Ver­lie­ben

Über 30 Jah­re lang war ro­se­ma­rie Köt­ter, 67, Sing­le. Dann nahm sie ihr Schick­sal in die Hand und mel­de­te sich spon­tan bei ei­ner On­li­ne-Part­ner­bör­se an

Meins - - Inhalt -

Ro­se­ma­rie, 67, ist nach 30 Jah­ren Sing­le­da­sein to­tal ver­liebt

An ei­nem April­tag vor drei Jah­ren sitzt die quir­li­ge Ro­se­ma­rie in der Stra­ßen­bahn, ein lan­ger Ar­beits­tag ist zu En­de. Sie schaut aus dem Fens­ter, denkt über ih­re Zu­kunft nach. Da fällt ihr ein Pla­kat mit ei­nem ver­lieb­ten Pär­chen ins Au­ge, die Wer­be­ta­fel ei­ner Part­ner­bör­se im In­ter­net. Sie denkt: „War­um ei­gent­lich nicht? Ich war so lan­ge al­lein – will mich end­lich wie­der ver­lie­ben!“

Vor der Buch­hal­te­rin liegt die Zeit der Ren­te, ih­re bei­den Kin­der sind lan­ge aus dem Haus, von ih­rem Mann ist sie seit mehr als 30 Jah­ren ge­schie­den. Zu Hau­se klappt sie so­fort ih­ren Lap­top auf und mel­det sich an. Und dann taucht schon kurz dar­auf auf ih­rem Bild­schirm plötz­lich Horst auf: 64 Jah­re alt, pen­sio­nier­ter Leh­rer und Au­gen, die ihr nicht mehr aus dem Kopf ge­hen. Horst fa­ckelt nicht lan­ge.

Lass uns doch ein­fach tref­fen und schau­en, ob’s passt,

schreibt er. Der Treff­punkt: ein ro­man­ti­scher See in der Nä­he von Bie­le­feld. Das Herz schlägt Ro­se­ma­rie bis zum Hals. „Wie er wohl sein mag? Ob er mich mö­gen wird?“Ei­ne Freun­din bringt sie hin, die vor­sichts­hal­ber ei­ne

Mit über 60 noch mal so rich­tig ver­lie­ben? Ja, war­um denn nicht?!

St­un­de war­ten soll. Doch als Horst und Ro­se­ma­rie sich se­hen, funkt es so­fort: Lie­be auf den ers­ten Blick – Ro­sa­mun­de Pil­cher hät­te es sich nicht schö­ner aus­den­ken kön­nen. Horst fragt ein we­nig auf­ge­regt: „Hast du Lust auf ei­nen klei­nen Spa­zier­gang?“Und die for­sche Ro­se­ma­rie ant­wor­tet: „Du spinnst wohl! Es reg­net!“Man kann schon ah­nen, wer in die­ser Be­zie­hung den Ton an­ge­ben wird. In ei­nem klei­nen Re­stau­rant spre­chen sie über 1000 Din­ge. Mer­ken, wie toll sie zu­ein­an­der­pas­sen. Bei­de spon­tan, le­bens­froh, neu­gie­rig. Bei­de ha­ben zwei Söh­ne, die Leh­rer sind. Und auch ge­nau im sel­ben Al­ter – 38 und 40. Spä­ter trin­ken sie bei Horst zu Hau­se in Her­ford ei­nen Rot­wein und tan­zen im Wohn­zim­mer zu Nora Jo­nes.

Zwei Wo­chen lang sind sie un­zer­trenn­lich. Dann fliegt Ro­se­ma­rie mit ei­ner Freun­din drei Wo­chen nach Spa­ni­en. Sie schrei­ben sich je­den Tag SMS – wie Te­enager. Nach dem Ur­laub holt Horst sein „Rö­schen“vom Flug­ha­fen ab, nimmt es mit zu sich. Ei­ne neu­gie­ri­ge Nach­ba­rin lugt über den Gar­ten­zaun: „Na, zie­hen Sie hier schon ein?“Da müs­sen Ro­se­ma­rie und Horst la­chen. Sie sind ver­liebt. Nein, ein­zie­hen will Ro­se­ma­rie nicht, aber sie räumt schon mal Horsts Klei­der­schrank aus. „Ein paar Ho­sen und ein, zwei Hem­den durf­te er be­hal­ten – der Rest war ein­fach scheuß­lich!“

