Floh­markt

So wer­den wir Ex­per­te

Meins - - Inhalt - VON aLEX EMUNDS

Die schöns­te Jah­res­zeit weckt un­ge­ahn­te Ener­gi­en in uns. Heißt: Am Wo­che­n­en­de schaf­fen wir es mal vor elf Uhr aus dem Bett. Schnap­pen uns den Liebs­ten und ge­hen auf die Jagd. Im Vi­sier: ver­bor­ge­ne Floh­markt­schät­ze. Be­liebt sind nach wie vor an­ti­ke Mö­bel­stü­cke. Wie wir uns da die Ro­si­nen raus­pi­cken, ver­rät uns An­ti­qui­tä­ten­händ­ler und ZDF-Ex­per­te Olaf Eli­as.

❯ Wel­che Mö­bel sind reiz­voll?

Die gro­ße Li­ga an­ti­ker Mö­bel bil­den Ob­jek­te des Bie­der­mei­er, der Grün­der­zeit und des

Ba­rock. Ganz frü­he Wer­ke, wie aus der Ro­ko­ko-Zeit von vor 1700, sind sehr sel­ten. We­gen des Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sels tref­fen wir am häu­figs­ten auf Ge­brauchs­mö­bel der 20er-, 30er- und 40er-Jah­re des 20. Jahr­hun­derts. Sie ha­ben ei­ne schö­ne Form­spra­che und zeich­nen sich durch so­li­des Hand­werk aus. ❯ Was zeich­net ein gu­tes Stück aus? Ein un­re­stau­rier­tes Mö­bel­stück in gu­tem Zu­stand ist das, was al­le su­chen. Al­so, ein Ori­gi­nal, das im Lau­fe der Jah­re oder Jahr­hun­der­te gut ge­pflegt und nicht ver­än­dert wur­de. Es darf we­der ver­wurmt noch

ver­schwammt sein und kei­ne Was­ser­fle­cken auf­wei­sen. Wir prü­fen: Sind al­le Tei­le, z. B. Be­schlä­ge, vor­han­den? Ist es kom­plett funk­ti­ons­tüch­tig, wie es dort steht? Ist es re­stau­riert – das kann oft der Fall sein –, muss das kein Aus­schluss­kri­te­ri­um sein. Es kann sich trotz­dem um ein qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Mö­bel han­deln.

❯ Wie se­he ich, ob re­stau­riert wur­de?

Da kommt es auf die De­tails an: Ein re­stau­rier­tes Stück er­ken­nen wir schnell, wenn wir uns die Schrau­ben an­se­hen: Mo­der­ne

Kreuz­schlitz­schrau­ben (1930er-Jah­re) gab es frü­her nicht. Ist vi­el­leicht an ei­ner schlecht sicht­ba­ren Stel­le Leim her­aus­ge­lau­fen? Häu­fig sind die Mö­bel auch ge­stri­chen wor­den, z. B. bei al­ten Fur­nier­stü­cken. Es gibt z. B. Bie­der­mei­er-Vi­tri­nen, die Glasele­men­te ha­ben, die frü­her ge­walzt und ge­bla­sen wur­den. Sie sind oft ka­putt­ge­gan­gen und durch mo­der­ne­res, glat­te­res Glas er­setzt wor­den, das an­ders spie­gelt. Be­son­de­res Au­gen­merk le­gen wir auch auf Tü­ren, Rück­wän­de und

Schub­la­den. Dort gibt es viel Po­ten­zi­al für nach­träg­li­che Ar­bei­ten.

❯ Wann ist ein re­stau­rier­tes Ob­jekt in Ord­nung?

So­fern Ma­te­ri­al­treue ge­ge­ben ist. Was nicht geht: wenn das Ori­gi­nal ei­ne Glas­schei­be hat, nach­träg­lich aber ei­ne Ple­xi­glas­schei­be ein­ge­baut wur­de. Oder an ei­ner Ei­chen­kom­mo­de taucht ein Kie­fern­fuß auf. Be­schlä­ge wie an Tü­ren, Schlüs­sel­lö­chern, Schar­nie­ren und Schmuck­ap­pli­ka­tio­nen sind auch ein gro­ßes The­ma. Die kön­nen oft durch Ma­te­ria­li­en aus an­de­ren Epo­chen und mit ver­schie­de­nen Qua­li­tä­ten er­setzt wor­den sein. Dann ist die Fra­ge: Weist das Mö­bel­stück ei­ne durch­gän­gi­ge Form­spra­che auf oder wur­den Be­schlä­ge ge­mischt? Das muss aber al­les nicht schlecht sein, denn Stil­mix steht eben­falls für Ge­schich­te, und er bringt den Charme des Ge­leb­ten rü­ber.

❯ Woran er­ken­nen wir fäl­schun­gen?

Plum­pe Re­pli­ken kön­nen wir auch als Laie ent­lar­ven. Sie ko­pie­ren nur die Form­spra­che und sind aus Press­pap­pe oder Press­span ge­fer­tigt und wer­den mit Kreuz­schlitz­schrau­ben zu­sam­men­ge­hal­ten.

❯ Wo kön­nen wir güns­tig auf­ar­bei­ten las­sen?

Ha­ben wir ein schö­nes Stück ge­fun­den, das aber et­was auf­ge­bes­sert wer­den muss, kön­nen wir bei ei­nem An­ti­qui­tä­ten

händ­ler nach­fra­gen. I. d. R. hat er ei­nen Pool aus Re­stau­ra­to­ren, die er emp­feh­len kann. Was wol­len wir aus­ge­ben? Ha­ben wir ein Preis­li­mit oder wol­len wir in ei­ne High-End-Re­stau­rie­rung in­ves­tie­ren? In die­sem Fall müs­sen wir den Scha­den scan­nen und ein­schät­zen, wie rea­lis­tisch ei­ne Re­stau­ra­ti­on z. B. für 200 Eu­ro ist. Ma­te­ri­al­kos­ten sind meist nicht so hoch. Es

TRö­deL? Wer weiß! Un­ter viel Plun­der ver­ste­cken sich oft klei­ne Pracht­stü­cke

OLAf eLi­AS be­treibt als An­ti­qui­tä­ten­händ­ler ei­nen der größ­ten Märk­te für his­to­ri­sche Bau­stof­fe na­he Ber­lin.

info: www.his­to­ri­sche­bau­ele­men­te.com

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