Pe­tra, 56, er­öff­ne­te in der Hol­stei­ni­schen Schweiz ei­ne Bed-an­dB­re­ak­fast-Pen­si­on

Lee­res-Nest-Syn­drom, nach­dem die Kin­der aus­ge­zo­gen sind? Nicht mit mir: sagt sich pe­tra Mül­ler-ko­op, 56. Und ver­wirk­licht ei­nen lang ge­heg­ten Traum

Meins - - Inhalt - VON SA­RAh DENKER

Durch ei­ne klei­ne Pfor­te be­tre­te ich den wun­der­schö­nen Gar­ten und den­ke: Das ist ja ein Pa­ra­dies! Ein lau­es Lüft­chen streicht durch die Sträu­cher, ein Schmet­ter­ling steu­ert ei­ne pin­ke Stock­ro­se an. Ei­ne Sze­ne­rie, als hät­te Mo­net sie auf sei­ne Lein­wand ge­zau­bert. Ich ste­he vor „Mom’s Bed & Bre­ak­fast“– die Haus­tür öff­net sich, und Pe­tra Mül­ler-Ko­op, 56, bit­tet mich in ih­re ge­räu­mi­ge Kü­che: „Schön, dass Sie da sind!“Ih­re blau­en Au­gen strah­len ei­ne Wär­me aus, die ich sel­ten auf An­hieb bei ei­ner Per­son ge­spürt ha­be, und ih­re sym­pa­thi­schen Lach­fält­chen ver­ra­ten mir: Die­se Frau nimmt das Le­ben, wie es kommt!

„Ich le­be im Au­gen­blick!“,

be­stä­tigt die ge­bür­ti­ge Ber­li­ne­rin mir spä­ter. Da­her be­schloss Pe­tra, die bis zur Ge­burt ih­rer Kin­der als Kran­ken­schwes­ter ge­ar­bei­tet hat­te, recht spon­tan, ein Bed & Bre­ak­fast im ei­ge­nen Haus zu er­öff­nen. Auf Rei­sen hat­te die Fa­mi­lie vie­le sol­cher Un­ter­künf­te ken­nen­ge­lernt. Das hat die Ost­hol­stei­ne­rin in­spi­riert. Und sie ist si­cher: „Das kann ich auch!“Nach­dem die Kin­der aus­ge­zo­gen sind, be­ginnt sie, ih­re Räu­me im Ober­ge­schoss zu re­no­vie­ren und aus­zu­bau­en.

2010 be­grüßt sie die ers­ten Gäs­te. Mitt­ler­wei­le ste­hen vier Zim­mer zum Über­nach­ten, zwei Dusch­bä­der und zwei Auf­ent­halts­räu­me zur Ver­fü­gung. „Min­na“oder „Tan­te Schrö­der“hei­ßen die Zim­mer. Das klingt ku­sche­lig und er­in­nert an die Fa­mi­lie ih­res Man­nes und die Ge­schich­te des 1911 er­bau­ten Bau­ern­hau­ses. Die üb­ri­gen Zim­mer hei­ßen na­tür­lich wie ih­re ehe­ma­li­gen Be­woh­ner: An­na, Li­na und Hen­ri. Pe­tra zeigt mit lie­be­vol­lem Blick auf die Fo­tos an ih­rer Kü­chen­wand, und es wird klar, dass sie wirk­lich mit gan­zem Her­zen „Mom“ist. Des­halb al­so der

Na­me „Mom’s Bed & Bre­ak­fast“? Nicht ganz. „Ich ha­be mal mit der Fa­mi­lie für drei Jah­re in Ka­li­for­ni­en ge­lebt, da mein Mann be­ruf­lich dort­hin muss­te. In die­ser Zeit war ich für al­le Mom“, er­klärt sie. Die hei­me­li­ge At­mo­sphä­re ist ihr sehr wich­tig. Je­der Raum be­sticht durch ei­nen char­man­ten Mix aus an­ti­ken und neu­en Mö­beln. Der Gast soll sich ge­bor­gen füh­len – ganz wie zu Hau­se.

plötz­lich ist pe­tras pa­ra­dies in Ge­fahr. Im Ja­nu­ar 2014 kommt der gro­ße Knall. Pe­tras Mann will sich tren­nen. Ein Schock – auch weil sie ja ih­ren Be­trieb in sei­nem Haus hat: „Das zieht ei­nem den Bo­den un­ter den Fü­ßen weg. Ich bin aber nicht der Mensch, der dann la­men­tiert, da­von wird nichts bes­ser. Wir ha­ben sehr in­ten­siv mit­ein­an­der ge­spro­chen und sind im Gu­ten aus­ein­an­der. Des­halb war klar, dass ich wei­ter­ma­che!“Das ging na­tür­lich nicht von heu­te auf mor­gen. „Das, was ich an Trau­rig­keit hat­te, muss­te ich auf­ar­bei­ten – da­für ha­be ich ein hal­bes Jahr ge­braucht!“In­zwi­schen hat sie sich wie­der ver­liebt und ei­nen neu­en Le­bens­ge­fähr­ten, ar­bei­tet aber mit ih­rem Mann im­mer noch im ge­mein­sa­men Buch­hal­tungs­bü­ro. Des­halb tref­fen al­le re­gel­mä­ßig auf­ein­an­der. „Wir ver­ste­hen uns al­le pri­ma!“, lacht sie, und man spürt, da­für ist sie sehr dank­bar. Viel­leicht gibt sie gera­de des­halb aus vol­lem Her­zen zu­rück. Pe­tra en­ga­giert sich ne­ben­bei im Kir­chen­vor­stand und hat ei­ne Gar­ten­be­ra­tung. Und ein Le­bens­prin­zip: „Ich ma­che al­les so lan­ge, wie ich Spaß dran ha­be. An­sons­ten: Ein Neu­an­fang geht im­mer!“

An die­sem Tag neh­me ich ein Glas von „Mom’s“haus­ge­mach­ter Mar­me­la­de mit – und ge­nau die­se Wor­te. •

MEIN HAUS ist „ei­ne al­te Da­me, die schon vie­les ge­se­hen hat“, sagt Pe­tra

schön, dass Ihr uns be­sucht Wenn Pe­tra neue Gäs­te be­grüßt, ist auch der treue Hund Ca­lin im­mer an ih­rer Sei­te

Im Ge­spräch mit Jour­na­lis­ten­schü­le­rin Sa­rah gibt Pe­tra ei­nen span­nen­den Ein­blick in „Mom’s“All­tag

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