Haupt­sa­che, es hat ei­nen Ste­cker!

Was ist da ei­gent­lich los bei den Män­nern? Ko­lum­nis­tin Car­la Be­cker wun­dert sich, wie viel tech­ni­schen Krims­krams ein ein­zel­ner Mann so an­schlep­pen kann

Meins - - Mein Leben -

Mein Mann will ab­neh­men. Jetzt könn­te man ver­mu­ten, er wür­de abends auf sein zwei­tes Bier ver­zich­ten oder ei­nen Bo­gen um un­se­re Sü­ßig­kei­ten-Schub­la­de ma­chen. Tut er aber nicht. Statt­des­sen fährt er in den nächst­bes­ten Elek­tro­markt und kauft für 250 Eu­ro ei­ne Per­so­nen­waa­ge. 250 Eu­ro? „Ja, Schatz, aber es ist ja auch nicht ir­gend­ei­ne Waa­ge.“Ich er­fah­re, dass das Glas­ding nicht bloß den Kör­per­fett­an­teil an­gibt (ei­ne In­for­ma­ti­on, auf die ich in et­wa so viel Wert le­ge wie auf ei­ne an­ste­cken­de Haut­krank­heit), es zeich­net auch den CO2-Ge­halt in un­se­rem Schlaf­zim­mer auf, misst den Herz­schlag und sagt ei­nem, wie das Wet­ter wird. Au­ßer­dem schickt es die­se Da­ten aufs Han­dy, so­dass man so­gar von Tim­buk­tu aus gu­cken kann, ob zu Hau­se mal wie­der ge­lüf­tet wer­den muss. Wahn­sinn, oder?

Fast so toll wie der Pro­fi-Tur­boHäcks­ler, den mein Mann sich im letz­ten Herbst ge­kauft hat. Der schafft Äs­te bis zu ei­ner Stär­ke von 7 cm! Bei 7,01 cm ver­klemmt er lei­der und muss kom­plett aus­ein­an­der­ge­baut wer­den, was oh­ne Spe­zi­al­werk­zeug aber nicht mög­lich ist, wie der Tech­ni­ker er­klär­te, der kom­men muss­te. Der Hö­he der An­fahrts­kos­ten nach zu ur­tei­len kam er ir­gend­wo aus der Ge­gend um Spitz­ber­gen her­um. Au­ßer­dem ist der Häcks­ler so laut, als wür­de man drei Me­ter ne­ben ei­ner star­ten­den Ra­ke­te ste­hen, aber ir­gend­was ist ja im­mer. Die­sen Satz hör­te ich ges­tern von mei­nem Mann, als un­ser Ra­sen­mä­herRo­bo­ter die Neu­an­pflan­zun­gen der Nach­barn weg­ra­siert hat­te. War wohl aus­ge­büxt, der klei­ne Sch­lin­gel. Nach­dem ich mich meh­re­re Jah­re lang er­folg­reich ge­gen ei­nen Staub­sau­gerRo­bo­ter ge­wehrt hat­te, konn­te mein Mann sich we­nigs­tens im Gar­ten durch­set­zen und be­han­delt das Ge­rät seit­dem wie ei­nen Wel­pen, der noch viel ler­nen muss. Ge­nau wie ich. Ob­wohl wir schon so lan­ge ver­hei­ra­tet sind, re­ge ich mich im­mer wie­der über den tech­ni­schen Krims­krams auf, den mein Mann re­gel­mä­ßig nach Hau­se schleppt. Da­bei müss­te ich doch längst be­grif­fen ha­ben, dass er nicht an­ders kann.

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin Car­la Be­cker, 54, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39 es ist sein ge­ne­ti­scher Co­de, der männ­li­che In­stinkt, der ihn wie ma­gne­tisch in Elek­tro­ab­tei­lun­gen, Bau­märk­te und Com­pu­ter­lä­den zieht. Ich ken­ne die­ses Phä­no­men bei mir auch, al­ler­dings han­delt es sich in mei­nem Fall um Hand­ta­schen, hoch­prei­si­ge Lip­pen­stif­te und bel­gi­sche Pra­li­nen. Als ich neu­lich wel­che mit nach Hau­se brach­te, aß mein Mann geis­tes­ab­we­send die Hälf­te da­von, wäh­rend er die Ge­brauchs­an­lei­tung ir­gend­ei­nes Ge­räts stu­dier­te. Ich glau­be, es war ein Mi­ni-Com­pu­ter, der misst, wie vie­le Ka­lo­ri­en man pro Tag ver­braucht … •

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