Was uns be­wegt

In der RTL-Show „Let’s Dan­ce“ver­lieb­te sich Na­stass­ja Kin­ski, 55, in ei­nen 29-jäh­ri­gen Tanz­leh­rer. Im­mer noch un­ge­wöhn­lich. Aber war­um ei­gent­lich?

Meins - - Inhalt - VON ANGELIKA BRINKMANN

Nicht nur Na­stass­ja Kin­ski, 55, ist glück­lich mit ei­nem jün­ge­rem Mann

Hand aufs Herz, wä­ren wir nicht al­le gern ein ganz klein biss­chen wie Na­stass­ja Kin­ski? Ei­ne er­fah­re­ne Frau, die die Lie­be ei­nes jun­gen Man­nes ge­nießt, der sie be­wun­dert, an­him­melt und ihr sein Herz zu Fü­ßen legt?

Ja und nein! Selt­sa­mer­wei­se sind aus­ge­rech­net wir klu­gen Frau­en in Fra­gen ei­nes gro­ßen Al­ters­un­ter­schie­des in Lie­bes­be­zie­hun­gen we­sent­lich viel­schich­ti­ger ge­strickt als Män­ner. Die neh­men sich was Jun­ges, klop­fen sich stolz auf die Schul­ter und ge­ben al­ler­orts mit ih­rer Ero­be­rung strah­lend an. Wür­den wir La­dys auch gern, oder? Den­noch sind Paa­re wie die frisch ver­lieb­te Na­stass­ja Kin­ski, 55, mit ih­rem Tanz­leh­rer Ilia Rus­so, 29, längst nicht selbst­ver­ständ­lich und häu­fig noch im­mer An­lass, das The­ma in der Be­trach­tung mit ei­nem „Aha, hm …“ein­zu­lei­ten.

Hin­sicht­lich des The­mas „Rei­fe Frau, jun­ger Mann“hat sich ge­sell­schaft­lich in un­se­rer Ge­ne­ra­ti­on viel ge­tan, kei­ne Fra­ge, prü­fend hin­schau­en tun wir trotz­dem ir­gend­wie. War­um ist das (noch) so? Es ist vi­el­leicht so­gar un­ser per­sön­li­cher An­spruch, der viel zu kri­ti­sche Blick auf uns selbst so­wie der Wunsch, vor­be­halt­los ge­liebt zu

wer­den. Hin­zu kommt der ty­pisch weib­li­che Hang zur ab­so­lu­ten Har­mo­nie mit un­se­rem Um­feld, mit Fa­mi­lie wie Freun­den. All die­se Um­stän­de möch­ten ab­ge­wo­gen sein und schei­nen, je­der für sich al­lein, ei­nem un­be­schwert lust­vol­len Liebes­glück ent­ge­gen­zu­ste­hen. Wie be­rei­chernd ist es da, dass im­mer mehr tol­le Frau­en in den bes­ten Jah­ren ihr rei­ches Selbst­be­wusst­sein zei­gen und öf­fent­lich un­be­fan­gen de­mons­trie­ren: Wir füh­len uns frei und gleich­be­rech­tigt und fra­gen uns nicht stän­dig: „Was den­ken denn jetzt bloß die Leu­te?“

im­mer mehr tol­le Frau­en zei­gen sich se­xy im Glück!

Wie man die­se neue Selbst­si­cher­heit rei­fer Frau­en buch­sta­biert, be­wei­sen uns im­mer mehr pro­mi­nen­te Frau­en wie Hol­ly­wood-Star Su­san Sa­ran­don, 69. Der Me­gastar hat­te ge­fühlt über­haupt noch nie ei­nen nur an­nä­hernd gleich­alt­ri­gen Le­bens­part­ner. Ih­re gro­ße Lie­be Tim Rob­bins (12 Jah­re jün­ger) hat die feu­ri­ge La­dy weg­ge­schickt. Sü­ßer Grund für das „Groß­rei­ne­ma­chen“im Schlaf­zim­mer ist der smar­te Un­ter­neh­mer Jo­na­than Brick­lin, 37. Die zwei sind jetzt fünf Jah­re ein Paar, und sie schwärmt: „Wenn man ver­liebt ist, sind Al­ter, Ge­schlecht oder Haut­far­be völ­lig un­wich­tig …“

