Die Wirts­stub’ ben ist halt mein Le

Ka­thi Kink, 92, kell­nert seit 75 Jah­ren im „Gol­de­nen Tal“– und es ist noch lan­ge nicht Schluss

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Über 80 000 km hat Ka­thi Kink, 92, seit 1977 zu­rück­ge­legt. Seit­dem trägt sie ei­nen Schritt­zäh­ler bei sich, weil ei­ni­ge Gäs­te wis­sen woll­ten, wie viel sie zwi­schen The­ke und Gast­stu­be zu­rück­legt. Da hat sie sich ei­nen be­sorgt und an den Rock des schi­cken Dirndls ge­klemmt. Mehr als zwei­mal um die Welt ist sie seit­dem ge­lau­fen.

Wie viel sie ins­ge­samt schon zu­rück­ge­legt hat, mag man sich kaum vor­stel­len. Denn be­reits seit 1939 ar­bei­tet „die Ka­thi“, wie sie von al­len lie­be­voll ge­nannt wird, in dem schmu­cken Gast­hof „Zum Gol­de­nen Tal“im baye­ri­schen Na­ring.

Mit dem „Pflicht­jahr“hat al­les be­gon­nen. Da­mals war sie blut­jun­ge 16 und reis­te aus ih­rer Hei­mat Pri­en am Chiem­see ins ver­schla­fe­ne Dörf­chen. Nach dem Jahr woll­te sie ei­gent­lich ge­hen. Aber sie blieb. Weil sie es lieb­te, die Kin­der der Wirts­fa­mi­lie zu hü­ten! Und zu kell­nern. Seit­dem hat sie nie wie­der über ei­nen Wech­sel nach­ge­dacht …

„I bin halt gern bei de Leut“, er­zählt sie. Lacht. Dann läuft sie wie­der wie­sel­flink zwi­schen den Ti­sch­rei­hen hin­durch. Ser­viert Haxn, Schupf­nu­deln, Wei­zen­bie­re. Im­mer wie­der wird sie fröh­lich ge­ru­fen. „Du, Ka­thi, ma brau­chen dich!“Und das ist wohl das Ge­heim­nis ih­res glück­li­chen Ar­beits­le­bens. Sie fühlt sich ge­braucht, liebt, was sie tut.

Nach wie vor wohnt Deutsch­lands äl­tes­te Kell­ne­rin in ih­rem Zim­mer über der Gast­stu­be, sitzt mon­tags in der Wasch­kü­che und wäscht, be­dient, tratscht mit den Gäs­ten – ih­re Lieb­lings­be­schäf­ti­gung. Da­bei ist sie im­mer gut ge­launt. Ka­thi weiß: „Wer muf­fig ist und wie der Teu­fel schaut, kriegt kein Trink­geld.“Im letz­ten Jahr ist sie für ih­re Leis­tung vom Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les mit ei­ner Eh­ren­ur­kun­de aus­ge­zeich­net wor­den. Al­so kei­ne Zeit für die Ren­te. Ge­nau­so we­nig wie für das Alt­wer­den. Dar­an denkt sie näm­lich nicht, wenn sie in der Gast­stu­be um­her­flitzt. Die Lei­den­schaft für ih­re Ar­beit hat sie nie ver­lo­ren. Die Ka­thi will so lan­ge wei­ter­ma­chen, wie es geht. War­um? „Die Wirts­stub’ ist halt mein Le­ben.“

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