Mein Schmerz hat mir auch neue Le­bens­kraft ge­ge­ben

Die eins­ti­ge RTL-Star-Mo­de­ra­to­rin Bär­bel Schä­fer, 52, über ih­re Trau­er, ih­re Wut – und das „Wei­ter­le­ben“

Meins - - Mein Star - VON UWE KIL­LING

Bär­bel Schä­fer steigt vom Rad und sagt lä­chelnd zur Frau hin­term Tre­sen: „Wie im­mer, bit­te …“Die Au­to­rin und pro­mi­nen­te Nach­ba­rin kommt oft mor­gens im Ca­fé „Bren­man’s“vor­bei, um ih­ren Lieb­lings­tee mit fri­scher Min­ze und Ing­wer zu trin­ken. Sie wohnt ei­ni­ge Hun­dert Me­ter weit ent­fernt, in ei­nem Alt­bau im Frank­fur­ter Wes­tend, und hat zu­vor mit ih­ren Söh­nen Sa­mu­el, 11, und Os­car, 7, so­wie ih­rem Mann Mi­chel Fried­man ge­früh­stückt. Die 52-Jäh­ri­ge ge­hör­te mit ih­rer Talk-Sen­dung „Bär­bel Schä­fer“(1995–2002) zu den er­folg­reichs­ten deut­schen Fern­seh­frau­en – auf­fäl­lig, un­er­schro­cken, ehr­gei­zig. In­zwi­schen hat sich die spä­te Mut­ter vom Bild­schirm ver­ab­schie­det. Sie ar­bei­tet als Hör­funk- und Buch­au­to­rin („Schaum­küs­se“) und küm­mert sich um ih­re Fa­mi­lie. Mit dem Un­fall­tod ih­res Bru­ders Mar­tin im Ok­to­ber 2013 wur­de Schä­fer zum zwei­ten Mal von ei­nem schwe­ren Schick­sals­schlag ge­trof­fen. Mit MEINS sprach sie über die Ver­ar­bei­tung in ih­rem ak­tu­el­len Buch – und über ihr ver­än­der­tes Le­ben. MEINS: Frau Schä­fer, Sie ge­hen mit dem Tod Ih­res Bru­ders an die Öf­fent­lich­keit. War­um? Bär­bel Schä­fer: Mein Trau­ern war ein län­ge­rer Pro­zess. Dar­über zu

