Was be­deu­tet Frei­heit

Tun zu kön­nen, was ich will, ist mein höchs­tes Glück Da hat je­der sei­nen ei­ge­nen Blick­win­kel. Aber klar ist: Wir neh­men un­ser Le­ben gern selbst in die Hand und brau­chen Frei­heit, um uns zu ent­fal­ten

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mit 50, 60, 70?

Ab­so­lut frei füh­le ich mich, wenn ich kei­ne Ter­mi­ne ha­be, mich um nichts küm­mern muss und ma­chen kann, was ich will. Ein­fach in den Tag hin­ein­le­ben und die Zeit ver­ges­sen. Egal, ob ich mich hin­set­ze und, wie man so sagt, „das Le­ben auf mich nie­der­reg­nen las­se“. Oder ob ich mich spon­tan ent­schei­de raus­zu­fah­ren, ans Meer, aufs Land. Ich füh­le mich auch frei, wenn ich Mu­sik hö­re und träu­men kann oder wenn ich ein Buch le­se und rich­tig dar­in ein­tau­chen kann und die Welt für ei­nen Mo­ment aus­blen­de. Tun zu kön­nen, was ich will, ist für mich das höchs­te Glück. Jetzt, wo auch mei­ne jüngs­te Toch­ter aus dem Haus ist, ge­nie­ße ich es in vol­len Zü­gen. Das ist für mich wie ei­ne Be­frei­ung. Da­mit kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se ent­ste­hen: Ich lie­be mei­ne drei Töch­ter! Aber ich ha­be sie die längs­te Zeit al­lein er­zo­gen. Mein Mann ist töd­lich ver­un­glückt, als die Jüngs­te zehn war. Das ist schon ei­ne ganz schön lan­ge Stre­cke, und wenn man al­lein ist mit drei Kin­dern, wiegt die Ver­ant­wor­tung noch schwe­rer, als man sie als Mut­ter oh­ne­hin hat. Ich fühl­te mich wie in ei­ner Zwangs­ja­cke, die ich mir al­ler­dings selbst über­ge­streift hat­te. Weil ich den An­spruch hat­te, mög­lichst viel für die Kin­der da zu sein, für al­le drei, und aus­zu­glei­chen, dass ih­nen der Va­ter fehl­te. Das geht na­tür­lich gar nicht, und im Nach­hin­ein weiß ich, ich ha­be mich da­mit über­for­dert. Was zu man­chem un­nö­ti­gem Stress ge­führt hat – auch zwi­schen mei­nen Töch­tern und mir. Da­bei hat­te ich glück­li­cher­wei­se kei­ne fi­nan­zi­el­len Pro­ble­me wie ja vie­le an­de­re al­lein­er­zie­hen­de Müt­ter. Aber jetzt ge­nie­ße ich mei­ne Frei­heit in vol­len Zü­gen und ho­le nach, was ich ver­passt ha­be. Ich kann mir aber auch vor­stel­len, dass es mir ir­gend­wann feh­len wird, mich zu küm­mern, spä­tes­tens wenn ich nicht mehr ar­bei­te. Aber bis da­hin kos­te ich mei­ne Frei­heit in vol­len Zü­gen aus. Kat­ha­ri­na, 56

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