Kli­ma­be­richt

Hor­mo­ne fah­ren ja be­vor­zugt nachts Ach­ter­bahn. Al­les pennt, nur wir sind hell­wach und är­gern uns. Da­bei kann „schlaf­los“so (ent-)span­nend sein …

Meins - - Inhalt - Wir freu­en uns über Ih­ren Kli­ma­be­richt. Schrei­ben Sie an: re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com

Frü­her war ich der Typ, der über­all ein Spon­tan-Ni­cker­chen ma­chen konn­te: auf der Schul­bank, im War­te­zim­mer, an der ro­ten Am­pel, so­gar im Auf­zug. Ein paar Se­kun­den – schwupp, war ich re­ge­ne­riert. Heute graut mir schon am Nach­mit­tag vor der Nacht, denn ich weiß: Hin­le­gen kann ich ei­gent­lich blei­ben las­sen. Ein­schla­fen funk­tio­niert bei mir näm­lich seit Län­ge­rem nicht mehr zu ge­sell­schaft­lich an­er­kann­ten Zei­ten wie nach Claus Kle­bers „heute jour­nal“, son­dern – wenn über­haupt – in den frü­hen Abend­stun­den am Bü­ro­schreib­tisch oder zu Hau­se beim Es­sen­zu­be­rei­ten. Ei­nes Tages wird man mich am Kü­chen­tisch fin­den, das Kinn auf der Brust, in der lin­ken Hand ei­ne Kar­tof­fel, in der rech­ten das Schäl­mes­ser, ein ent­rückt glück­li­ches Schlaf­grin­sen auf den Lip­pen.

War­um nur bit­te funk­tio­niert Ein­ni­cken nicht nachts? Stun­den­lang ha­de­re ich, und falls es mit dem Ein­schla­fen zu­fäl­lig mal ge­klappt hat, ist der Spaß in je­dem Fall nach we­ni­gen St­un­den vor­bei. Da lie­ge ich nun: mit Herz­klop­fen, of­fe­nen Au­gen und schwir­ren­den Ge­dan­ken. Ken­nen Sie das? Was nun? Was tun? So­gar zum Weih­nachts-Re­frain-Sin­gen bin ich mir nicht zu doof: „Aaaaal­les schläft, eiiiin­sam wacht …“Un­glaub­lich, wie viel Groll frau in sol­chen Si­tua­tio­nen auf­bau­en kann. Scha­de, dass man aus mei­ner nächt­li­chen Wut kei­nen Strom her­stel­len kann – ich wä­re reich!

Aber ich ha­be mir jetzt ei­ne neue Va­ri­an­te

der Ei­gen­wahr­neh­mung ver­ord­net: das Selbst-Mit­ge­fühl! Kann ich nur wärms­tens emp­feh­len. Wir kön­nen den Schlaf nicht er­zwin­gen, na, dann fin­den wir We­ge, uns zu hel­fen! Dre­hen wir den Spieß um: Schlaf­lo­sig­keit be­deu­tet Geis­tes­ge­gen­wart, Kon­zen­tra­ti­on, Auf­merk­sam­keit. Das ist ge­schenk­te Zeit! Ein Gruß aus der Le­bens­kü­che so­zu­sa­gen – al­so her mit ei­nem bun­ten Nacht-Pro­gramm. Le­sen, cool, mitt­ler­wei­le schaf­fe ich hal­be Bü­cher, wo ich frü­her nach den be­rühm­ten drei Sei­ten weg­kipp­te. Neu­lich ha­be ich um 2 Uhr ei­ne Freun­din an­ge­ru­fen, der es ge­nau­so ging – ei­ne St­un­de ha­ben wir un­ge­stört über das Le­ben phi­lo­so­phiert, herr­lich. Ganz her­vor­ra­gend las­sen sich zwi­schen 2 und 4.30 Uhr (mei­ne wach­sa­me Kern­zeit!) auch Blu­sen oder Hem­den bü­geln, und dem­nächst wer­de ich mal die­ses tol­le Kä­se­ku­chen­re­zept mei­ner Nach­ba­rin aus­pro­bie­ren – da­für brau­che ich eh Ru­he. Oder ich se­he mir zum ge­fühlt 49. Mal „Schlaf­los in Se­at­tle“an und schmach­te ein biss­chen Tom Hanks an, der vor 23 Jah­ren noch rich­tig schnu­cke­lig aus­sah. Hol­la, die Wald­fee! •

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin

An­gi Brink­mann hat fest vor, aus den Wech­sel­jah­ren das Bes­te her­aus­zu­ho­len

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