Was uns be­wegt

Vor ein­ein­halb Jah­ren zer­brach ih­re hei­le, glück­li­che Welt. Doch jetzt hat Co­rin­na Schu­ma­cher, 46, wie­der zu sich selbst ge­fun­den

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

Wenn das La­chen zu­rück­kehrt

Die blau­en Au­gen blit­zen, und sie zeigt uns ihr schöns­tes La­chen in ih­rer läs­si­gen wei­ßen Blu­se, das blon­de Haar lo­cker hoch­ge­steckt. Schma­ler ist sie ge­wor­den – und ir­gend­wie ge­las­se­ner. Sie wirkt, als wol­le sie al­len sa­gen: Ja, seht her, ich bin wie­der da! So ge­löst und strah­lend ha­ben wir Co­rin­na Schu­ma­cher, 46, häu­fig ge­se­hen, wenn sie mit ih­rem ge­lieb­ten Mann Micha­el, 46, zu­sam­men war. Aber nach sei­nem tra­gi­schen Skiun­fall im De­zem­ber 2013 war die­ses Leuch­ten aus ih­rem

Sie weiß, dass es trotz der Tra­gik er­laubt ist, mal un­be­schwert zu sein

Ge­sicht ver­schwun­den. Doch die­se ganz dunk­le Zeit scheint sie nun hin­ter sich ge­las­sen zu ha­ben.

Ih­re See­le ist jetzt wie­der im Gleich­ge­wicht.

Und da­mit ist Co­rin­na et­was ge­lun­gen, was vie­le, die ein ähn­li­ches Trau­ma er­lit­ten ha­ben, oft nicht schaf­fen: Sie hat dem Le­ben wie­der ei­ne Chan­ce ge­ge­ben.

Wie je­des Jahr rich­tet die Frau des For­mel-1-Welt­meis­ters das Wes­ternReit­tur­nier auf ih­rer Schwei­zer CS Ranch aus (CS steht für Co­rin­na Schu­ma­cher). Aber zum ers­ten Mal seit dem schreck­li­chen Un­glück sitzt Co­rin­na Schu­ma­cher bei ei­nem Tur­nier wie­der selbst im Sat­tel. In den letz­ten ein­ein­halb Jah­ren dreh­te sich al­les nur um ih­ren schwer kran­ken Mann. Sie häng­te ih­re Reit­kar­rie­re an den Na­gel und zog sich kom­plett zu­rück, um ganz für Micha­el da zu sein. „In die­ser Zeit stand ihr na­tür­lich nicht der Kopf nach Rei­ten. Ih­re Ge­dan­ken wa­ren im­mer bei ih­rem Mann“, er­zählt ein en­ger Freund. Sie muss­te Ver­ant­wor­tung über­neh­men und die Fa­mi­lie zu­sam­men- hal­ten, vor al­lem für die Kin­der da sein. Es kos­te­te sie viel Kraft, Toch­ter Gi­na, 18, und Sohn Mick, 16, trotz des Schick­sals­schlags ein weit­ge­hend nor­ma­les Le­ben zu er­mög­li­chen. Sie fuhr sie zu Wett­kämp­fen, steck­te selbst zu­rück.

Dann, im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res hol­te sie ih­ren pfle­ge­be­dürf­ti­gen Mann nach Hau­se. Al­lein die Tat­sa­che, dass er jetzt wie­der bei ihr ist, das Ge­fühl, ihn in der Nä­he zu ha­ben, hat sie zur Ru­he kom­men las­sen – und ihr wie­der neue Lust aufs Le­ben ge­schenkt. Schritt für Schritt ar­bei­tet sie sich jetzt zu­rück. „Sie hat sich ent­schie­den, den All­tag wei­ter statt­fin­den zu las­sen, so schwer die Si­tua­ti­on für die Fa­mi­lie auch ist“, sagt Bun­des­trai­ner Ni­co Hör­mann. Co­rin­na macht jetzt wie­der mehr für sich, ist wie­der je­den Tag im Stall, hat so­gar Plä­ne: „Künf­tig möch­te sie auch wie­der häu­fi­ger bei Shows rei­ten“, sagt Sa­bi­ne Kehm, Spre­che­rin der Fa­mi­lie Schu­ma­cher.

Wie gut es ist, den All­tag nach ei­nem Trau­ma wie­der ins Le­ben zu las­sen, weiß die Ner­ven­ärz­tin und Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin Lui­se Red­de­mann, Spe­zia­lis­tin im Be­reich der Trau­maFor­schung. Sie sagt: „Min­des­tens drei von vier Men­schen müs­sen ein­mal im Le­ben Schick­sals­schlä­ge hin­neh­men. Die meis­ten Men­schen ha­ben ge­nü­gend ei­ge­ne Kraft­quel­len, um sie zu überwinden.“Auch schwe­re see­li­sche Ver­let­zun­gen kön­nen dann hei­len. „Wich­tig ist da­für ne­ben den ei­ge­nen Heil­kräf­ten ein si­che­res so­zia­les Netz wie Fa­mi­lie und Freun­de, um die in­ne­ren Kräf­te mo­bi­li­sie­ren zu kön­nen.“

Ja, und ge­nau das hat Co­rin­na ge­tan. Ih­re Kin­der, ihr All­tag und ih­re Lie­be zu den Pfer­den ge­ben ihr neue Kraft. Auch heu­te sind ih­re Ge­dan­ken bei ih­rem Mann, je­den Mor­gen hofft sie, dass es ihm end­lich bes­ser geht. Aber sie weiß auch, dass es trotz der Tra­gik er­laubt ist, mal un­be­schwert zu sein, von Her­zen la­chen zu dür­fen.

Co­rin­na Schu­ma­cher ist ei­ne tap­fe­re Frau.

Und be­lohnt wird sie durch ih­re bei­den Kin­der: Sohn Mick fährt schon Ren­nen wie der Pa­pa, und Toch­ter Gi­na, eben­falls pfer­de­ver­rückt, ist bei Ma­mas Tur­nier Eu­ro­pa­meis­te­rin ge­wor­den. Die Schu­ma­chers sind ei­ne Fa­mi­lie, die fest zu­sam­men­hält, die sich über den Schick­sals­schlag nicht ver­lo­ren hat. Zu ver­dan­ken ist das al­lein Co­rin­na. „Hoch­ach­tung vor dem, was sie ge­leis­tet hat und wie viel Stär­ke sie be­wei­sen hat“, sagt ein gu­ter Freund. Sie hat die Zü­gel wie­der im Griff – und nicht nur die ih­res Pfer­des, son­dern auch die ih­res Le­bens. •

Strah­lend Co­rin­na Schu­ma­cher lacht wie­der. Es tut ihr gut, wie­der zu rei­ten. Und die Welt freut sich mit ihr

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