Pfle­ge

So blei­ben un­se­re Lie­ben in Be­we­gung

Meins - - Inhalt - VON ALEX EMUNDS

Wer ras­tet, der ros­tet, soll der rö­mi­sche Schrift­stel­ler Ci­ce­ro ge­sagt ha­ben. Wie wahr! Schau­en wir uns un­se­re Lie­ben an. Brau­chen sie Pfle­ge, lei­den sie oft ganz schnell an Be­we­gungs­man­gel, kom­men nur noch sel­ten raus und schaf­fen ir­gend­wann im­mer we­ni­ger. Da­ge­gen kön­nen wir was tun. Was, sagt uns Jörg Zum­win­kel, Sport- und Phy­sio­the­ra­peut an der Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­kli­nik in Bad Dri­burg.

MEinS: War­um ist Be­we­gung für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge so wich­tig?

Jörg Zum­win­kel: Bei Men­schen, die Pfle­ge brau­chen, geht es nicht dar­um, sport­li­che Höchst­leis­tun­gen aus ih­nen her­aus­zu­ho­len. Sie sol­len so lan­ge wie mög­lich selbst­stän­dig blei­ben. Die Ak­ti­vi­tä­ten des täg­li­chen Le­bens (Fach­be­griff: ADL, ac­tivi­ties of dai­ly li­ving) sol­len trai­niert wer­den – al­so al­les, was zur Selbst­stän­dig­keit ge­hört, wie es­sen, wa­schen, Toi­let­ten­gän­ge.

MEinS: Wel­che Übun­gen emp­feh­len sich bei wel­chen Ein­schrän­kun­gen?

Jörg Zum­win­kel: Die Be­we­gung hat nur Sinn, wenn sie auf das De­fi­zit ab­ge­stimmt ist. Al­les ist sinn­voll, wenn es sich an na­tür­li­chen Be­we­gungs­ab­läu­fen ori­en­tiert. Nach ei­nem län­ge­ren Kran­ken­haus­auf­ent­halt z. B. sind un­se­re Lie­ben nicht sel­ten sehr ge­schwächt. Sinn­voll: ein funk­tio­na­les Trai­ning, das sich an ADL ori­en­tiert und mit Kraft-, Aus­dau­er- und Be­weg­lich­keits­trai­ning er­wei­tert wird. So­fern un­se­re Lie­ben noch et­was fit­ter sind, ist von Rad­fah­ren über Nor­dic Wal­king bis hin zum Tan­zen al­les ge­eig­net. Das

stellt kei­ne Über­for­de­rung dar oder be­rei­tet Schmer­zen. Lei­det je­mand z. B. an Gleich­ge­wichts­stö­run­gen und be­steht die Ge­fahr, dass er stürzt, ist ein Ko­or­di­na­ti­ons­trai­ning ide­al. Das Prin­zip: das Zu­sam­men­spiel von Ner­ven und Mus­ku­la­tur ver­bes­sern. Es sol­len Be­we­gun­gen ge­übt wer­den, die der Kör­per ver­lernt hat. Zum Bei­spiel wird das Re­ak­ti­ons­ver­mö­gen durch das Fan­gen von Bäl­len trai­niert. Das Gleichgewicht lässt sich u. a. ver­bes­sern, in­dem un­se­re Lie­ben den Ein­bein­stand üben. Liegt ei­ne Her­zK­reis­lauf-Schwä­che vor, trai­nie­ren wir die Aus­dau­er durch Spa­zier­gän­ge.

MEINS: Wie kön­nen wir un­se­re Lie­ben zu Be­we­gung mo­ti­vie­ren?

Jörg Zum­win­kel: Oft er­rei­chen wir Zie­le nicht, weil sie ent­we­der zu hoch ge­steckt sind oder die Her­an­ge­hens­wei­se nicht stimmt. Klei­ne, rea­lis­ti­sche Schrit­te ma­chen mehr Sinn, als di­rekt die Mam­mut­auf­ga­be vor Au­gen zu se­hen. Es­sen­zi­ell ist, dass un­se­re Lie­ben den Sinn in der Be­we­gung se­hen, al­so nicht, DASS sie gut lau­fen und grei­fen kön­nen, son­dern WAR­UM sie das ma­chen sol­len. Sonst frus­triert es. Tipp: Vie­les hängt auch von uns ab. Las­sen wir un­se­re Lie­ben spü­ren, dass sie kei­ne Last sind und dass wir uns freu­en, Zeit mit ih­nen zu ver­brin­gen.

MEINS: Wie kön­nen wir uns selbst auf die Pfle­ge­si­tua­ti­on vor­be­rei­ten?

Jörg Zum­win­kel: Meis­tens kommt die Pfle­ge­si­tua­ti­on für uns un­ver­hofft. Da kön­nen wir nur mit der Krank­heit ler­nen. Prak­tisch sind auch Selbst­hil­fe­grup­pen für pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge, in de­nen wir uns von an­de­ren Tipps ho­len. Vie­le Re­ha­kli­ni­ken ha­ben Selbst­hil­fe­be­auf­trag­te. Sie ver­mit­teln uns Kon­tak­te. •

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