Mein Kurz­trip

Dass die Stadt ei­ne wah­re Wun­der­tü­te ist, hät­te ka­rin bit­tner, 59, nie ge­dacht. bis sie mit ih­rer toch­ter hin­reis­te – und ver­zau­bert wur­de

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Zau­ber­haf­tes Brüs­sel

Al­lein we­gen der Scho­ko­la­de lie­be ich die­sen Ort“, sagt Cho­co­la­tier Lau­rent Ger­baud, wäh­rend er das flüs­si­ge brau­ne Gold in Förm­chen gießt. Dann gibt er sie mir in die Hand, da­mit ich sie mit Le­cke­rei­en mei­ner Wahl be­le­gen kann: Nüs­se, Tro­cken­früch­te, Ka­kao­s­plit­ter. Bin ich hier im Schla­raf­fen­land? So ähn­lich: in Brüs­sel!

Bis­her kann­te ich die bel­gi­sche Haupt­stadt nur aus den Nach­rich­ten. Von „Haupt­sitz der Eu­ro­päi­schen Uni­on“so­wie „Staats- und Re­gie­rungs­chefs“ist da stets die Re­de. Dass Brüs­sel auch ei­ne ganz an­de­re Sei­te hat, dar­auf brach­te mich erst mei­ne Toch­ter Isa­bell (27). „Das ist der Ge­heim­tipp schlecht­hin“, über­zeug­te sie mich. Men­schen in dunk­len An­zü­gen und rie­si­ge Glas­bau­ten hat­te ich mir vor­ge­stellt. Was uns statt­des­sen er­war­tet, sind klei­ne bel­gi­sche De­si­gner-Shops, lau­schi­ge Plät­ze und ei­ne Ku­li­na­rik, die nur der Him­mel ge­schickt ha­ben kann!

Fran­zö­si­scher Chic paart sich mit flä­mi­scher Freund­lich­keit.

Brüs­sel ist zwei­spra­chig. Wo­bei über­wie­gend fran­zö­si­sche Me­lo­di­en durch die Stra­ßen tö­nen. Oft wirkt es wie Pa­ris im Klein­for­mat. Die Ein­woh­ner sind ent­spre­chend ele­gant, aber kei­nes­falls ar­ro­gant. So­bald wir nach dem Weg fra­gen, schal­ten sie auf Eng­lisch um. Ganz lo­cker und of­fen.

Das spie­gelt sich auch auf den Tel­lern wi­der. Die Brüs­se­ler selbst sa­gen: „Wir ser­vie­ren fran­zö­si­sche Spei­sen in deut­schen Por­tio­nen.“Das ge­fällt uns schon in Lau­rents Scho­ko­la­den-Kurs.

Ein gan­zes Ta­blett vol­ler Pra­li­nen dür­fen wir selbst kom­po­nie­ren. Und wir er­fah­ren, was die bel­gi­sche Su­per­Scho­ki aus­macht: „We­nig Zu­cker, viel Ka­kao, al­les bio“, be­teu­ert Lau­rent.

Al­les bio trifft auch auf die Bie­re bei „Mo­eder Lam­bic“zu. Ne­ben Scho­ko­la­de ist Bier ei­ne der Spe­zia­li­tä­ten Brüs­sels. Das Lo­kal am Place Fon­tai­nas bie­tet über 40 Sor­ten an. Dar­un­ter auch fruch­ti­ge mit Cr­an­ber­ry- oder Kirsch­ge­schmack. Wir nen­nen sie „Frau­en­bie­re“. Der Kell­ner be­vor­zugt die di­plo­ma­ti­sche For­mu­lie­rung: „Für je­den Ge­schmack et­was da­bei.“Der schö­ne Tag über­trifft sich am En­de selbst – bei ei­nem Abend­es­sen im Re­stau­rant „Bel­ga Queen“. Von au­ßen sieht es wie ein her­kömm­li­cher Alt­bau aus, da­hin­ter ver­birgt sich ein Pracht-Saal mit bun­ten De­cken­fens­tern. Wir be­kom­men ein Drei-Gän­ge-Me­nü ser­viert. Cre­meSüpp­chen, Ent­re­cote, Mous­se au Cho­co­lat, wie von En­geln ge­macht. Köst­lich.

tags dar­auf: ganz im Zei­chen der Stadt­be­sich­ti­gung.

Bis­her ran­gier­te in mei­nem per­sön­li­chen Schö­ne-Plät­ze-Ran­king der Mar­kus­platz in Ve­ne­dig vorn, jetzt muss ich mich kor­ri­gie­ren: Der Gro­te Markt im Her­zen Brüs­sels über­trifft ihn. Auch das Ato­mi­um im Nor­den ist un­ver­gleich­bar. 1958 zur Welt­aus­stel­lung er­öff­net, strahlt das 102 Me­ter ho­he Ge­bäu­de nach ei­ner um­fas­sen­den Re­stau­rie­rung wie­der im al­ten Glanz. Und das Man­ne­ken Pis be­weist, dass wah­re Grö­ße nichts mit Ma­ßen zu tun hat. Denn das klei­ne Wahr­zei­chen wird von Tou­ris­ten­scha­ren ab­ge­lich­tet wie ein Star auf dem ro­ten Tep­pich!

Schnell wei­ter in die Rue des Bou­chers – qua­si das Ess­zim­mer der Stadt. Ca­fés rei­hen sich hier an­ein­an­der. Zwei Klas­si­ker las­sen wir uns nicht ent­ge­hen: bel­gi­sche Pom­mes und Brüs­se­ler Waf­feln. Sal­zig, süß – le­cker. Nach ei­nem lan­gen Wo­che­n­en­de in dem Pa­ra­dies für Nasch­kat­zen sind wir si­cher um ein biss­chen Hüft­gold schwe­rer – aber vor al­lem um vie­le Glücks­momen­te rei­cher. •

Wun­derWaFFeln Ei­ne Sin­fo­nie aus Ge­bäck, Obst, Sah­ne und Scho­ko

„Scho­ki macht glück­lich“Ka­rin Bit­tner (l.) und ih­re toch­ter isa­bell (r.) dür­fen beim brüs­se­ler pra­li­nen-ge­nie lau­rent ger­baud (M.) ihr nasch­werk selbst her­stel­len

Stö­ber­queen Je­den Mor­gen fin­det auf dem Place du Jeu de Bal­le ein Mul­ti­kul­ti-Floh­markt statt

Vor­sicht: le­Cker! Wer ein­mal bel­gi­sche Pom­mes pro­biert hat, möch­te kei­ne an­de­ren mehr

AAAhh-Aus­sicht Ei­ne Fahrt in die Pan­ora­ma­ku­gel des Ato­mi­ums lohnt gold­SChatz Mit Or­na­men­ten über­sä­te Gil­de­häu­ser aus dem 17. Jahr­hun­dert rah­men den Gro­te Markt ein „Pr ost, auf un­ser Wohl“Auf­re­gend an­ders: bie­re mit na­tür­li­chem Frucht­ge­schmack

haupt­Stadt eu­ro­paS Von der Ober­stadt über den Kunst­berg gibt sich Brüs­sel kos­mo­po­li­tisch

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