schrei­ben war kei­nes­wegs ei­ner mei­ner ers­ten Im­pul­se. Der Schmerz war zu groß, ich muss­te erst ein­mal funk­tio­nie­ren: die Be­er­di­gung or­ga­ni­sie­ren, mei­nen El­tern bei­ste­hen. Es gab so vie­les zu tun. MEINS: Und was war, als die­se Ablen­kung nach­ließ? Bär­bel Schä­fer: Ich ha­be viel ge­weint und mei­ne Trau­er auch her­aus­ge­schrien. Doch dann gab es die­ses star­ke Be­dürf­nis nach Stil­le, so­dass ich mich in ein „Haus des Schwei­gens“zu­rück­ge­zo­gen ha­be. Dort ha­be ich los­las­sen kön­nen. Und in mich hin­ein­ge­hört: Wel­che Stär­ken kann ich wie­der in mir mo­bi­li­sie­ren? Ich spür­te zugleich, dass ich auf ei­nem gu­ten fa­mi­liä­ren Fun­da­ment groß ge­wor­den bin. MEINS: Sie schrei­ben auch über den Ver­lust Ih­res Va­ters vor Kur­zem … Bär­bel Schä­fer: Ja, als ich mei­nem Va­ter die Nach­richt vom Tod sei­nes Soh­nes über­brach­te, war er be­reits schwer herz­krank. Ich wuss­te, dass er nicht mehr all­zu lan­ge zu le­ben hat. So trau­rig das war, so hat­te ich doch die Ge­le­gen­heit, mich dies­mal von ei­nem ge­lieb­ten Men­schen ganz be­wusst ver­ab­schie­den zu kön­nen. MEINS: Was hat das be­deu­tet? Bär­bel Schä­fer: Wir ha­ben in­ten­si­ve Ge­sprä­che ge­führt. Aber oft ha­ben wir auch nur zu­sam­men­ge­ses­sen. Ich ha­be ihn ein­ge­cremt oder ihm vor­ge­le­sen. All­täg­li­che, ganz stil­le Mo­men­te. MEINS: Was hat­ten Sie für ei­ne Be­zie­hung zu Ih­rem ein­zi­gen Bru­der? Bär­bel Schä­fer: Ich war die gro­ße, drei Jah­re äl­te­re Schwes­ter, die sich so­gar für ihn ge­prü­gelt hat. Die Schei­dung der El­tern schweiß­te uns noch stär­ker zu­sam­men. Wir wa­ren die bes­ten Freun­de. Er zog so­gar bei mir in Köln ein und wur­de Teil­ha­ber mei­ner TV-Fir­ma. MEINS: Im Jahr 1998 ge­rie­ten Sie in die Schlag­zei­len, nach­dem Ihr Freund, der Fo­to­graf Kay De­gen­hardt, töd­lich ver­un­glückt war. Bär­bel Schä­fer: Nach dem Tod von Kay mei­nen Bru­der bei mir zu wis­sen, hat mir sehr ge­hol­fen. Da be­währ­te sich un­se­re Be­zie­hung, in der auch die Fet­zen flie­gen konn­ten. Und selbst in mei­ne Trau­er misch­te sich Wut. Und zwar dar­über, dass er mit sei­nem Au­to so ris­kant ra­sen muss­te. Aber wir konn­ten uns stets ver­zei­hen und ab­so­lut auf­ein­an­der ver­las­sen. Mit Mar­tins Tod ist auch ein Teil von mir ge­stor­ben. MEINS: Ist Ih­nen das Schrei­ben schwer­ge­fal­len? Bär­bel Schä­fer: Es ist der per­sön­lichs­te Text, den ich je ver­fasst ha­be. Die Stil­le des Schrei­bens ist mein Zu­gang zu mei­nen Ge­füh­len – und des­halb er­leich­ternd. MEINS: Ihr Buch trägt den Ti­tel „Ist da oben je­mand?“. Ha­ben Sie ei­ne Ant­wort ge­fun­den? Bär­bel Schä­fer: Ich stel­le we­der mein Glück noch mein Un­glück in Be­zie­hung zu Gott. Aber ich woll­te mich der Fra­ge stel­len, war­um so vie­le Men­schen in der Re­li­gi­on ei­ne Kraft­quel­le fin­den. Ich tra­ge ei­ne Art Sehn­suchts­schmerz in mir, und die­se Su­che ist kei­nes­wegs ab­ge­schlos­sen. MEINS: Nach der Hoch­zeit mit Mi­chel Fried­man kon­ver­tier­ten Sie zum Ju­den­tum. Ein Lie­bes­be­weis? Bär­bel Schä­fer: Auch. Aber vor al­lem war es mei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung. Ich mag die ethi­sche Hal­tung des Ju­den­tums, oh­ne

Von mei­nem Va­ter konn­te ich mich zu­min­dest be­wusst ver­ab­schie­den

UMS EcK Bär­bel Schä­fer mit MEINS-Re­dak­teur Uwe Kil­ling in ih­rem Lieb­lings­ca­fé

BÜ­cHEr

um­ge­ben heu­te die Ex-RTL-Frau

FrANKFUrT

Neue Hei­mat für die ge­bür­ti­ge Bre­me­rin

DEr BrU­DEr

Mar­tin Schä­fer: Tod mit 46. „Wir wa­ren bes­te Freun­de.“

DEr LE­BENS­gE­FäHr­TE

Fo­to­graf Kay De­gen­hardt starb 1998 bei ei­nem Un­fall

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