Ein Fest oh­ne Kin­der – das geht gar nicht

Meins - - Mein Leben -

Al­so, für mich heißt Os­tern Rei­se­zeit. Wir sind meis­tens weg­ge­fah­ren, manch­mal in den Ski-Ur­laub, lie­ber aber in die Son­ne – manch­mal auch nur ir­gend­wo aufs Land. Da­mit ha­ben wir an­ge­fan­gen, als mein Sohn klein war. Os­tern in der Stadt­woh­nung – das ist doch nichts. Ich bin ein Land­ei, auch wenn ich jetzt schon ewig in der Stadt woh­ne und im­mer noch jam­me­re – aber ich krieg’ auch nicht die Kur­ve, wie­der aufs Land zu zie­hen. Es hat halt bei­des sei­ne Vor­zü­ge! Und das mit den al­ten Bäu­men und dem Ver­pflan­zen – da ist schon was dran! Je­den­falls woll­te ich Os­tern ir­gend­wo ver­brin­gen, wo viel Platz ist, wo man sich be­we­gen kann, Frei­heit hat und am bes­ten na­tür­lich auch schon Früh­ling. Nach dem lan­gen Win­ter muss ich raus aus mei­nen vier Wän­den! Die Kin­der hat­ten ja auch im­mer Ferien. Vie­le Jah­re sind wir zu­sam­men mit mei­ner Schwes­ter und ih­rer Fa­mi­lie un­ter­wegs ge­we­sen. Aber als die Kin­der dann ei­ge­ne We­ge gin­gen und sie ge­schie­den wur­de, ist die­se Tra­di­ti­on ab­ge­ris­sen. Das fin­de ich so scha­de. Ich ha­be im­mer ge­dacht, wir wür­den bis ans En­de un­se­rer Ta­ge viel zu­sam­men ma­chen – mei­ne Schwes­ter und ich. Be­son­ders als dann auch mein Mann vor drei Jah­ren ge­stor­ben ist. Als Kin­der ha­ben wir an­ein­an­der­ge­han­gen wie die Klet­ten, jetzt hat sie so gut wie nie Zeit für mich. Und of­fen­bar auch kein In­ter­es­se. Nach ih­rer Schei­dung hat­te ich ei­ne Zeit lang den Ver­dacht, sie nei­det mir mein Glück. Dach­te aber, das wür­de vor­über­ge­hen. Ich ha­be dann mit mei­ner Freun­din die Os­ter­ta­ge ver­bracht, aber Os­tern oh­ne Kin­der geht gar nicht. Und seit drei Jah­ren neh­men wir un­se­re En­kel­kin­der mit, dies­mal geht es nach Mallor­ca. „Kin­der“trifft es nicht ganz. Die äl­tes­ten sind 15 bis 17 und of­fen­bar froh, aus der Ein­fluss­zo­ne ih­rer El­tern raus zu sein. Na­tür­lich sind wir Groß­müt­ter auch groß­zü­gi­ger – in je­der Be­zie­hung, trotz­dem gibt es Re­geln. Wir ha­ben un­glaub­lich viel Spaß, er­staun­lich we­nig Stress, und es ist rich­tig süß, wie auch die Gro­ßen beim Os­te­rei­er­su­chen wie­der zu Kin­dern wer­den, als woll­ten sie sich die un­be­schwer­ten Mo­men­te ih­rer Kind­heit im­mer wie­der zu­rück­ho­len. Mit mei­nem Son­nen­schein Em­ma ma­le ich ein paar aus­ge­pus­te­te Eier an, und wir ba­cken zu­sam­men den Os­ter­zopf. Wenn wir Omas mit fünf En­keln so am Tisch sit­zen, an den Strand ge­hen oder Aus­flü­ge ma­chen, dann füh­le ich mich­wie in Bul­ler­bü. Schö­ner kann das Le­ben nicht sein! Mei­ke, 72

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.