So ha­ben es un­se­re Lie­ben gern!

Wenn Pfle­ge­be­dürf­ti­ge nicht mehr selbst auf ih­re Kör­per­hy­gie­ne ach­ten kön­nen, sind wir ge­fragt

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Sol­len wir die Kör­per­pfle­ge un­se­rer An­ge­hö­ri­gen über­neh­men, kann das für bei­de Sei­ten zu ei­ner gro­ßen emo­tio­na­len Be­las­tung wer­den. Da­mit es funk­tio­niert, brau­chen wir ge­gen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen. Und: die rich­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on.

Wie schaf­fen wir das? Un­se­ren An­ge­hö­ri­gen kön­nen wir Ängs­te neh­men, in­dem wir ih­nen mit lie­be­vol­len An­sa­gen er­klä­ren, was wir ge­ra­de tun und wel­che

Schrit­te als Nächs­tes fol­gen. Kei­ner möch­te wie ein Ge­gen­stand ab­ge­rub­belt wer­den. Sanf­te Be­rüh­run­gen aber för­dern das Wohl­be­fin­den. Da füh­len wir uns auch gleich bes­ser. Wir kön­nen die Si­tua­ti­on auf­lo­ckern, in­dem wir wäh­rend des Wa­schens

Small Talk über All­täg­li­ches füh­ren. Funk­tio­niert al­les nicht, bleibt meist nur ein pro­fes­sio­nel­ler Pfle­ge­dienst. Den emp­fin­den Pfle­ge­be­dürf­ti­ge oft auch als we­ni­ger be­schä­mend. Was kön­nen wir tun, wenn sich un­se­re Lie­ben nicht wa­schen las­sen?

Nicht sel­ten wer­den Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ag­gres­siv, wenn es um ih­re Kör­per­pfle­ge geht. Die Ur­sa­chen da­für kön­nen un­ter- schied­lich sein, z. B. weil die Vor­stel­lun­gen über das Vor­ge­hen beim Wa­schen und die Hy­gie­ne aus­ein­an­der ge­hen. Auch Stolz spielt mit­un­ter ei­ne Rol­le und da­mit das Ge­fühl, es selbst ma­chen zu wol­len. Eben­so kann es pein­lich sein, sich nackt zu zei­gen und den In­tim­be­reich nicht selbst wa­schen zu kön­nen. Tipp: So­fern mög­lich, Män­ner von Män­nern wa­schen las­sen und Frau­en von Frau­en.

Wie be­kom­men wir Rou­ti­ne in den Wa­schall­tag?

Mit Or­ga­ni­sa­ti­on, Ge­schick­lich­keit und

Fein­ge­fühl. Des­halb soll­te Pfle­ge ge­übt wer­den. Spe­zi­el­le Pfle­ge­kur­se wer­den von Pfle­ge­kas­sen, Wohl­fahrts­ver­bän­den und am­bu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten an­ge­bo­ten. Sind wir gut vor­be­rei­tet und Hand­grif­fe ein­ge­spielt, spa­ren wir nicht nur uns Stress, son­dern auch un­se­rem Fa­mi­li­en­mit­glied. Loh­nen sich Pfle­ge­bet­ten? Ja, denn ein Pfle­ge­bett stei­gert die

Mo­bi­li­tät. Be­vor wir al­ler­dings selbst viel Geld aus­ge­ben, fra­gen wir bei der Pfle­ge­kas­se, wel­che Pfle­ge­bet­ten über­nom­men wer­den. In vie­len Fäl­len wer­den sie auch leih­wei­se zur Ver­fü­gung ge­stellt. Die Kos­ten­über­nah­me für ein Pfle­ge­bett recht­fer­tigt sich da­mit, dass es zur Lin­de­rung der Be­schwer­den des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen bei­trägt und ihm ei­ne selbst­stän­di­ge­re Le­bens­füh­rung er­mög­licht. Au­ßer­dem ent­las­ten uns hö­hen­ver­stell­ba­re Bet­ten bei der Ganz­kör­per­pfle­ge er­heb­lich.

