Bei wirk­lich gu­ten Ent­schei­dun­gen bil­den Bauch und Kopf ei­ne Ein­heit!

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MEINS: War­um fällt es uns oft schwer, ei­ne Wahl zu tref­fen?

Andrea Bräu: Das ist ein Schritt ins Un­ge­wis­se und im­mer mit Ver­lus­ten ver­bun­den, weil wir uns ge­gen vie­le an­de­re Mög­lich­kei­ten stel­len. Das Schwie­rigs­te an Ent­schei­dun­gen ist die Ein­bin­dung von Emo­tio­nen an fal­scher Stel­le, ge­nau wie ra­tio­na­les Ver­hal­ten bei emo­tio­na­len The­men nicht an­ge­bracht ist. Nicht-Ent­schei­de­rin­nen tap­pen dau­er­haft im Dun­keln. Sie ha­ben oft we­nig Selbst­ver­trau­en so­wie ge­rin­ges Ver­trau­en in das Le­ben und sei­nen Fluss. Sie ha­ben ei­nen ho­hen Si­cher­heits­be­darf und ent­schei­den des­halb pri­mär mit dem Kopf. Aber ab 50 se­hen wir vie­les zum Glück lo­cke­rer. Nicht um­sonst gibt es in der Le­bens­mit­te so vie­le schö­ne Neu­an­fän­ge, die auch Er­folg ha­ben, weil sich Bauch und Kopf ei­nig sind. Es ist auch im­mer ei­ne Fra­ge der Per­spek­ti­ve: Die ei­ne sieht in ih­ren Ent­schei­dun­gen die Pro­ble­me und Ri­si­ken, die an­de­re die Chan­cen, die ihr das Le­ben dann neu bie­tet. Die­se Hal­tung ent­wi­ckeln wir häu­fig erst mit 50+. MEINS: Der Hang zum Gr­ü­beln ist ab­hän­gig von un­se­rer Per­sön­lich­keit?

Andrea Bräu: Ja. Vie­le Men­schen brau­chen es, stän­dig zu gr­ü­beln und al­le noch so klei­nen Nuan­cen ei­ner Op­ti­on ab- zuch­ecken. Bei de­nen, die sich auch über Lap­pa­li­en den Kopf zer­bre­chen, ste­cken tief sit­zen­de Ängs­te da­hin­ter, et­was Fal­sches zu tun. Sie möch­ten un­ter kei­nen Um­stän­den, dass das pas­siert. MEINS: Was macht das Hin- und Her­ge­ris­sen­sein mit uns? Andrea Bräu: Stress und schlech­te Lau­ne. Weil es un­glaub­lich viel Ener­gie kos­tet, al­les zu hin­ter­fra­gen und un­zäh­li­ge Ma­le zu über­den­ken. Hin­zu kommt, dass wir uns oft über uns selbst auf­re­gen, weil wir bei an­de­ren se­hen, wie leicht sie sich mit Ent­schei­dun­gen tun. MEINS: Wir tref­fen lie­ber kei­ne Ent­schei­dung als wo­mög­lich ei­ne fal­sche?

Andrea Bräu: Ja. Wir wol­len kei­ne Op­ti­on wäh­len, die wir ir­gend­wann be­reu­en wer­den. Ein häu­fi­ger Feh­ler da­bei ist: Wir er­war­ten schon vor­her ganz fes­te Er­geb­nis­se, und die MÜS­SEN un­be­dingt ein­tre­ten. Ent­schei­dun­gen, die im Hier und Jetzt ge­trof­fen wer­den, sol­len bes­ten­falls aus­schlie­ßen, dass wir sie in zehn Jah­ren be­reu­en. Das klappt in der Rea­li­tät aber meis­tens nicht. Wir kön­nen nur ei­ne Ent­schei­dung ba­sie­rend auf dem mo­men­ta­nen Zeit­punkt fäl­len, weil wir es bis da­to ein­fach nicht bes­ser wis­sen. Idea­ler­wei­se stüt­zen wir uns auf Er­fah­run­gen aus der Ver­gan­gen­heit. MEINS: War­um tun wir oft Din­ge, die wir ei­gent­lich nicht tun wol­len? Andrea Bräu: Wir glau­ben, dass es sich eben so ge­hört und dass es von uns er­war­tet wird. Wer so denkt, stellt sei­ne Be­dürf­nis­se hin­ter die Er­war­tun­gen an­de­rer, um ge­braucht zu wer­den, zu ge­fal­len oder An­er­ken­nung zu be­kom­men. Be­son­ders häu­fig ist das in der Pfle­ge der Fall. Sind un­se­re Lie­ben hilfs­be­dürf­tig, füh­len wir uns ver­pflich­tet und scheu­en uns, Hil­fe an­zu­neh­men oder mal den Mund auf­zu­ma­chen, um zu sa­gen, was uns nicht passt – z. B., wenn wir uns von an­de­ren An­ge­hö­ri­gen al­lein­ge­las­sen füh­len. Dann dür­fen wir uns aber nicht wun­dern, wenn uns ir­gend­wann die Si­che­rung durch­knallt und wir auf Dau­er ein Burn-out krie­gen. Al­so bes­ser ei­ne Ent­schei­dung fäl­len, die den an­de­ren nicht so ge­fällt.

Ab 50 se­hen wir eher die Chan­cen als die Ri­si­ken ei­ne Ent­schei­dung

ANdrEA BRäU, 51, hat ei­ne ei­ge­ne Pra­xis in Mün­chen (be­zie­hungs pra­xis.de)

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