42 Jah­re lang war horst ver­hei­ra­tet.

Ein­ein­halb Jah­re, be­vor er und Ro­se­ma­rie sich ken­nen­ler­nen, starb sei­ne Frau an Krebs. „Ich fiel da­mals in ein gro­ßes Loch. Wuss­te nichts mehr mit mir an­zu­fan­gen“, ge­steht er. Ro­se­ma­rie sei sei­ne Ret­tung ge­we­sen, ha­be ihn zu­rück ins Le­ben ge­holt. Aber auch auf Wol­ke sie­ben gibt es Pro­ble­me. Als er sei­ne neue Lie­be den Freun­den vor­stell­te, fühlt Ro­se­ma­rie sich un­wohl, ir­gend­wie fehl am Platz. „Die kann­ten Horst ja nur mit sei­ner Frau.“Auch in dem Haus ist ihr nicht wirk­lich wohl – schließ­lich hat er dort vier Jahr­zehn­te mit ei­ner An­de­ren ge­lebt. Aber nach ei­nem Drei­vier­tel­jahr reicht ihr die Pen­de­lei zwi­schen Bie­le­feld und Her­ford, für sie ist klar: So geht das nicht mehr! Und was sagt Horst? „Dann lass uns doch ein­fach hei­ra­ten!“Ro­se­ma­ries Herz mach­te ei­nen Sprung: Hei­ra­ten mit 66 Jah­ren? Ja, war­um ei­gent­lich nicht! Sei­ne Söh­ne mö­gen sie, freu­en sich, dass sie ih­ren Va­ter aus der Kri­se her­aus­ge­holt hat. Auch ih­re Kin­der lie­ben Horst da­für, dass er ih­re Mut­ter nach 30 Jah­ren al­lein end­lich wie­der strah­len ließ. Sie zieht bei Horst ein, be­kommt ihr ei­ge­nes Zim­mer. Nach und nach wird al­les re­no­viert. Die Auf­ga­ben­tei­lung ist klar: Horst ist fürs Prak­ti­sche zu­stän­dig – ko­chen in­klu­si­ve, Ro­se­ma­rie hat ein Händ­chen für al­les Schö­ne.

mit der Ver­lo­bung wen­det sich das blatt.

Horsts jüngs­tem Sohn bricht es das Herz, dass die neue Frau den Platz sei­ner Mut­ter nun kom­plett ein­neh­men soll. Er zieht sich zu­rück, ver­wei­gert je­de Kom­mu­ni­ka­ti­on. „Das war wirk­lich schlimm“, sagt Ro­se­ma­rie. Und schmerz­lich für sie al­le. Doch zur Hoch­zeit am 17. April 2014 er­scheint der ver­lo­re­ne Sohn. Und heu­te hat er die neue Lie­be sei­nes Va­ter mehr als ak­zep­tiert. An Fest­ta­gen sitzt die gan­ze Fa­mi­lie an der gro­ßen Ta­fel im Wohn­zim­mer zu­sam­men. „Ich hät­te nie­mals ge­dacht, dass ich mich wie­der ver­lie­ben könn­te“, ge­steht Horst. „Doch Rö­schen hat wie­der Far­be in mein Le­ben ge­bracht. Und das ist nicht nur auf mei­nen Klei­der­schrank be­zo­gen!“Und die kes­se 67-Jäh­ri­ge ver­si­chert: „Ich wuss­te, dass ich mich ir­gend­wann wie­der ver­lie­ben wür­de. Aber dass es so ein tol­ler Mann wie Horst wer­den wür­de, das hät­te ich nicht zu träu­men ge­wagt.“•

Am ers­ten Abend tanz­ten wir bei ihm im Wohn­zim­mer

mehr far­be „Das schö­ne ro­te Hemd hat Rö­schen mir ge­kauft!“, er­zählt Horst. „ Aber al­le an­de­ren hat sie ja auch weg­ge­ge­ben!“

gLücK­Lich Es reg­ne­te bei der Hoch­zeit ro­te Ro­sen für das Braut­paar Mit 66 Jah en R heiRa­te ich mei­nen T aum­mann R

ro­si­ge Zei­ten Die Hoch­zeits­tor­te von Rö­schen und Horst

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