Re­den wir mal über Geld!

Hört beim Geld die Freund­schaft wirk­lich auf? Oder so­gar die Lie­be? car­la Be­cker über Geiz­kra­gen, Spen­dier­ho­sen und ein Ta­bu­the­ma, das manch­mal pein­lich­lich wer­den kann

Meins - - Leben Mein -

Neu­lich beim Ita­lie­ner: er: Wir tref­fen zu­fäl­ligg ein be­freun­de­tes Paar und set­zen uns auf ein Glas Wein da­zu. Die bei­den füh­ren ge­trenn­te Kas­sen. Das wä­re ganz un­pro­ble­ma­tisch,ma­tisch sa­gen sie, „gleicht sich so­wie­so im­mer aus“. Spä­ter be­stel­len sie die Rech­nung. Der Kell­ner legt den Aus­druck auf den Tisch, wo er von bei­den igno­riert wird. Sie kramt an­ge­strengt in ih­rer Hand­ta­sche, er re­det un­be­irrt wei­ter mit mei­nem Mann.

Der Kell­ner steht un­schlüs­sig da und räus­pert sich. Mit ge­nerv­tem Blick öff­net sie ihr Porte­mon­naie und be­zahlt. Im nächs­ten Satz er­wähnt er, dass er heu­te den Wa­gen voll­ge­tankt hat. „Für 89 Eu­ro. Ben­zin ist teu­er ge­wor­den!“„Ge­nau wie Le­bens­mit­tel“, wirft sie ein. „Heu­te im Su­per­markt ha­be ich 50 Eu­ro aus­ge­ge­ben, die Hälf­te da­von für das Rin­der­fi­let, das du so gern isst.“Das Lä­cheln der bei­den wirkt fest­ge­fro­ren, und uns über­kommt das er­drü­cken­de Ge­fühl, Zu­schau­er ei­nes un­sicht­ba­ren Kamp­fes zu sein. Nicht um Le­ben und Tod, son­dern um Cent und Eu­ro. Hät­ten die bei­den sich über be­vor­zug­te Se­xu­al­prak­ti­ken un­ter­hal­ten, es hät­te nicht un­an­ge­neh­mer für uns sein kön­nen.

Tat­säch­lich ist das The­ma Geld für vie­le ein Ta­bu – und in Be­zie­hun­gen so­gar Streit­grund Num­mer eins, glaubt man ei­ner Stu­die der Uni­ver­si­ty of Den­ver. In jun­gen Jah­ren, weil kei­nes da ist und man sich ent­schei­den muss zwi­schen der ge­brauch­ten Spül­ma­schi­ne und dem Cam­ping­ur­laub. Spä­ter wird Geld zum Pro­blem, weil die Part­ner oft un­gleich viel ver­die­nen. Auf ein­mal geht es nicht mehr nur um ein paar Zah­len auf dem Kon­to, son­dern um Ab­hän­gig­kei­ten und Macht. Und na­tür­lich um Groß­zü­gig­keit und Geiz, Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, die sich im Al­ter eher noch ver­schär­fen. Ei­ne Be­kann­te von mir war schon frü­her im­mer die­je­ni­ge, die bei ge­mein­sa­men Ge­schen­ken gern ver­gaß, ih­ren An­teil zu be­zah­len, nach der Par­ty aber die mit­ge­brach­ten Pfand­fla­schen wie­der ein­sam­mel­te. Heu­te geht es ihr fi­nan­zi­ell blen­dend, was sie nicht da­von ab­hält, ei­nem Ta­xi­fah­rer gan­ze zehn Cent Trink­geld zu ge­ben.

Zum glück funk­tio­niert die sa­che aber auch an­ders­her­um.

Von mei­nem Sch­wa­ger ist be­kannt, dass er als Stu­dent sein ge­lieb­tes Fahr­rad ver­kauft hat, weil ein Freund drin­gend Geld brauch­te, um zur Be­er­di­gung sei­ner Oma zu rei­sen. Heu­te schenkt er sei­ner Nich­te ein neu­es Fahr­rad, weil ih­res ge­klaut wur­de. Kunst­stück, wenn man es nachts vor der Kn­ei­pe ste­hen lässt und nicht an­schließt. Ih­re El­tern wa­ren da we­ni­ger groß­zü­gig und ver­buch­ten die Sa­che un­ter „spä­te Er­zie­hungs­maß­nah­me“. Aber da hat­ten sie die Rech­nung oh­ne den On­kel ge­macht. Für den war Geld eben noch nie ein The­ma. •

Mo­neY Ma­kes the World go round

Wer vor Freun­den dar­über re­det, wer be­zahlt, macht al­ler­dings kei­ne gu­te Fi­gur Ge­tRenn­te Kas­sen – de R

Schlüs­sel zu­mGlück?

un­se­re ko­luM­nis­tin Car­la Be­cker, 54, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

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