Lu­ca Dot­ti:

„So be­zau­bernd war mei­ne Mut­ter au­drey Hep­burn“

Meins - - Inhalt - VON ULRiKE BREMM

Ei­ne gro­ße, schwar­ze Son­nen­bril­le, ein Per­len­col­lier, ein klei­nes Schwar­zes und die Zi­ga­ret­te im el­len­lan­gen Mund­stück – als Hol­ly Go­light­ly in „Früh­stück bei Tif­fa­ny“oder Eliza Doo­litt­le in „My Fair La­dy“ist sie un­ver­ges­sen. Au­drey Hep­burn war Idol von Mil­lio­nen Frau­en welt­weit, ver­än­der­te mit ih­rer Mi­schung aus Un­schuld und Ge­heim­nis, ih­rer schlan­ken Fi­gur und mo­der­nen Fri­sur – das ge­sam­te Frau­en­bild der 50er- und 60er-Jah­re. Im Interview mit MEINS gibt uns ihr Sohn Lu­ca, 46, ganz pri­va­te Ein­bli­cke …

meins: mit 40 stell­te ih­re mut­ter die gro­ße kar­rie­re hint­an … Lu­ca dot­ti: Sie war glück­lich, end­lich ih­ren Traum von ei­ner Fa­mi­lie und ei­nem Heim le­ben zu kön­nen. Sie hat­te ja pau­sen­los ge­ar­bei­tet. Ihr Ziel: ein ganz nor­ma­les Le­ben zu füh­ren. Sie leg­te kei­nen Wert auf Ruhm. Sie woll­te be­han­delt wer­den wie al­le an­de­ren. Nie hat sie ih­ren Pro­mi­nen­tenS­ta­tus be­nutzt – au­ßer, wenn sie sich als UNICEF-Bot­schaf­te­rin für not­lei­den­de Kin­der ein­setz­te.

meins: sie ka­men zehn Jah­re nach ih­rem bru­der se­an aus der ehe mit mel Fer­rer zur Welt … Lu­ca dot­ti: Ja. Wäh­rend der ge­sam­ten Schwan­ger­schaft mit mir muss­te sie Bett­ru­he hal­ten. Denn vor der Ge­burt mei­nes Bru­ders und vor mei­ner Ge­burt hat­te sie je­weils zwei Fehl­ge­bur­ten. Das wa­ren für sie die schmerz-

haf­tes­ten Er­fah­run­gen ih­res Le­bens.

MEINS: In wel­chen Mo­men­ten fühl­te sie sich am wohls­ten? Lu­ca Dot­ti: Wenn sie ih­ren Mann und ih­re bei­den Söh­ne um sich hat­te. Oder im Gar­ten ar­bei­te­te. Sie küm­mer­te sich mit Hin­ga­be um ih­re Pflan­zen. Es fehl­te nie an selbst ge­zo­ge­nem Ge­mü­se auf un­se­rem Tisch, es gab Obst im Über­fluss. Ro­te Kir­sch­mar­me­la­de ge­hör­te zu ih­rem ge­lieb­ten Früh­stück.

MEINS: Wel­che Er­in­ne­rung cha­rak­te­ri­siert Ih­re Mut­ter am bes­ten?

Lu­ca Dot­ti: Als ih­re ge­lieb­te Trau­er­wei­de ge­fällt wer­den muss­te, rief sie mich den Trä­nen na­he in Rom an. Die Na­tur war für sie Sinn­bild des Le­bens. Und das Le­ben war für sie ein kost­ba­res Ge­schenk – was vor al­lem da­mit zu tun hat­te, dass sie trotz Hun­gers­not den Krieg über­leb­te. Sie hat­te sich das Herz ei­nes jun­gen Mäd­chens be­wahrt,

das stau­nend durch die Welt geht.

