Jo­gi hat schon ge­won­nen

BEI DER EM MIT­FIE­BERN? NA KLAR! VIER WO­CHEN LANG: JO­GI-FEST­SPIE­LE. WAR­UM WIR EIN­FACH DEN SMARTESTEN TRAI­NER DER WELT HA­BEN

Meins - - Mein Leben - VON LUI­SA JACOBY

Die Fri­sur sitzt. Der wuch­ti­ge Po­ny aus vol­lem schwar­zem Haar legt sich schön gleich­mä­ßig über die brau­nen, fun­keln­den Au­gen. Ent­spann­ter Sie­ger­typ, in dem der gro­ße Jun­ge wei­ter­hin ver­schmitzt lä­chelt. Ja­wohl! Die ver­trau­te Jo­gi-Löw-Au­ra. Sie wird uns nun hof­fent­lich bis ins Fi­na­le der Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft am 10. Ju­li in Paris tra­gen. Denn sei­en wir ehr­lich: Falls Deutsch­land schon früh aus dem Tur­nier flie­gen soll­te, wür­den nicht nur schluch­zen­de Män­ner auf har­ten Bier­bän­ken als Häuf­chen Grill­par­ty-Elend in sich zu­sam­men­sin­ken. Schlim­mer: Wir be­kä­men ver­stärkt grim­mi­ge, al­te Eu­len­ge­sich­ter oder Ty­pen in durch­ge­schwitz­ten, schlecht sit­zen­den An­zü­gen via Groß­auf­nah­me aufs Au­ge ge­drückt. So se­hen näm­lich die Trai­ner der meis­ten an­de­ren Teams aus. Nein …

nur mit un­se­rem Jo­gi wird die eM auch ein Fest fürs au­ge.

Und aus den Ball­aben­den im Frei­en mit hy­per­ak­ti­ven Ehe­hälf­ten und ent­fes­sel­ten Nach­barn kann wie­der ein Som­mer­mär­chen wer­den. So wie 2014, als wir in der Nacht von Rio Welt­meis­ter wur­den. Weil wir ei­nen Team­füh­rer hat­ten, der sei­ne Jungs op­ti­mal mo­ti­vier­te, sei­ner Be­geis­te­rung frei­en Lauf ließ und Deutsch­land läs­si­ger und sou­ve­rä­ner als je­der Bun­des­trai­ner vor ihm re­prä­sen­tier­te. Was macht Joa­chim

„Jo­gi“Löw selbst für So-la­la-Fuß­ball-in­ter­es­sier­te nur so an­zie­hend? War­um hal­ten er­wach­se­ne Frau­en ein Schild in die Hö­he: „Jo­gi – we löw you!“?

Fakt ist: Fuß­ball ist ei­ne hoch­e­mo­tio­na­le An­ge­le­gen­heit. Und bei der EM wer­den sich un­se­re ki­cken­den, tä­to­wier­ten Jung-Mil­lio­nä­re wie­der um ih­ren Trai­ner scha­ren. Mit 56 Jah­ren und sei­ner drah­ti­gen Fi­gur kann die­ser mü­he­los mit den jun­gen Wil­den mit­hal­ten. Und da­bei strahlt Jo­gi die­se al­ters­lo­se, na­tür­li­che Au­to­ri­tät aus. Das spü­ren die Spie­ler. Und wir. Un­ver­gess­lich, als nach dem End­spiel­sieg in Rio ein völ­lig er­schöpf­ter Ka­pi­tän Bas­ti­an Schwein­stei­ger in Jo­gis star­ken Ar­men hem­mungs­los los­heul­te.

Jo­gi ist ei­ner, der weiß, was er will, und da­bei völ­lig in sich ruht.

Das merkt man so­gar als Fuß­ball-Laie. Es reicht, wenn er nur an der Sei­ten­li­nie steht und sich sein ge­konn­tes Kör­per­spiel un­ter sei­nem wei­ßen, tail­lier­ten Hemd wie bei­läu­fig ab­zeich­net. Das knis­tert an­ge­zo­gen mehr als je­der Ca­li­for­nia Dream Boy, der nackt die Hüf­ten vor un­se­ren Au­gen schwingt, oder?