Und die­sen Ge­dan­ken kann man noch wei­ter­dre­hen. War­um soll­te sich ei­ne Frau in den schöns­ten Jah­ren, reich an Le­bens­er­fah­rung und mit bei­den Bei­nen si­cher im Le­ben, un­ter po­ten­zi­el­len Part­nern nur nach Gleich­alt­ri­gen um­se­hen? Das ma­chen Män­ner ja auch nicht. Müs­sen sie auch nicht, denn das Phä­no­men, dass Frau­en in den 20er- oder 30er-Le­bens­jah­ren eher ei­nen Ver­sor­ger, al­so nicht sel­ten ei­nen deut­lich rei­fe­ren Le­bens­part­ner su­chen, der ih­nen Si­cher­heit ver­mit­telt, spielt Män­nern in der Le­bens­mit­te wie im Le­bens­herbst in die Hand.

Die um­ge­kehr­te Kon­stel­la­ti­on – die Frau ist der äl­te­re Part­ner – er­scheint uns un­ge­wöhn­lich, weil sie in uns nicht „ge­ne­tisch pro­gram­miert“ist. In der Evo­lu­ti­on gibt es kein Ich-ste­hauf-äl­te­re-Frau­en-Gen bei Män­nern. Bio­lo­gisch leicht er­klär­bar, weil die­ses Gen die Fort­pflan­zung ver­sa­gen wür­de. Das wis­sen wir in­stink­tiv und ver­tre­ten un­be­wusst vor­schnell die Mei­nung, dass sich Paa­run­gen zwi­schen jün­ge­rem Mann und rei­fer La­dy nicht ge­hö­ren, weil das eben ir­gend­wie nicht passt.

Neu in un­se­rer Ge­sell­schaft ist al­ler­dings, dass Frau­en heu­te na­he­zu gleich­be­rech­tigt durchs Be­rufs­le­ben ge­hen und im Mann viel mehr den Ge­fähr­ten als den Er­näh­rer su­chen. Schön an­schau­lich zu se­hen an der Lie­be der in­tel­lek­tu­el­len TV-Iko­ne El­ke Hei­den­reich, 73, die im Kom­po­nis­ten Mar­cAu­rel Flo­ros, 45, ei­nen spi­ri­tu­el­len Le­bens­men­schen auf Au­gen­hö­he ge­fun­den hat und schwärmt: „Wir ha­ben die­sel­ben In­ter­es­sen!“ Genau dar­um geht es: Äl­te­re Frau­en sind heu­te au­gen­schein­lich an­spruchs­vol­ler, wis­sen, was sie wol­len – und sind zu­neh­mend we­ni­ger be­reit, in ei­ner ge­al­ter­ten Lang­zeit­be­zie­hung zu ver­har­ren. Der Wunsch, sich noch ein­mal neu zu er­fin­den, bis­her stumm ge­heg­te Träu­me zu ver­wirk­li­chen und sich da­zu den pas­sen­den Part­ner zu su­chen, er­langt hö­he­re Prio­ri­tät. Die lo­gi­sche Kon­se­quenz dar­aus ist die er­fri­schen­de Kom­bi­na­ti­on aus ju­gend­li­chem Esprit des Man­nes und der ihn be­rei­chern­den Le­bens­er­fah­rung ei­ner rei­fen Frau. Und wie Dun­ja Ra­j­ter singt: „Was ist schon da­bei?“•

totAl im GlücK sind Na­stass­ja Kin­ski und Ilia Rus­so. Er über sie: „Pu­re Schön­heit – in­ner­lich und äu­ßer­lich …“ Was sagt uns deR schmach­ten­de Blick? Mein Ba­by ge­höRt zu miR!

Pri­cKelNd glück­lich und total ver­schmust: Die­ses Paar ist herr­lich won­nig ver­liebt …

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