MEINS: Schon seit 1995 sind Sie als Kom­mis­sa­rin An­na Sprin­ger in der ZDF-Kri­mi­rei­he „Wils­berg“prä­sent. Ent­de­cken Sie manch­mal auch pri­va­te Zü­ge in Ih­rer Film­fi­gur? Ri­ta Rus­sek: Na­tür­lich, der Schau­spie­ler schöpft aus sich. Aus Er­fah­run­gen, Ich wer­de in­ner

In ih­ren rol­len zeigt Ri­ta Rus­sek, 63, gern fei­nen Hu­mor. Auch ih­re ei­ge­nen Ma­cken be­trach­tet sie mit char­man­ter Selbst­iro­nie

Meins - - Star - VON THO­MAS SOLTAU

Sie hat­te auf der Büh­ne längst ei­nen Na­men, als sie Mit­te der 1980er ih­re Fern­seh­kar­rie­re be­gann. Auch auf dem Bild­schirm fei­ert Ri­ta Rus­sek Er­fol­ge. Nicht nur im Quo­ten­hit „Wils­berg“, in dem sie seit 21 Jah­ren als durch­set­zungs­kräf­ti­ge Kom­mis­sa­rin An­na Sprin­ger er­mit­telt. MEINS traf die 63-Jäh­ri­ge, die in Mün­chen und auf El­ba lebt, zu ei­nem Plausch über klei­ne Ma­cken und die Vor­zü­ge des Äl­ter­wer­dens.

Er­in­ne­run­gen – und dann kommt Er­fin­dung da­zu. Je­der Mensch ist ja ei­ne sehr viel­schich­ti­ge Per­sön­lich­keit.

MEINS: Träu­men Sie nach 20 Jah­ren manch­mal von An­na oder Film­part­ner Leo­nard Lan­sink? Ri­ta Rus­sek: Ich ge­hö­re zur glück­li­chen Spe­zi­es von Schau­spie­lern, die am Fei­erabend aus der Rol­le ih­rer Film­fi­gur schlüp­fen. Dann den­ke ich auch nicht mehr dar­über nach.

MEINS: Ha­ben Sie schon mal Tex­te aus dem Dreh­buch ge­stri­chen, weil Sie sie un­pas­send fan­den?

Ri­ta Rus­sek: Die Fi­gur ist mir ins Ge­we­be ge­si­ckert, des­halb ar­bei­te ich im­mer am Text. Ich ver­glei­che das ein we­nig mit Bas­teln: Die Dia­lo­ge mei­ner Film­fi­gur puz­zle ich mir so lan­ge zu­recht, bis sie zu mir pas­sen.

MEINS: Im Rück­blick fällt auf, dass

Sie oft Frau­en ge­spielt ha­ben, die mit Son­der­lin­gen zu tun hat­ten. Sie sind meist mit Ty­pen zu­sam­men, die ir­gend­wie nicht funk­tio­nie­ren … Ha­ben Sie auch im rich­ti­gen Le­ben ei­nen Hang da­zu?

Ri­ta Rus­sek: Men­schen, die im Le­ben im­mer funk­tio­nie­ren, fin­de ich ein we­nig fad und nicht span­nend. Ecken und Kan­ten brin­gen doch erst Wür­ze ins Le­ben. Im Film gilt das erst recht. Es muss Dra­ma mit im Spiel

sein – al­ler­dings nicht zu viel da­von.

MEINS: Was lie­ben Sie an Ih­rem Mann be­son­ders?

Ri­ta Rus­sek: Dass er so un­end­lich ge­dul­dig ist. Und mir mei­ne Ma­cken nach­sieht. Ich bin näm­lich ein biss­chen vor­laut.

MEINS: Hat das Vor­laut­sein im Al­ter zu­ge­nom­men? Ri­ta Rus­sek: Ver­mut­lich schon. Auf der an­de­ren Sei­te ver­bin­det man da­mit ei­nen jun­gen Men­schen, oder?

Was wir aus­strah­len,

kommt auch zu uns

zu­rück

Al­so könn­te ich mich ja ei­gent­lich wohl­füh­len in mei­ner Rol­le. Aber man­che Kol­le­gen füh­len sich auf den Schlips ge­tre­ten. Und das kann ich nach­voll­zie­hen.

MEINS: Nimmt auch die Lust auf gu­tes Es­sen im Al­ter zu?

Ri­ta Rus­sek: Oh ja, das se­hen Sie doch an mir (lacht). Ver­nünf­ti­ge Frau­en es­sen nur ein­mal pro Wo­che Pas­ta, ich hin­ge­gen könn­te je­den Tag ei­nen Tel­ler mit damp­fen­den Nu­deln es­sen. Nicht nur Lie­be geht durch den Ma­gen – auch Glücks­mo­men­te ent­ste­hen durch Ge­nuss.

MEINS: „Je äl­ter man wird, des­to stär­ker kommt man an“, ha­ben Sie mal ge­sagt … Ri­ta Rus­sek: Man wird nicht nur äu­ßer­lich, son­dern auch in sich run­der. Man eckt nicht mehr so viel an, holt sich we­ni­ger blaue Fle­cken.

MEINS: Gé­r­ard De­par­dieu meint: „Die Li­bi­do ei­ner über 50-Jäh­ri­gen ist viel

Wel­ches bon­bon ha­ben Sie sich denn noch auf­ge­ho­ben?

Ri­ta Rus­sek: Ich hal­te es da mit Ber­tolt Brecht: „Ja, mach nur ei­nen Plan, sei nur ein gro­ßes Licht und mach dann noch ’nen zwei­ten Plan, geh’n tun sie bei­de nicht.“Wach und neu­gie­rig sein – das zählt für mich. Das reicht oft. Und noch et­was: Das, was wir aus­strah­len, kommt auch zu uns zu­rück. •

Ich könn­te je­den Tag ei­nen Tel­ler mit damp­fen­den Nu­deln es­sen

in­ter­es­san­ter als die ei­ner 30-Jäh­ri­gen.“Was ent­geg­nen Sie ihm? Ri­ta Rus­sek: Kurz und knapp: Da hat er recht!

MEINS: Schrift­stel­le­rin Eri­ca Jong hat ge­sagt: „Mit 50 be­kam ich die Aus­ge­gli­chen­heit, die ich aus mei­ner Kind­heit kann­te, mit Di­vi­den­de zu­rück …“Passt das auch für Sie? Ri­ta Rus­sek: Als Kind war ich nicht so aus­ge­gli­chen wie jetzt im Al­ter. Frü­her gab es vie­le Ver­stel­lungs­ma­nö­ver und Fehl­ent­schei­dun­gen. Ich bin jetzt au­then­ti­scher und aus­ge­gli­che­ner.

MEINS: Mit 65 noch High Heels mit Jeans­ja­cke oder eher ge­deck­te Far­ben und klas­sisch? Ri­ta Rus­sek: We­der noch. High Heels wa­ren über­haupt nie mein Ding. Ich has­se ho­he Schu­he, weil sie je­dem Eman­zi­pa­ti­ons-Ge­dan­ken hin­ter­her­lau­fen. Eman­zi­pa­ti­on fängt mit fla­chen Schu­hen an. Die sind viel be­que­mer.

MEINS: Ein schö­ner Film­ti­tel lau­tet: „Das bes­te kommt zum Schluss“.

NEu­GIE­RIG und wach sein – ist Ri­ta Rus­seks Le­bens­mot­to

GRoS­SE LIE­bE Bernd Fi­scher­au­er, 72, und Ri­ta Rus­sek sind seit

17 Jah­ren ein Paar, seit 2009 ver­hei­ra­tet

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