Was müs­sen wir bei De­menz be­ach­ten? Dann

kön­nen kla­re Struk­tu­ren und Ri­tua­le hel­fen. Das Wa­schen in ein­zel­ne Schrit­te un­ter­tei­len (Rei­hen­fol­ge

s. rechts), kei­ne Hek­tik auf­kom­men las­sen und den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen mit­ein­be­zie­hen. Wir kön­nen Wut und Är­ger ver­mei­den, wenn un­se­re Hand­lun­gen ein­deu­tig und nicht lieb­los sind und wir dem Pfleg­ling auch ei­ne ge­wis­se Selbst­stän­dig­keit las­sen. Wie be­zie­hen wir un­se­re Lie­ben ak­tiv in die Pfle­ge ein? Selbst­be­stim­mung er­höht das Wohl­be­fin­den. Un­se­re Lie­ben soll­ten Stel­len, die sie gut er­rei­chen kön­nen, z. B. Ge­sicht, Hän­de und Ober­kör­per selbst wa­schen, trock­nen und ein­cre­men. Und zwar re­gel­mä­ßig al­lein. Das er­hält die Fä­hig­kei­ten. Wir sind in der Nä­he, um bei Be­darf zu hel­fen. Wie säu­bern wir am bes­ten in­ti­me Kör­per­stel­len?

Zu­nächst wa­schen wir die Leis­ten und den äu­ße­ren Ge­ni­tal­be­reich – prak­tisch ist hier ein Wasch­hand­schuh. Bei Frau­en wird an­schlie­ßend vom Scham­haar über die Scham­lip­pen­re­gi­on zum Damm hin ge­wa­schen. Bei Män­nern zie­hen wir die Vor­haut des Pe­nis vor­sich­tig zu­rück, rei­ni­gen die Ei­chel und strei­fen die Vor­haut wie­der nach vorn. An­schlie­ßend Ho­den­sack und Leis­ten­fal­ten wa­schen. Das Ge­säß säu­bern wir in Sei­ten­la­ge. Ein sorg­sa­mes Ab­tup­fen (ge­rin­ge Rei­bung schont die Haut) ist in al­len In­tim­re­gio­nen be­son­ders wich­tig. Was müs­sen wir bei In­kon­ti­nenz be­ach­ten?

Wer an Harn­in­kon­ti­nenz lei­det, ist für Ir­ri­ta­tio­nen be­son­ders an­fäl­lig, weil der an­hal­ten­de Kon­takt mit Urin so­wie das häu­fi­ge Wa­schen mit Was­ser und Sei­fe die Haut an­grei­fen kön­nen. Die Rei­ni­gung schlie­ßen wir am bes­ten mit dem Auf­tra­gen ei­nes feuch­tig­keits­spen­den­den Pro­dukts ab. Bei

ei­ner Stuhlin­kon­ti­nenz kön­nen wir ei­ne zu­sätz­li­che Bar­rie­re­creme be­nut­zen. Wel­che Pro­duk­te soll­ten wir wäh­len?

Mög­lichst sol­che, die na­he am pH-Wert der Haut (5,5)

lie­gen. Mo­der­ne Rei­ni­gungs­pro­duk­te

ent­hal­ten zu­dem Rück­fet­ter, die nicht ab­ge­wa­schen wer­den müs­sen. Sie be­ru­hi­gen die Haut. Nor­ma­le Sei­fe hin­ge­gen ent­hält al­ka­li­sche Stof­fe, die sich un­güns­tig auf das Haut­mi­lieu aus­wir­ken. Ten­sid­ba­sier­te Rei­ni­gungs­pro­duk­te (die meis­ten Sham­poos, Pfle­ge­spü­lun­gen und Wa­schlo­tio­nen ent­hal­ten Ten­si­de) kön­nen die Haut rei­zen. Sie müs­sen da­her voll­stän­dig mit Was­ser ab­ge­spült wer­den. Da je­doch der häu­fi­ge Kon­takt mit Was­ser der Haut Feuch­tig­keit ent­zieht, ­trock­net­sie­schnell­aus. ­•

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