Ru­he­stand? Ist nix für uns!

Müs­sen wir in Ren­te ge­hen oder kön­nen wir in un­se­rem Job wei­ter ar­bei­ten? Im Ren­ten­al­ter, aber noch top­fit? Dann kön­nen wir die freie Zeit ge­nie­ßen. Aber: Wir kön­nen auch ein­fach wei­ter ar­bei­ten. Das soll­ten wir wis­sen

Meins - - Fragen Sie Einfach - VON ALEX­AN­DER EMUNDS

Klar, das Ren­ten­le­ben kann herr­lich sein. End­lich Zeit für Hob­bys, En­kel, Rei­sen … Aber was ist, wenn uns der täg­li­che Gang in die Fir­ma, der Aus­tausch mit den Kol­le­gin­nen feh­len wird? Oder wir ein­fach noch wei­ter­hin mehr ver­die­nen möch­ten? Kann man das ei­gent­lich? Wie vie­le ma­chen das schon? Fakt ist, dass sich die Zahl der­je­ni­gen, die wei­ter ar­bei­ten wol­len, von 2011 bis 2013 ver­drei­facht hat – und das, ob­wohl sie die ge­setz­li­che Al­ters­gren­ze zur Ren­te er­reicht ha­ben. So kann sich je­der Zwei­te über 55 Jah­ren laut ei­ner Um­fra­ge des Bun­des­in­sti­tuts für Be­völ­ke­rungs­for­schung vor­stel­len, auch im Ren­ten­al­ter noch zu ar­bei­ten.

Was wir un­be­dingt wis­sen soll­ten, sagt uns Chris­ti­ne Cordts von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Nord.

Zu­nächst hängt es von un­se­rem Ar­beit­ge­ber ab, ob er uns wei­ter be­schäf­ti­gen will. Ei­ne al­ters­be­ding­te Kün­di­gung ist ge­setz­lich ver­bo­ten. Es kann aber sein, dass die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags auf das Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Le­bens­jah­res (z. B. auf das re­gu­lä­re Ren­ten­al­ter) fest­ge­setzt ist. Spielt der Chef mit, kön­nen wir auch ne­ben der Ren­te wei­ter im Be­trieb job­ben oder un­se­ren al­ten Job fort­füh­ren, oh­ne Ren­te zu be­an­tra­gen. Das soll­ten wir dem Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger mit­tei­len. Denn auch wenn kei­ne Kür­zun­gen mehr zu er­war­ten sind, kann die Be­schäf­ti­gung Aus­wir­kun­gen ha­ben, z. B. wenn wir zur Al­ters­ren­te auch ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te be­zie­hen.

Er­wer­ben wir wei­te­re Ren­ten­an­sprü­che?

Ja, durch die wei­te­ren mo­nat­li­chen Ren­ten­bei- trä­ge stei­gern wir auch un­se­ren An­spruch. Auch Bei­trä­ge, die ne­ben der Al­ters­teil­ren­te ge­zahlt wer­den, wir­ken sich stei­gernd auf die künf­ti­ge Voll­ren­te aus. Je­der Mo­nat, den wir über die Re­gel­al­ters­gren­ze hin­aus ar­bei­ten, lohnt sich zu­sätz­lich, weil sich ein Zu­schlag von 0,5 Pro­zent für je­den Ka

len­der­mo­nat er­gibt. Be­zie­hen wir aber be­reits ei­ne vol­le Al­ters­ren­te, be­steht ver­si­che­rungs­frei­heit in der ge­setz­li

chen Ren­ten­ver­si­che­rung, so­dass wir kei­ne wei­te­ren An­sprü­che er­wer­ben.

Wie viel dür­fen wir hin­zu­ver­die­nen, wenn wir be­reits Ren­te be­zie­hen?

Un­be­grenzt hin­zu­ver­die­nen kön­nen wir, so­bald wir die Re­gel­al­ters­gren­ze (2016: 65 Jah­re und fünf Mo­na­te) er­reicht ha­ben. Die steigt mit dem Ge­bur­ten­jahr­gang schritt­wei­se von 65 auf 67 Jah­re. Der Jahr­gang 1964 ist der ers­te, der erst mit 67 Jah­ren in den Re­gel­ru­he­stand ge­hen kann. Ha­ben wir das Re­gel­al­ter noch nicht er­reicht, gibt es

höchst­ver­dienst­gren­zen: 450 Euro im Mo­nat (zwei­mal im Jahr bis 900 Euro), oh­ne dass wir mit Kür­zun­gen rech­nen müs­sen. Ver­die­nen wir mehr, er­hal­ten wir nur noch Teil­ren­te. Auch sie hat Hin­zu­ver­dienst­gren­zen, die je­weils in­di­vi­du­ell be­rech­net wer­den.

Wie wer­den wir kran­ken­ver­si­chert?

Wa­ren wir bis­her in der KV pflicht­ver­si­chert, blei­ben wir das wei­ter­hin. Das gilt auch für Ren­te,

die wir ne­ben dem Ar­beits­lohn be­zie­hen. Er­hal­ten wir aus­schließ­lich Ren­te, sind wir pflicht­ver­si­chert, so­fern die Vor­ver­si­che­rungs­zeit er­füllt ist, d.h. wenn wir in der zwei­ten Hälf­te un­se­res Ar­beits­le­bens zu 90 Pro­zent ge­setz­lich ver­si­chert wa­ren. Er­fül­len wir die­se nicht, wird un­se­re Ver­si­che­rung als frei­wil­li­ge Mit­glied­schaft fort­ge­führt.

Was müs­sen wir bei der Steu­er­er­klä­rung be­ach­ten?

Lohn und Ren­te sind zwei ver­schie­de­ne Ein­kom­men, die wir bei­de an­ge­ben müs­sen. Der Ren­ten­be­zug muss z. B. in der An­la­ge R ein­ge­tra­gen wer­den. •

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