Che­ryl She­pard: „End­lich füh­re ich in mei­nem le­ben re­gie“

Nach Se­ri­en-Aus und Kri­se kehrt Che­ryl she­pard, 50, mit „Ro­te Ro­sen“zu­rück ins TV. Ih­re Bild­schirm­pau­se nutz­te sie um sich ei­nen lan­ge ge­heg­ten Traum zu er­fül­len

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

Der Leip­zi­ger Ta­xi­fah­rer weiß so­fort Be­scheid, als ich ihm die Adres­se Zschoch­er­sche Stra­ße 2d nen­ne: „Sie wol­len wohl och zu der Schau­spie­le­rin, die jetzt een Ca­fé hat. Da ha­be ich schon vie­le hin­je­fah­ren“, sagt er in reins­tem Säch­sisch. Ja, ge­nau da will ich hin. Als ich die Glas­tür zu „Che­ryl’s Ca­fé“öff­ne, emp­fängt mich ein bun­tes Stim­men­ge­wirr, un­ter­bro­chen vom bro­deln­den Zi­schen der Kaf­fee­ma­schi­ne, und es duf­tet herr­lich nach frisch ge­ba­cke­nem Ku­chen. Che­ryl She­pard, 50, steht hin­ter dem Tre­sen und plau­dert mit ei­nem Gast, wäh­rend sie die auf­ge­schäum­te Milch ein­gießt. Ob sie wirk­lich der Star aus der TVSe­rie sei, will er wis­sen. „Ja, ich bin’s“, sagt sie la­chend. „Ich ha­be eben nur kei­ne lan­gen dunk­len Haa­re mehr.“Aber die ge­bür­ti­ge Ame­ri­ka­ne­rin hat nicht nur ih­re Fri­sur ge­än­dert – son­dern ihr gan­zes Le­ben.

Auch wenn die Ve­rän­de­rung

nicht ganz frei­wil­lig war. Im Ge­gen­teil. Denn 2015 en­det plötz­lich ihr En­ga­ge­ment bei der be­lieb­ten ARD-Se­rie „In al­ler Freund­schaft“. Zwölf Jah­re lang spiel­te Che­ryl She­pard die Uro­lo­gin Dr. Ele­na Eich­horn. Dann das plötz­li­che Se­ri­en-Aus. Me­di­en be­rich­ten, die Se­rie wol­le sich ver­jün­gen. Of­fi­zi­el­le Be­grün­dung vom Sen­der: Die Fi­gur Dr. Eich­horn sei aus­er­zählt. Ein Schock für die da­mals 48-jäh­ri­ge Schau­spie­le­rin . „Das war

Erst nach der Kri­se hat­te ich den Mut, ein Ca­fé zu er­öff­nen

für mich nicht nicht ab­seh­bar und auch nicht nach­voll­zieh­bar, aber na­tür­lich ha­be ich es ak­zep­tiert.“Was folgt, ist für die Schau­spie­le­rin ei­ne Ka­ta­stro­phe – fi­nan­zi­ell und emo­tio­nal. „Ich ha­be mei­nen Job ver­lo­ren und war lan­ge Zeit sehr, sehr trau­rig“, er­in­nert sie sich. Neue Rol­len­an­ge­bo­te blei­ben aus. Auch ih­re Geld-Re­ser­ven sind schnell er­schöpft, zu­mal Che­ryl She­pard vor­her selbst Men­schen, die ihr na­he­ste­hen, in Not mit Geld ge­hol­fen hat­te. Für sie als Haupt­ver­die­ne­rin ei­ner Fa­mi­lie mit fünf Kin­dern ei­ne äu­ßerst be­las­ten­de Si­tua­ti­on. „Ich hat­te das Ge­fühl, ich sit­ze auf ei­nem rol­len­den Zug, se­he die Kol­li­si­on auf mich zu­kom­men, aber ich kann den Zug nicht stop­pen“, sagt sie. Che­ryl She­pard muss Pri­vat­In­sol­venz an­mel­den. Vie­le schlaf­lo­se Näch­te vol­ler Angst und Ta­ge vol­ler Trä­nen fol­gen. „Es war ei­ne har­te Zeit, das will ich nie wie­der er­le­ben.“

Doch trotz al­ler Schwie­rig­kei­ten – die Kri­se hat nicht nur Schat­ten­sei­ten. Die Schau­spie­le­rin er­fährt auch viel Gu­tes. „Es gibt ein Sprich­wort: ,Wo Not ist, da wächst das Hel­fen­de auch.‘ Ge­nau das ist mir pas­siert! Ich be­kam viel Zu­spruch, mir wur­den Blu­men ge­schickt, frem­de Men­schen ha­ben mir gut zu­ge­re­det, das hat mir sehr viel ge­ge­ben“, sagt sie. Und dann pas­siert das Un­glaub­li­che. Der Traum vom ei­ge­nen Ca­fé wur­de wahr …

ein Freund half ihr da­bei.

