Ich möch­te von mei­ner Le­bens­freu­de et­was ab­ge­ben

„Mit 66 ist noch lan­ge nicht Schluss …“, sang Udo einst. Gre­ta Sil­ver fin­det das auch – und grün­det in die­sem Al­ter ih­ren ers­ten YouTu­beKa­nal …

Meins - - Leben - VON KATH­rIN BEHr

Äl­ter­wer­den ist müh­sam, weil man nicht mehr so viel Spaß hat wie in der Ju­gend – ja, das den­ken noch im­mer vie­le jün­ge­re Men­schen, die es lei­der (noch) nicht bes­ser wis­sen! Ei­ne, die wirk­lich weiß, wie groß­ar­tig, üp­pig und vol­ler Aben­teu­er das Le­ben jen­seits der 50 sein kann, ist Gre­ta Sil­ver, 67. Sie ist wahr­schein­lich Deutsch­lands cools­te Blog­ge­rin 60+. Und ei­ne wirk­lich in­spi­rie­ren­de Frau.

Seit ei­nem Jahr hat die Ham­bur­ge­rin ei­nen ei­ge­nen YouTu­be-Ka­nal: „Zu jung fürs Al­ter“heißt er. Je­de Wo­che spricht sie in klei­nen Fil­men über das Le­ben, über ei­ge­ne Er­fah­run­gen, gibt Tipps oder trägt selbst ge­schrie­be­ne Ge­dich­te vor: „Ver­ant­wor­tung fürs ei­ge­ne Glück“heißt da ein Bei­trag, „Ein­sam­keit ab­schaf­fen“oder „Al­lei­ne rei­sen – ein Sprung in die Frei­heit“an­de­re. Ih­re Fan­ge­mein­de ist rie­sig, sie hat Mil­lio­nen Klicks. Doch wer ist die­se Gre­ta Sil­ver, die uns so viel Mut macht und un­se­re Lust aufs Äl­ter­wer­den weckt? Ich tref­fe sie in ei­nem

Wenn ich ei­nen Traum ha­be, set­ze ich ihn um

Ham­bur­ger Ca­fé. Schon als sie auf mich zu­kommt, be­geis­tert mich ihr Schwung. Gre­ta be­stellt ei­nen Früch­te­tee, und noch wäh­rend sie um­rührt, spru­delt sie los. „Auf die Idee mit dem Ka­nal hat mich mei­ne Toch­ter ge­bracht. Sie sag­te:

Ma­mi, du hast so viel Spaß am Le­ben, er­zähl al­len doch mal, wie toll das Al­ter ist.‘“

Doch von tech­ni­schen Din­gen oder So­ci­al Me­dia ha­be sie über­haupt kei­ne Ah­nung ge­habt, sagt Gre­ta. Aber die Idee ha­be ihr so­fort ge­fal­len. So fuchs­te sie sich in die Tech­nik hin­ein, und nach ei­nem hal­ben Jahr hat­te sie die­se im Griff. „An­fangs hat­te ich Angst, dass mir die The­men aus­ge­hen. Aber im Ge­gen­teil, sie fal­len mir förm­lich in den Schoß“, er­zählt sie strah­lend.

Ei­gent­lich ist ihr im Le­ben vie­les „in den Schoß ge­fal­len“. Zum Bei­spiel ihr Job. Erst mit 48 star­tet Gre­ta be­ruf­lich rich­tig durch. „Als drei­fa­che Mut­ter ha­be ich 17 Jah­re lang be­geis­tert Mar­me­la­de eingekocht und Pick­nicks vor­be­rei­tet“, er­zählt sie la­chend. Sie ha­be sich be­wusst für ein Le­ben als Haus­frau ent­schie­den. „Doch mit An­fang 40 dach­te ich, ich könn­te viel­leicht mal et­was ma­chen, das ich nur für mich tue.“Ein paar Jah­re spä­ter, mit 48, macht ein Be­kann­ter ihr ein An­ge­bot: ob sie sich vor­stel­len könn­te, ein In­ge­nieur­bü­ro für ihn ein­zu­rich­ten. War­um er gera­de auf sie ge­kom­men ist, weiß sie nicht so ge­nau. „Er hat wohl ge­dacht, weil ich ganz gut ma­len kann, hät­te ich auch ei­nen gu­ten Ge­schmack.“Sie nimmt so­fort an. Ihr ers­ter Auf­trag wird ein Er­folg. Es fol­gen wei­te­re, grö­ße­re Pro­jek­te, sie rich­tet Haus­boo­te und Fe­ri­en­häu­ser ein, macht so­gar die Pres­se­ar­beit selbst. „Nachts bin ich auf­ge­wacht und hat­te im­mer neue Ide­en, die ich so­fort auf­ge­schrie­ben ha­be.“Die drei­fa­che Mut­ter macht plötz­lich Kar­rie­re, und das auf der Über­hol­spur –

