Was be­deu­ten uns Som­mer­aben­de?

Wir liiie­ben sie! Drau­ßen sein, in seich­ter Luft ba­den, fei­ern, Ster­ne gu­cken. Und für St­un­den den Zau­ber von Frei­heit und Leich­tig­keit ge­nie­ßen

Meins - - Mein Le­ben -

Abends am MeeR zu sit­zen ist füR mich peR fek­tes Glück

Som­mer­näch­te sind na­tür­lich am schöns­ten im Ur­laub am Meer. Ich lie­be Ta­ver­nen am Strand, am bes­ten mit­ten im Sand. Nachts da­zu­sit­zen, die Lich­ter in der Bucht glit­zern, das Was­ser plät­schert vor sich hin – das ist für mich das per­fek­te Glück. Schon als Kind ha­be ich war­me Som­mer­näch­te ge­liebt. Wir sind in ei­nem Ku­r­ort auf­ge­wach­sen, im Som­mer ha­ben mei­ne El­tern Zim­mer ver­mie­tet. Wir Kin­der sind ins Sou­ter­rain ge­zo­gen. Ein Rie­sen­spaß. Vor al­lem des­halb, weil wir heim­lich aus dem Fens­ter stei­gen konn­ten. Wer will schon um acht oder neun Uhr im Bett lie­gen, wenn es drau­ßen tag­hell ist? Wir ha­ben uns dann mit den Nach­bars­kin­dern hin­ter dem ho­hen Zaun auf der Kop­pel ge­trof­fen oder sind zum Strand. Was uns so ge­reizt hat an die­sen nächt­li­chen Aus­flü­gen wa­ren na­tür­lich das Aben­teu­er und der Ner­ven­kit­zel, bloß nicht er­wischt zu wer­den. Spä­ter ka­men dann die schwer ro­man­ti­schen Spa­zier­gän­ge – Händ­chen­hal­ten am Strand, nachts ba­den und über das Le­ben phi­lo­so­phie­ren, von dem wir ja noch kei­ne Ah­nung hat­ten … All die­se wun­der­ba­ren Er­in­ne­run­gen schwin­gen in je­der lau­en Som­mer­nacht mit. Im Som­mer sind wir abends viel auf Ach­se – Open-Air-Kon­zer­te, Ki­no im Park, bei Freun­den im Gar­ten – lei­der muss ich mei­nen Mann im­mer erst da­zu über­re­den. Der ist et­was be­quem ge­wor­den. Aber wenn wir erst mal un­ter­wegs sind, dreht er auf. Was ich lie­be: wenn es nachts reg­net. War­mer Re­gen auf der Haut, die Stra­ßen damp­fen, al­les duf­tet in­ten­siv, und mit dem Staub spült der Re­gen auch die Sor­gen weg. Wenn ich dann auf dem Heim­weg bin, fal­len mir merk­wür­di­ger­wei­se im­mer ur­al­te Songs ein: „Rain­drops Keep Fal­lin’ on My He­ad“oder auch „Sin­ging In The Rain“. Und vor mei­nem geis­ti­gen Au­ge se­he ich Ge­ne Kel­ly und Deb­bie Reynolds tan­zen … Christiane, 53

Ma­gi­sche Mo­men­te, den­ke, in de­nen ich al­les ist mög­lich

Das Schöns­te am Som­mer ist für mich, dass ich viel drau­ßen sein kann. Und eben auch nachts. Ich ar­bei­te im Schicht­dienst und bin des­halb oft erst spät­abends zu Hau­se. Wenn es dann noch ei­ne Wei­le hell ist oder ge­ra­de erst dun­kel wird, wenn ich die Tür auf­schlie­ße, ha­be ich das Ge­fühl, ich ha­be noch was vom Tag. Am Wo­che­n­en­de la­de ich gern Freun­de zum Gril­len ein, mor­gens früh­stü­cke ich auf mei­ner Ter­ras­se, wenn es nicht ge­ra­de reg­net.