„Be­liebt­heit ist kei­ne Ka­te­go­rie, die im Sport zählt“, pflegt Herr Löw zu ant­wor­ten, wenn man ihn auf sei­ne Po­pu­la­ri­tät (weit über Prä­si­dent und Kanz­le­rin) an­spricht. Das heißt, er legt es nicht dar­auf an. Er ist kei­ner, der um uns buhlt, ge­liebt wer­den will. Son­dern ein­fach ver­dammt bo­den­stän­dig ist. Je­mand, der dem Fuß­ball sei­ne Männ­lich­keit und Ro­man­tik lässt, der sich aber in der mo­der­nen Me­di­en­welt gut zu be­we­gen weiß. Ge­pflegt und mo­de­be­wusst, aber nie zu prä­ten­ti­ös. Er hat den Fuß­ball für uns se­xy ge­macht. Durch sei­ne en­gen An­zü­ge, sei­ne läs­si­ge Un­zu­gäng­lich­keit, sei­nen Style. Hat ihn für uns weg­ge­rückt aus der Adi­da­sund Schweiß­ge­ruch-Ecke. Gott, was fie­bern wir mit, wenn er wie ein Pan­ther im Kä­fig am Spiel­feld­rand sei­ne Spur zieht. Vor Auf­re­gung ganz schmal­lip­pig. Bei ei­nem Jupp Der­wall oder Ru­di Völ­ler wä­re uns das im Traum nicht ein­ge­fal­len.

Und wie schön ist es, dass ein Mann wie er kei­ne wech­seln­den lang­bei­ni­gen Star­lets an sei­ner Seite hat. Son­dern seit 30 skan­dal­frei­en Jah­ren mit sei­ner Da­nie­la, 54, ver­hei­ra­tet ist. Die er schon an der Be­rufs­schu­le ken­nen­ge­lernt hat, wo er Groß- und Au­ßen­han­del lern­te. Kin­der wa­ren ih­nen nicht ver­gönnt, da­für un­ter­stützt Löw Pa­ten­schaf­ten in Gha­na und en­ga­giert sich für Flücht­lin­ge. Sei­ne Frau und ihn sieht man oft beim Ita­lie­ner um die Ecke in Witt­nau bei Frei­burg, wo sich Jo­gi sein Leib­ge­richt Spa­ghet­ti Bo­lo schme­cken lässt. Oder er trinkt ein Bier­chen in sei­nem ehe­ma­li­gen Sport­ler­heim, das heu­te sein Bru­der führt. Pils statt Scham­pus. Das passt – und das lie­ben wir. Un­ser Jo­gi hat sich sei­ne Au­then­ti­zi­tät be­wahrt. Da­zu ge­hört auch sein Dia­lekt, der als „Lö­wisch“auch un­ter Co­me­di­ans längst Kult ist! Und wenn der Jo­gi zu sei­nem „Aaa­ab­so­lut …“an­setzt, kriegt selbst die ba­di­sche Mun­d­art ir­gend­wie Sex-Ap­peal, oder?

2014 ge­wan­nen wir bei der WM ge­gen die USA. Als Bild blieb uns vor al­lem ei­nes im Kopf: Jo­gi schritt ent­schlos­sen durch den Re­gen. Un­term nas­sen Hemd zeich­ne­ten sich sei­ne Mus­keln ab – und die Fri­sur war da­hin. So trug er not­ge­drun­gen ei­nen nach hin­ten ge­wor­fe­nen, ver­we­ge­nen Wet-Look, der in Mo­de­ma­ga­zi­nen spä­ter so­gar Ver­glei­che mit Da­vid Beck­ham her­vor­rief.

Schon kurz nach dem Spiel saß der le­gen­dä­re Jo­gi-Kopf wie­der. Aber er hat­te mit dem Auf­tritt be­wie­sen: Die von we­ni­gen grau­en Sträh­nen durch­setz­ten Haa­re sind echt und kei­nes­wegs ei­ne Pe­rü­cke (wie schon ge­mut­maßt wur­de). Und in Jo­gi steckt so­gar ein Hauch La­tin Lo­ver. Wenn er woll­te … Aber er zieht das Gen­tle­manUn­der­state­ment vor. Auch das ist sehr lö­wisch. Und sehr se­xy. •

Die­se al­ters­lo­se, na­tür­li­che Au­to­ri­tät. Sehr se­xy …

Der BUn­Des-Jo­gi ist für Frau­en ein Grund, ins Sta­di­on zu ge­hen – oder der ein­zi­ge ... Es ist Lie­be

Män­ner dür­fen wei­nen: Jo­gi Löw mit Bas­ti­an Schwein­stei­ger beim WM-Sieg 2014 Sei­ne TR up­pe

Da­nie­la ist seit 30 Jah­ren an der Seite ih­res Joa­chims Sei­ne F R au

Sein Sex-Ap­peal

Frei­zeit­look Wer es tra­gen kann: am Strand in Bra­si­li­en

Gut Ge­Macht Kanz­le­rin Mer­kel strahlt in Rio Sei­ne Fans

FRüh­weRk Ja, der Jo­gi und sei­ne Fri­sur: 1981 als Spie­ler in Frankfurt (l.) und 2004 beim Ar­beits­be­ginn im Na­tio­nal­team

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