am Tag ab­he­ben.

Im Ju­li wird es wie­der heiß. Die Gäs­te kom­men nach und nach zu­rück in „Ky­ra’s Pa­ra­di­se“. Der Gar­ten Eden ist wie­der vol­ler Le­ben. Grie­chen­land tau­melt wei­ter – oder tanzt es Sir­ta­ki? Das ist selbst aus der Nä­he schwer zu be­ur­tei­len.

Aber der Ka­ter ward nicht mehr ge­se­hen. Doch er ist nicht ganz weg. Sei­ne vie­len Kin­der las­sen sich von den Gäs­te-Kin­dern füt­tern. •

„Ich ha­be nie be­reut, dass ich hier­her ging – aber es ist auch schwie­rig“

ent­SPAnnt Mit Pe­tras El­tern Ed­da, 74, und Klaus, 75 MA­Le­RiScH In Laf­kos, ei­nem hin­rei­ßen­den Ort in der Nä­he

PARADIESISCH Das Re­sort von Pe­tra und Theo liegt auf dem Pi­li­on

op­tiMis­tin Pe­tra, 52, macht das Bes­te aus je­der Si­tua­ti­on. Und kann trotz schwie­ri­ger Zei­ten schon wie­der la­chen

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