für ih­re Fa­mi­lie manch- mal et­was zu schnell: „Ich bin vom Typ her im­mer eher die Her­berg­s­mut­ter ge­we­sen, mich als toughe Ge­schäfts­frau zu er­le­ben war für mei­ne Kin­der un­ge­wohnt.“Weil sie stän­dig auf der Au­to­bahn un­ter­wegs ist, kauft sie sich ei­nes Ta­ges ein grö­ße­res Au­to als ihr Mann – und ern­tet gro­ßes Er­stau­nen: „Mein Äl­tes­ter war fas­sungs­los. Das war bei den Müt­tern in sei­ner Klas­se ganz an­ders. Heu­te sagt er zu mir: ‚Ma­mi, du hast da­mals mein Frau­en­bild to­tal ver­än­dert.‘ Mei­ne Schwie­ger­töch­ter sind mir heu­te da­für sehr dank­bar!“

Gre­ta packt im­mer neue Pro­jek­te an, be­treut die Pres­se­ar­beit für ei­nen gro­ßen Ham­bur­ger Mä­zen, muss plötz­lich gro­ße Ver­an­stal­tun­gen für Po­li­ti­ker und Un­ter­neh­mer aus­rich­ten. Vor den neu­en Auf­ga­ben quä­len sie oft Ver­sa­gens­angst und Selbst­zwei­fel. „An­fangs ha­be ich ge­dacht: So was kann ich doch gar nicht! Doch ich hat­te im­mer Men­schen, die mir viel zu­ge­traut ha­ben und sag­ten: ‚Du kannst das, wenn nicht du, wer dann?‘“Heu­te ist Gre­ta klü­ger, ver­traut sich selbst und weiß, dass Ängs­te nichts brin­gen: „Angst vor der Zu­kunft, vor Krank­hei­ten oder an­de­ren Din­gen ver­ha­gelt mir doch die schö­nen Ta­ge. Au­ßer­dem wer­de ich so­wie­so 120, da bin ich mir si­cher.“

Of­fi­zi­ell ist Gre­ta Sil­ver heu­te in Ren­te, aber sie ar­bei­tet eh­ren­amt­lich – und sie mo­delt seit zehn Jah­ren. Neue Ide­en und Plä­ne hat die Ham­bur­ge­rin fast täg­lich, gera­de hat sie ein Buch mit ih­ren selbst ge­schrie­be­nen Ge­dich­ten her­aus­ge­bracht. „Wenn ich ei­nen Traum ha­be, set­ze ich ihn um, ich ha­be kei­ne un­er­füll­ten Träu­me.“Doch ihr wich­tigs­tes Ziel ist und bleibt es, den Men­schen et­was von ih­rer Le­bens­freu­de ab­zu­ge­ben: „Ich möch­te ein­fach zei­gen, wie schön das Le­ben ist, es liegt in un­se­rer Hand, was wir dar­aus ma­chen. Stän­dig jam­mern ist doch schreck­lich. Wenn wir hier das Le­ben nicht ge­nie­ßen, ja, wer denn dann?“Wie recht sie da­mit hat. •

Das Le­ben ist so schön. Es liegt in un­se­rer Hand, was wir draus ma­chen

Im JetZt Sie hat­te kei­ne ah­nung von So­ci­al Me­dia. Jetzt ist die 67­Jäh­ri­ge ein Star im In­ter­net

StraH­LenD „Ich lie­be das le­ben ein­fach“, sagt Gre­ta Sil­ver

Mit ih­ren Fil­men will Gre­ta Sil­ver an­de­ren Frau­en Mut ma­chen, das Äl­ter­wer­den zu ge­nie­ßen

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