MEINS: In Ih­rem neu­en Buch „Zu­hau­se bei Au­drey“(Du­Mont Ver­lag) stel­len Sie auch ih­re Lieb­lings­ge­rich­te vor … Lu­ca Dot­ti: Lie­ber als das raf­fi­nier­tes­te Me­nü wa­ren ihr Spa­ghet­ti mit To­ma­ten­so­ße und et­was Oli­ven­öl! Oh­ne Nu­deln konn­te sie nicht le­ben. Und sie war ver­rückt nach Scho­ko­la­de – ihr klei­nes Las­ter, seit ihr ein ka­na­di­scher Sol­dat bei der Be­frei­ung der Nie­der­lan­de sie­ben Rie­gel ge­schenkt hat­te.

MEINS: Fand Au­drey sich at­trak­tiv?

Lu­ca Dot­ti: Oft schau­te sie in den Spie­gel und sag­te: „Ich ver­ste­he über­haupt nicht, war­um die Leu­te mei­nen, ich sei schön.“Sie hat­te vie­le Kom­ple­xe: Ih­re Na­se, Oh­ren und Fü­ße fand sie zu groß, ih­ren Bu­sen zu klein. Au­ßer­dem litt sie we­gen ih­rer An­ämie un­ter dunk­len Au­gen­rin­gen.

MEINS: Sie galt schon zu Leb­zei­ten als Sti­li­ko­ne. Was trug sie privat? Lu­ca Dot­ti: Lie­ber T-Shirts und Je­ans als Gi­venchy. Zu Hau­se schmink­te sie sich we­nig. Mit ih­rem Al­ter hat­te sie kein Pro­blem – im Ge­gen­teil: Sie moch­te es, äl­ter zu wer­den.

MEINS: Sie wa­ren 23, als Ih­re Mut­ter an Darm­krebs starb. Wie ha­ben Sie die Zeit ih­rer Krank­heit er­lebt?

Lu­ca Dot­ti: Nach der Tu­mor-Dia­gno­se und den bei­den Ope­ra­tio­nen blie­ben ihr nur noch zwei Mo­na­te. Ich war froh, dass sie nicht zu lan­ge lei­den muss­te. Be­klagt hat sie sich nie. Sie war eher be­sorgt dar­über, wie wir oh­ne sie aus­kom­men wür­den.

MEINS: Wo­für sind Sie ihr dank­bar? Lu­ca Dot­ti: Ich ha­be im­mer ge­spürt, wie sehr sie mich lieb­te. Sie hat mir stets das Ge­fühl ge­ge­ben: Was auch pas­siert – sie ist für mich da. •

In­tel­li­gent, selbst­be­wusst, gra­zil und ele­gant – zu ih­rer Zeit prägt Au­drey ein ganz neu­es Frau­en­ide­al Auch im Ur­laub auf Giglio wird selbst ge­kocht

in Lo­ve Von 1954 bis 1968 ist Au­drey mit Mel Fer­rer ver­hei­ra­tet

ein­zig­ar­tig nu maL but­ter bei die Fi­sche

ein herz und ei­ne kro­ne mit Gre­go­ry Peck brach­te Au­drey ei­nen Os­car. Vor dem Pla­kat po­siert ihr Sohn Lu­ca Dot­ti mit der Film-Ve­s­pa

Au­drey tanzt durch ei­nen rö­mi­schen Gar­ten (1955)

La doL­ce vi­ta

FIF­TIES GIRL mit in­ter­na­tio­na­len Wur­zeln: in Bel­gi­en ge­bo­ren, mit bri­tisch- nie­der­län­di­schen El­tern IM­MER SO SCHÖN Kann man ele­gan­ter mit Strick­na­deln klap­pern? Au­drey 1958 in ei­ner Dreh­pau­se

Was für ein Mo­de­ge­spür! Die zar­te Schau­spie­le­rin kre­iert Looks, die bis heute un­ver­ges­sen sind

ZUM ABGUCKEN

GAST­GE­BE­RIN Au­drey ser­viert ih­ren Freun­den Nu­deln – auf ih­rem An­we­sen in der Schweiz

FA­MI­LI­EN­GLÜCK Den Psych­ia­ter Andrea Dot­ti hei­ra­tet Au­drey 1969. Ein Jahr spä­ter kommt Lu­ca zur Welt

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