Isa­bel Va­rell: „Wer dem le­ben ver­traut, wird glück­lich“

Isa­bel Va­rell, 54, spricht erst­mals über ih­re trau­ri­ge Kind­heit, die Ehe mit Dra­fi Deut­scher und ih­re Über­ra­schungs-Hoch­zeit mit Pit Wey­rich!

Meins - - Inhalt - VON CLAU­DIA RES­HÖFT

Als ich Isa­bel Va­rell zu­letzt sah, wa­ren wir 17. Sie lo­te­te bei den Je­der-kann-mit­ma­chen-Wett­be­wer­ben in Grömitz an der Ost­see ihr Ge­s­angs­ta­lent aus. Ich jobb­te in der Dis­ko­thek. Wenn sie dort abends fei­er­te, zog sie al­le Bli­cke auf sich. Nicht nur we­gen ih­rer Schön­heit und dunk­len Mäh­ne. Viel­mehr we­gen ih­rer Aus­strah­lung, die so son­nig und er­fri­schend wirk­te wie ein Tag am Meer. Jetzt, 37 Jah­re spä­ter, sit­zen wir uns wie­der ge­gen­über. Isa­bel hat als Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin Kar­rie­re ge­macht. Sie strahlt ge­nau­so wie frü­her, wirkt ge­nau­so sym­pa­thisch und un­ei­tel – kurz: wie je­mand, den man gern zur bes­ten Freun­din hät­te.

was da­mals nie­mand ahn­te: Die schein­bar ewig gut ge­laun­te Isa­bel er­fuhr als Kind we­nig ver­läss­li­che Lie­be. So wie auch spä­ter im Le­ben. Aber sie hat ge­kämpft und nie auf­ge­ge­ben. Über ih­re schwe­ren und gu­ten Zei­ten hat die 54-Jäh­ri­ge nun ein Buch ge­schrie­ben: „Mitt­le­re Rei­fe“.

MEinS: „Mitt­le­re rei­fe“– wie bist du auf die­sen ti­tel ge­kom­men?

isa­bel Va­rell: (Lacht.) Erst ein­mal bin ich in der Mit­te mei­ner Rei­fe an­ge­kom­men und im bes­ten Al­ter, wie man so schön sagt. (Nun erns­ter) Es ist aber auch ein Schluss­punkt un­ter die Jahr­zehn­te, in de­nen mir ein­ge­re­det wur­de, dass ein Schul­ab­schluss wie die mitt­le­re Rei­fe nicht aus­rei­chen wür­de.

MEinS: aber das muss ei­nem doch nicht pein­lich sein!

isa­bel Va­rell: Das fin­de ich auch. Aber wenn man, wie ich als Kind, stän­dig von sei­ner Mut­ter zu hö­ren be­kommt: „Du bist dumm, du kannst nichts und taugst nichts“, ist man ir­gend­wann selbst da­von über­zeugt. Mich ha­ben die­se Sät­ze sehr lan­ge be­glei­tet.

MEinS: Du be­schreibst ei­ne Kind­heit vol­ler De­mü­ti­gung und ag­gres­si­on – wie hast du dich dar­aus ge­ret­tet?

isa­bel Va­rell: Das Le­ben be­steht aus lau­ter Spiel­plät­zen. Mal kriegt man ein Förm­chen an den Kopf ge­wor­fen – das tut weh, aber es geht vor­bei. Ich ha­be im­mer dar­auf ver­traut, dass dann je­mand kommt, der ei­nem die Hand reicht und zum Mit­spie­len ein­lädt.

MEinS: Das Ver­hält­nis zu dei­ner Mut­ter schien schwie­rig zu sein …

isa­bel Va­rell: Ja, sie konn­te im ei­nen Mo­ment lie­be­voll sein, im nächs­ten grau­sam. Ih­re Ge­walt­aus­brü­che wa­ren kaum zu er­tra­gen. Aber die Na­tur hat es nun mal so ein­ge­rich­tet, dass Kin­der ih­re El­tern lie­ben, was auch pas­siert. Mit 18 zog ich zu Hau­se aus. Aber sie be­hielt wei­ter Macht über mein Le­ben. Das en­de­te erst mit ih­rem Tod vor 15 Jah­ren. Es klingt schlimm, aber das war wie ein Be­frei­ungs­schlag für mich.

MEinS: warst du nicht auch trau­rig?

isa­bel Va­rell: Doch, sehr so­gar. Weil wir un­ser Ver­hält­nis bis zum En­de

Es gibt im­mer je­man­den,

eicht und der dir die Hand

R zum Mit­spie­len ein­lädt

lE­SEn SiE bit­tE aUF DEr nÄChS­tEn SEi­tE wEi­tEr

Heu­te kann ich mei­ne Lie­be selbst­be­wusst le­ben

nicht um­wan­deln konn­ten in ein ver­läss­li­ches Ge­fühl von Lie­be.

MeinS: nach ih­rem Tod hast du ei­ne Ho­s­pi­z­aus­bil­dung ge­macht. war­um?

isa­bel Va­rell: Ich wuss­te nicht, wo­hin mit mei­ner Trau­er, und woll­te an ei­nen Ort, an dem ich ler­ne, mit dem Tod um­zu­ge­hen. Die­se drei Jah­re eh­ren­amt­li­cher Ster­be­be­glei­tung im „Ham­bur­ger Leucht­feu­er“, die ich von der Öf­fent­lich­keit un­be­merkt dort ver­bracht ha­be, ge­hö­ren zu den er­fül­lends­ten Er­fah­run­gen mei­nes Le­bens.