Mein Traum ist, ir­gend­wann im Sü­den zu le­ben, wo man im­mer drau­ßen sein kann. Das gibt mir so ein Ge­fühl von Frei­heit. Heißt ja nicht um­sonst: im Frei­en sein. In mei­ner Woh­nung füh­le ich mich manch­mal ein­ge­sperrt, ob­wohl sie durch­aus groß­zü­gig ist. Des­halb fin­de ich Win­ter­aben­de auch nicht un­be­dingt ku­sche­lig, ich kom­me mir eher ein­ge­engt vor, vor al­lem, wenn ich al­lein bin. Im Som­mer sit­ze ich abends auch gern al­lein auf mei­ner Ter­ras­se, um­ge­ben vom Duft der Ro­sen und des La­ven­dels, trin­ke ei­nen Wein und lau­sche in die Nacht. Manch­mal sit­ze ich im Dun­keln, manch­mal stel­le ich aber auch vie­le Ker­zen und La­ter­nen auf. Ge­le­gent­lich kommt mei­ne Nach­ba­rin und Freun­din vor­bei, und in die­sen St­un­den ha­ben wir die bes­ten Ge­sprä­che. Wenn der Tag von ei­nem ab­fällt, wird plötz­lich vie­les kla­rer. Und die Fan­ta­sie lebt auf. Manch­mal sit­zen wir aber auch schwei­gend ne­ben­ein­an­der, las­sen uns von der nacht um­ar­men. Das sind so ma­gi­sche Mo­men­te, die ich gar nicht be­schrei­ben kann. ich lie­be die war­men Som­mer­näch­te, und ich hof­fe je­den Mor­gen, dass es nicht ab­kühlt. In die­sem Jahr wer­de ich sie be­son­ders ge­nie­ßen, denn mei­ne Toch­ter wohnt zwei Mo­na­te wie­der zu Hau­se – auf Durch­gangs­sta­ti­on so­zu­sa­gen. Das wer­den wir aus­gie­big fei­ern. Mit un­se­ren Freun­den, vor al­lem ih­ren al­ten Freun­den aus der Schul- und Stu­di­en­zeit, mit de­nen sie noch en­gen Kontakt hat. Und ich freue mich rie­sig, mal wie­der von jun­gen Leu­ten um­ge­ben zu ein. Wenn die her­um­spin­nen, Plä­ne schmie­den und dis­ku­tie­ren – das ist so in­spi­rie­rend. Dann scheint auch mir fast al­les mach­bar. Anet­te, 62

Som­meR­näch­te sind klei­ne Fes­te füR mich

Ei­nen Teil mei­ner Kind­heit ha­be ich in Schwe­den ver­bracht, wo wir die­se hel­len Som­mer­näch­te hat­ten, in de­nen man glaubt, die Son­ne wird nie mehr un­ter­ge­hen. Am schöns­ten war im­mer der

Mid­som­mar. und selbst als Kin­der ha­ben wir in die­sen hel­len näch­ten so ei­ne be­son­de­re leich­tig­keit

ge­spürt. Für uns, die wir aus Deutsch­land ka­men – ich war neun, als wir nach Schwe­den zo­gen – war das total fas­zi­nie­rend und der ge­rech­te Aus­gleich zu den kal­ten, dunk­len Win­tern, die noch schlim­mer wa­ren als bei uns. Bis heu­te mag ich Win­ter nicht und flie­he mit mei­nem Mann – als Rent­ner ha­ben wir ja Zeit – in den Sü­den. Be­son­ders ge­nos­sen ha­be ich da­mals die Mitt­som­mer­fes­te – im Spit­zen­kleid­chen mit Blu­men­kranz im Haar zu tan­zen, das war so mär­chen­haft ro­man­tisch. Wie im Bil­der­buch! Wie mir über­haupt die­se Jah­re in Schwe­den vor­kom­men, als sei ich ei­ne Hel­din in ei­nem As­tri­dLind­gren-Kin­der­buch ge­we­sen. Da ist na­tür­lich auch viel Ver­klä­rung da­bei. Heu­te ist Mitt­som­mer in Skan­di­na­vi­en ja ei­ne be­lieb­te Tou­ris­ten­zeit, frü­her war das nicht so. Da ka­men die Städ­ter aufs Land, die Fa­mi­li­en tra­fen sich und fei­er­ten, als gäb’s kein Mor­gen. Wir sind dann nach acht Jah­ren nach Deutsch­land zu­rück. Für mich der

Welt­un­ter­gang, ich hat­te mich ge­ra­de total ver­liebt – im letz­ten Mitt­som­mer, den wir in Schwe­den hat­ten. En­de Au­gust sind wir ab­ge­reist. Und dann ging’s auch noch nach München, das kam mir end­los weit weg von

Schwe­den vor. Ich durf­te die nächs­ten Fe­ri­en bei Freun­den mei­ner El­tern in Gö­te­borg ver­brin­gen, aber die lie­be ist bald im San­de ver­lau­fen – mein lie­bes­kum­mer auch. Seit­dem ha­be ich im­mer mal Som­mer­fe­ri­en in Schwe­den ge­macht, vor al­lem mit mei­nen Kin­dern. Ich fand es prak­tisch, ein Fe­ri­en­haus zu mie­ten, wo wir uns frei be­we­gen konn­ten, oh­ne Rück­sicht neh­men zu müs­sen. Aber ich ha­be auch schnell die ma­le­ri­schen Ecken Mün­chens und Um­ge­bung und den Charme baye­ri­scher Bier­gär­ten lie­ben ge­lernt. ich feie­re gern die Fes­te, wie sie fal­len, und ha­be ei­nen tol­len

Mann, der al­les mit­macht. In den 70ern wild­ro­man­ti­sche Näch­te an der Isar, heu­te ge­müt­li­che Aben­de am liebs­ten ir­gend­wo am See. Ich sit­ze lie­ber im Bier­gar­ten als auf mei­ner Ter­ras­se. Ich mag die­se lau­schi­ge At­mo­sphä­re, das Stim­men­ge­wirr, das La­chen, die Be­we­gung um mich rum. Dann füh­le ich mich le­ben­dig, und so ei­ne Som­mer­nacht ist wie ein klei­nes Fest. Ame­lie, 72

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