Ko­lum­ne Sei­en wir doch mal ehr­lich!

Na­tür­lich sol­len part­ner ein­an­der die Wahr­heit sa­gen. Aber doch nicht im­mer! car­la Be­cker über ein phä­no­men, das wahr­schein­lich so man­che Ehe sta­bi­li­siert

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Un­se­re Toch­ter ist ver­liebt. Sehr ver­liebt. So ver­liebt, dass sie von nichts an­de­rem mehr re­det. Wä­re sie ei­ne Fi­gur in ei­nem Co­mic-Heft, wä­ren ih­re Sprech­bla­sen mit klei­nen Herz­chen ver­ziert. Sie sagt, ihr Neu­er wä­re DER per­fek­te Mann, sen­si­bel, auf­merk­sam und ehr­lich. Das wä­re so­wie­so das Wich­tigs­te, fin­det Li­na, Ehr­lich­keit! Mein Mann und ich star­ren ein biss­chen auf den Fuß­bo­den, da­mit un­se­re Toch­ter nicht sieht, dass wir grin­sen. Mein Blick fällt auf den Tep­pich un­ter un­se­rem Ess­tisch, ein schlich­ter, aber wun­der­schö­ner Berber. Vor­her lag dort ein Ori­ent-Tep­pich, rie­sen­groß, dun­kel wie die Nacht und an ei­ni­gen Stel­len so räu­dig, dass das Par­kett durch­schim­mer­te. Ein Ge­schenk von der Tan­te mei­nes Man­nes und der Grund da­für, dass er Hem­mun­gen hat­te, ihn zu ent­sor­gen. Als wir vor ein paar Jah­ren um­zo­gen, muss das Tep­pich-Mons­ter wohl ver­se­hent­lich in den fal­schen Trans­por­ter ge­ra­ten sein, al­so in den mit den Sa­chen, die zum Re­cy­cling­hof soll­ten. Dum­mer Zu­fall, den ich mir auch nicht er­klä­ren konn­te. Ge­nau­so we­nig, wie ich er­klä­ren konn­te, wo­her die Beu­le im Kot­flü­gel un­se­res Au­tos stammt oder wie­so uns kurz nach dem Tod un­se­rer Schnucki rein zu­fäl­lig ei­ne neue Kat­ze zu­lief. Vor al­lem mein Mann ver­lieb­te sich in die klei­ne Pelz­ku­gel, was er aber nie zu­ge­ben konn­te, weil er strikt ge­gen ein neu­es Haus­tier ge­stimmt hat­te. Mit der Ehr­lich­keit ist es eben so ei­ne Sa­che.

Ich fin­de ja, klei­ne Lü­gen sind oft bes­ser als ihr Ruf

und so­gar gut für die Be­zie­hung, weil sie un­nö­ti­gen Streit ver­hin­dern oder den an­de­ren mo­ra­lisch auf­bau­en. „Ehr­lich, Schatz, du siehst mit Halb­glat­ze to­tal se­xy aus“, ist so ein see­li­sches Trost­pflas­ter. Es be­ru­higt den an­de­ren, ge­nau wie die Äu­ße­rung „Nee, die Schu­he sind nicht neu. Die hab’ ich schon gaa­anz lan­ge.“

Na­tür­lich weiß ich, dass ich in un­se­rer Ehe nicht die Ein­zi­ge bin, die die Wahr­heit ge­le­gent­lich ein we­nig frei in­ter­pre­tiert. Als mein Mann neu­lich mit ein paar Freun­den un­ter­wegs war, er­zähl­te er hin­ter­her, er hät­te „mit den Jungs noch ein Bier­chen ge­trun­ken“. Nach der Rech­nung in sei­ner Ho­sen­ta­sche zu ur­tei­len, die mir beim Wä­sche­sor­tie­ren ent­ge­gen­pur­zel­te, wa­ren sie in ei­ner Bar ge­we­sen, die für ih­re 75 Whis­key­sor­ten be­kannt ist. Und er hat­te sie so ziem­lich al­le ge­tes­tet. Zum Glück sind wir aber lan­ge ge­nug ver­hei­ra­tet, um zu wis­sen, dass nicht je­de Klei­nig­keit aus­dis­ku­tiert wer­den muss.

Li­na wä­re da be­stimmt an­de­rer Mei­nung, aber das ist eben der klei­ne Un­ter­schied zwi­schen frisch ver­lieb­ten Zwan­zig­jäh­ri­gen und glück­lich li­ier­ten

Fünf­zig­jäh­ri­gen. •

Wie gut, dass un­ser Nä­schen beim flun­kern nicht wächst…

No­tLü­geNALARm „Gib’s zu, die Ro­se hast du gemopst. Du hast un­se­ren Hoch­zeits­tag ver­ges­sen.“„Neee­ein, na­tür­lich nicht.“

Car­la Be­cker, 54, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

un­SE­RE ko­Lum­niS­tin

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