MEINS: wie un­be­re­chen­bar die Lie­be ist, hast du auch bei Dra­fi Deut­scher er­lebt …

isa­bel Va­rell: Bei un­se­rer ers­ten Be­geg­nung war ich 20. Dra­fis Le­ben war von Skan­da­len be­glei­tet. Des­halb emp­fand ich ei­ne Mi­schung aus Scheu und ma­gi­scher An­zie­hungs­kraft. Es gab da so et­was wie ein un­sicht­ba­res Band, viel­leicht auch, weil es in un­ser bei­der Le­ben vie­le Par­al­le­len gab. Er war wie ich ein un­glück­li­ches Kind. Ein Paar wur­den wir aber erst spä­ter.

MEINS: Die­se Ma­gie führ­te in ei­ne ehe und zu ei­nem bö­sen er­wa­chen …

isa­bel Va­rell: Dra­fi trug mich an­fangs auf Hän­den. Und er ver­sprach mir, mit dem Kok­sen auf­zu­hö­ren. Ich ha­be ihm ge­glaubt. Es dau­er­te aber nicht lan­ge, da durch­leb­te ich die ers­ten emo­tio­na­len Wech­sel­bä­der. Dra­fi war lie­be­voll und über­schwäng­lich, im nächs­ten Mo­ment ver­gaß er al­les, leb­te nur nach sei­nen Be­dürf­nis­sen und be­log mich. Dar­an ist un­se­re Lie­be zer­bro­chen wie ein Keks. Erst viel spä­ter er­fuhr ich, dass er wie­der Dro­gen nahm. Das war wohl der Grund für sein wi­der­sprüch­li­ches Ver­hal­ten. Ich hät­te mit ihm gern den Traum von un­se­rer Lie­be fort­ge­setzt. Aber ich sah kei­ne Chan­ce mehr, weil er sei­ner Sucht ein­fach nicht ent­kom­men konn­te.

MEINS: Du hast dich öf­fent­lich nie zu­vor da­zu ge­äu­ßert. war­um jetzt?

isa­bel Va­rell: Es gab seit der „skan­da­lö­sen“Schei­dung von Dra­fi lu­kra­ti­ve An­fra­gen von Ver­la­gen. Aber das war kei­ne Op­ti­on für mich. Ir­gend­wann ha­be ich an­ge­fan­gen, mei­ne Ge­schich­te auf­zu­schrei­ben. Nur für mich. Dann kam der Mo­ment, in dem ich dach­te: Es ist Zeit, die Ho­sen run­ter­zu­las­sen. MeinS: Du mo­de­rierst die Sat.1-Show „Ganz in weiß“, in der lang­jäh­ri­ge Paa­re ein zwei­tes Mal hei­ra­ten. wä­re es nicht an der zeit, dass auch du und Pit wey­rich sich trau­en? isa­bel Va­rell: (Sie druckst ein we­nig her­um, dann strahlt sie.) Wir ha­ben schon im ver­gan­ge­nen Au­gust ge­hei­ra­tet! Oh­ne Gäs­te, oh­ne Trau­zeu­gen, in Turn­schu­hen und Je­ans – ein Mo­ment, der nur uns al­lein ge­hör­te. Das war sehr ro­man­tisch – und weh­ge­tan hat es auch nicht (lacht).

MEINS: Herz­li­chen Glückwunsch! Dann hast du den Glau­ben an die Lie­be al­so nicht ver­lo­ren?

isa­bel Va­rell: Mit der mitt­le­ren Rei­fe, die Pit und ich jetzt er­langt ha­ben, fühlt sich das al­les rich­tig an. Ich bin in mei­nem Her­zen ein Kind ge­blie­ben und hof­fe, dass ich nie ganz er­wach­sen wer­de. Denn ich möch­te mir die Fä­hig­keit er­hal­ten, im­mer wie­der neu an­fan­gen zu kön­nen. Pit ist mir da ganz ähn­lich. Er ist mein liebs­ter Ge­fähr­te auf dem Spiel­platz des Le­bens. Er hört mir zu und passt auf, soll­te mir je­mand ein Förm­chen an den Kopf wer­fen. Heu­te bin ich so weit, dass ich die­se Lie­be selbst­be­wusst le­ben kann. Nur Lie­bes­lie­der, die kann ich kaum schrei­ben. Viel­leicht ge­lingt mir das noch, wenn ich die nächs­te Run­de auf

dem Ka­rus­sell ge­dreht ha­be. •

ZwEI, dIE sIch VEr­stE­hEn Au­to­rin Clau­dia Res­höft traf Isa­bel Va­rell zum In­ter­view und war be­wegt von ih­rer Of­fen­heit und Herz­lich­keit

GE­rEiFt Zeit­los schön, herz­lich und un­ei­tel – so liebt das Pu­bli­kum Isa­bel Va­rell

Mit SiCh iM rEi­nEn Sie singt, sie lacht, sie liebt – Isa­bel Va­rell ist mit 54 glück­lich wie nie

neu­an­fän­Ge Auf­ste­hen, wei­ter­ge­hen – dar­auf ist das All­roun­dta­lent Isa­bel Va­rell spe­zia­li­siert

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