Auf­re­ger des Mo­nats

Ver­käu­fer, die uns de­mü­ti­gen. Kell­ner, die uns über­se­hen … Un­se­re Ko­lum­nis­tin An­ge­li­ka Brink­mann fragt sich: Sind die ein­fach nicht rich­tig er­zo­gen?

Meins - - Inhalt -

Geht es auch ein biss­chen char­man­ter?

Neu­lich im Re­stau­rant: Ich bin schon ein paar Mi­nu­ten da, sit­ze un­be­ach­tet am Tisch her­um, rich­te die Ser­vi­et­te, po­si­tio­nie­re das Wein­glas ei­nen Zen­ti­me­ter nach rechts, die Ga­bel nach links, befumm­le heim­lich die Blu­men­de­ko. Die Spei­se­kar­te zu le­sen wä­re su­per, wür­de die­se denn ir­gend­wann mal ge­bracht. Ser­vice? Fehl­an­zei­ge! Beim drit­ten Vor­bei­rau­schen des Kell­ners ru­fe ich freund­lich ver­nehm­lich „Ent­schul­di­gung …“. Nichts, kein An­zei­chen von Wahr­neh­mung. Ent­schul­di­gung? Ja, für was ei­gent­lich? Dass ich seit Mi­nu­ten brav aus­har­re, jetzt lang­sam be­stel­len möch­te und dies mitt­ler­wei­le mit Win­ke-Win­ke si­gna­li­sie­re?

Der Kell­ner huscht für ei­ne ge­fühl­te Mil­li­se­kun­de her­an:

„Bit­teee?“Ich ant­wor­te: „Ich möch­te die Kar­te und ein Glas Weiß­wein. Kön­nen Sie mir bit­te ei­nen Wein emp­feh­len, der …?“Da­zu der Kell­ner: „Ha­ben Sie kei­ne Kar­te? Da ste­hen al­le Wei­ne drin.“Weg is­ser. Als er wie­der­kommt, ver­su­che ich’s er­neut mit mei­ner Fra­ge – ich ver­tra­ge näm­lich nur we­nig Säu­re, und DAS steht si­cher nicht un­ter je­der Wein­sor­te auf­ge­drös­elt. Wei­ter als „Könn­ten Sie mir bit­te …“kom­me ich wie­der nicht. Die Kar­te se­gelt auf den Tisch, adieu. Ich ru­fe atem­los „Dan­ke!“, er von fer­ne: „Kein Pro­blem!“WIE BIT­TE? Na­tür­lich ist das KEIN Pro­blem, wenn ich als Gast be­stel­len möch­te. War­um auch? Ich bin doch wohl eher die­je­ni­ge, die das Re­stau­rant fi­nan­ziert – und den Lohn des Kell­ners. Oder täu­sche ich mich?

Sich als Kun­din noch schnel­ler scheuß­lich zu füh­len ge­lingt im Null­kom­ma­nichts in der Par­fü­me­rie. Ich su­che ei­nen Con­cea­ler. Die sind ja jetzt als Wun­der­mit­tel in al­len Ma­ga­zi­nen drin. Bis­her hat­te ich ge­gen Au­gen­schat­ten im­mer Pu­der be­nutzt, aber der brö­ckelt. Auf mei­ne Nach­fra­ge, ob die­ser Wun­der­stift so ei­nen Tag mit mir bes­ser über­steht, neigt der hip­pe Ver­käu­fer un­ge­dul­dig das ge­gel­te Haupt, schaut durch mich durch und säu­selt: „Das liegt an ih­ren Au­gen­fält­chen, da hält kaum was. Ich wür­de da ei­ne Au­gen­creme …“Ich bin fas­sungs­los! Nicht, dass ich nicht wüss­te, dass ich Fält­chen ha­be. Aber geht es vi­el­leicht ein klein we­nig char­man­ter? Ich hät­te mir noch viel mehr ge­gönnt, wä­re ich nett be­dient wor­den. Pech, ich bin dann mal weg.

Die ab­so­lu­te Krö­nung der De­mü­ti­gun­gen

ist al­ler­dings der Jeans­kauf. Ich tra­ge ei­ne ganz nor­ma­le Grö­ße, we­der Si­ze Ze­ro wie Vic­to­ria Beck­ham noch ha­be ich das Fahr­werk ei­ner Kim Kar­da­shi­an. Trotz­dem möch­te ich ei­ne Skin­ny-Je­ans. Im schi­cken Je­ans­la­den wen­de ich mich hoff­nungs­froh an die ein­zig ver­füg­ba­re jun­ge – und sehr ge­schmink­te – Ver­käu­fe­rin. Das „ver­kann­te Top­mo­del“quit­tiert mei­ne Such­an­fra­ge mit dem ent­zü­cken­den Satz: „Da wol­len sie sich rein­zwän­gen? Skin­ny heißt dünn, ver­steh’n Se?“Ganz gro­ßes Kino, Schätz­chen, und: Iss mal was, das macht bes­se­re Lau­ne!

Mei­nes Erach­tens ist das Per­so­nal heut­zu­ta­ge so un­er­zo­gen wie maul­faul. Und ich möch­te ih­nen zu­ru­fen: Be­han­delt eu­re Kun­din­nen wie Kö­ni­gin­nen – ihr wer­det üp­pi­ges Trink­geld und zahl­rei­che Lä­cheln ern­ten – und habt ei­nen viel ent­spann­te­ren Job … •

Nein, so dünn wie die­se Pup­pe sind wi R nicht. Wol­len abe , t otz­dem t agen was wir wol­len

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