Schon lan­ge schlum­mer­te in Che­ryl der Wunsch, ein ei­ge­nes Ca­fé zu er­öff­nen, es ein­zu­rich­ten, zu ge­stal­ten. „Mein Mann und ich lie­ben die Kaf­fee­haus­at­mo­sphä­re, wo man liest, ge­nießt, Jung und Alt zu­sam­men­kommt, wie in ei­nem zwei­ten Wohn­zim­mer. Aber ich hat­te nie die Zeit und den Mut für die­sen Schritt“, gibt sie zu. Aber nach dem Job-Ver­lust war ihr klar: wenn nicht jetzt, wann dann? „Dann er­zähl­te ich ei­nem Freund von mei­nem Traum. Und er frag­te nur: ‚Wo ist das Pro­blem?‘“Er stell­te ihr die Räu­me in sei­nem Haus zur Ver­fü­gung und un­ter­stütz­te sie auch fi­nan­zi­ell bei ih­rem Pro­jekt. „Ein un­glaub­li­ches Ge­schenk.“Sie wuss­te von An­fang an, wie ihr Ca­fé aus­se­hen soll. „Die Mö­bel ha­be ich vom Floh­markt ge­holt, aus al­ten Va­sen ha­ben wir Lam­pen ge­macht, das ers­te Ge­schirr ha­be ich von ei­ner al­ten Da­me ge­schenkt be­kom­men, es ist ur­alt“, er­zählt Che­ryl, und ih­re brau­nen Au­gen strah­len. Ge­kos­tet hat die Ein­rich­tung ganz we­nig. „Aber für mich ha­ben die Uni­ka­te ei­nen un­schätz­ba­ren Wert. Und die Men­schen spü­ren, mit wie viel Lie­be al­les ent­stan­den ist.“Im letz­ten Som­mer fei­er­te „Che­ryl’s Ca­fé“Er­öff­nung. Seit­dem ist viel pas­siert, meis­tens hat sie vol­les Haus und schreibt schwar­ze Zah­len. „Es kom­men Fans der Se­rie aus an­de­ren Städ­ten, nur um mich hier zu tref­fen. Neu­lich war so­gar ein Paar aus Aus­tra­li­en da, das rührt mich un­glaub­lich.“In ih­rem Ca­fé hört man al­le Spra­chen, ver­schie­de­ne Ge­ne­ra­tio­nen sit­zen zu­sam­men, ge­nau­so hat Che­ryl sich das vor­ge­stellt. „Ich möch­te, dass die Gäs­te sich hier ein biss­chen wie zu Hau­se füh­len.“

Hin­ter der Schau­spie­le­rin liegt ei­ne tur­bu­len­te Zeit. In­zwi­schen hat sie wie­der ei­ne Haupt­rol­le er­gat­tert – bei der ARD-Te­le­no­ve­la „Ro­te Ro­sen“. Das Ca­fé will sie ne­ben­bei wei­ter­füh­ren. Heu­te ist sie dank­bar für den Ein­schnitt in ih­rem Le­ben, denn oh­ne die Kri­se hät­te sie ih­ren Traum wohl nie ver­wirk­licht. „Mit fast 50 hat mein Le­ben ei­ne ganz neue Wen­dung ge­nom­men. Und ich ge­nie­ße es. End­lich füh­re ich in

mei­nem Le­ben Re­gie.“•

Mit fast 50 hat mein Le­ben ei­ne ganz neue Wen­dung ge­nom­men

Aber bit­te mit Milch! „Ich muss­te erst ler­nen, wie man ei­nen rich­tig gu­ten Lat­te mac­chia­to macht …“

Cheers,

Che­ryL Vie­le Gäs­te sind Fans – und rei­sen ex­tra ih­ret­we­gen nach Leip­zig

Tv-Ärz­Tin Sie war zwölf Jah­re die schö­ne Ärz­tin Dr. Eich­horn bei „In al­ler Freund­schaft“

Tre­sen-sTar Die Gäs­te lie­ben es, von der pro­mi­nen­ten Che­fin per­sön­lich be­dient zu wer­den

„Das Ca­fé ist heu­te mei­ne Büh­ne“, sagt Che­ryl She­pard

yuM­My! Die Ku­chen­re­zep­te stam­men zum Teil aus den USA, Che­ryls Hei­mat

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