Han­ne­lo­re Ho­ger:

Wir ken­nen Han­ne­lo­re Ho­ger, 73, als knor­ri­ge Bel­la Block. Doch sie kann auch ganz an­ders. Ganz of­fen spricht sie hier über Schön­heits­OPs, Män­ner und Sex

Meins - - Inhalt - VON MAR­KUS DIETSCH

„Ob ich mich noch mal ver­lie­ben kann? Ich bin ja mit­ten­drin“

Die­se Frau liebt Kon­tras­te: Schwar­zer Strick­man­tel, wei­ße Blu­se, oran­ge­far­be­nes Arm­band – so sitzt Han­ne­lo­re Ho­ger, 73, heu­te im alt­ehr­wür­di­gen Ham­bur­ger Ho­tel „At­lan­tic“. Und re­det auch beim MEINS-In­ter­view nicht lan­ge um den hei­ßen Brei her­um. MEINS: Die­ses Jahr läuft Ihr letz­ter Film aus der Rei­he „Bel­la Block“. Ei­nen Ab­schied vom Schau­spiel­be­ruf kön­nen Sie sich trotz­dem nicht vor­stel­len?

Han­ne­lo­re Ho­ger: So­lan­ge ich kann, ma­che ich wei­ter. Mein Be­ruf ist ja nicht nur ei­ne Be­schäf­ti­gung, son­dern auch ei­ne Lie­be zur Sa­che. Und die­se Lie­be kann ich nicht ein­fach ver­ges­sen. War­um auch? Es geht ja nicht al­len so gut wie mir. In un­se­rem Be­ruf gibt es auch vie­le Schwie­rig­kei­ten … MEINS: … die auch oft mit dem Äl­ter­wer­den zu­sam­men­hän­gen.

Han­ne­lo­re Ho­ger: Für Frau­en ist es im­mer schwie­ri­ger. In al­len Be­ru­fen. Und was die Schön­heit an­be­langt, das ist ja bei den Män­nern mehr oder we­ni­ger egal. Die kön­nen ja aus­se­hen, wie sie wol­len. Zu­min­dest ist es nicht so wich­tig wie bei uns Frau­en. Ge­ra­de in un­se­rem Be­ruf ist es für Frau­en ab 45 schwie­rig. Die wer­den nicht mehr be­setzt. Und wenn, dann müs­sen sie sich vom Arzt mit Bo­tox glatt ma­chen las­sen. Das sieht man ja an den gan­zen Hol­ly­wood-Stars. Die­ses Schön­heits­ide­al fin­de ich ganz furcht­bar. Und was sol­len die­se auf­ge­spritz­ten Lip­pen? Ich fin­de das schreck­lich. Ich mei­ne, dass man mal ein biss­chen nach­hilft, ist ja nor­mal. Das ma­chen Män­ner ge­nau­so. MEINS: Ha­ben Sie je­mals nach­ge­hol­fen oder dr­über nach­ge­dacht? Han­ne­lo­re Ho­ger: Nach­ge­dacht ha­be ich dar­über – und ich ha­be es auch ge­tan. Mei­ne Schlupfli­der muss­te ich ma­chen las­sen. Da­zu hat mir mein Au­gen­arzt ge­ra­ten. Und da­für muss ich mich auch nicht recht­fer­ti­gen. Aber jun­ge Frau­en, die sich mit Bo­tox voll­pum­pen, se­hen doch nicht schön aus. MEINS: Was ma­chen Sie denn, wenn Sie nicht vor der Ka­me­ra ste­hen? Was sind Ih­re Hob­bys? Han­ne­lo­re Ho­ger: Vor al­lem bin ich gern un­ter Men­schen. Zum Bei­spiel mit mei­nen Freun­den. Ich ma­le gern und rei­se viel. Ich ge­he oft ins Thea­ter und ins Ki­no. Ich ge­he gern spa­zie­ren. Dann lese ich na­tür­lich un­un­ter­bro­chen. Lan­ge­wei­le ha­be ich nie.

MEINS: Neh­men Sie sich be­wusst Zeit für sich? Han­ne­lo­re Ho­ger: Bis­her hat­te ich kei­ne Zeit da­zu. Aber ich mer­ke, dass ich das ma­chen muss. Mein Arzt hat mich ge­fragt, ob ich das Wort Ur­laub ken­ne (lacht). Da war ich echt ver­blüfft. Wir sind doch al­le bleich­süch­tig, ha­ben nicht ge­nü­gend Vit­amin D. Des­we­gen soll ich täg­lich min­des­tens ei­ne hal­be St­un­de spa­zie­ren ge­hen, auch wenn die Son­ne nicht scheint. Ich fah­re in Ham­burg oft an die El­be. Die Ge­gend dort ist so schön. So bin ich ja groß ge­wor­den, auf dem Land, wo mei­ne Mut­ter her­kommt. Von der Nie­der­el­be. Ich mag das zu gern. Und dann all die Vö­gel. Ich lie­be Vö­gel. Das ist ein­fach schön. MEINS: Was be­deu­tet Ih­nen Hei­mat? Han­ne­lo­re Ho­ger: Wenn ich über die Elb­brü­cken fah­re und dann die Krä­ne se­he, dann fin­de ich das schon schön. Hei­mat be­deu­tet für mich mei­ne Mut­ter, mei­ne El­tern. Mei­ne Fa­mi­lie. Hei­mat ist aber auch ver­bun­den mit ver­schie­de­nen

Was sol­len die­se auf­ge­spritz­ten Lip­pen? Ich fin­de das furcht­bar!

Es geht nie nur um Sex. Es gibt ja noch vie­le an­de­re Din­ge, die da­zu­kom­men

Ge­rü­chen, mit Ge­füh­len. Es ist ein sehr ge­fühls­be­setz­tes Wort. MEINS: War das schon im­mer so?

Han­ne­lo­re Ho­ger: Als Kind ha­be ich im­mer furcht­bar un­ter Heim­weh ge­lit­ten. Ich wur­de zwangs­ver­schickt. Denn als Nach­kriegs­kin­der muss­ten wir nicht nur Le­ber­tran mit zu­ge­hal­te­ner Na­se schlu­cken, wir wur­den nach Kel­len­hu­sen an die Ost­see ver­schickt – und da hat­te ich furcht­ba­res Heim­weh. Das hing na­tür­lich da­mit zu­sam­men, dass ich gern zu Hau­se war und an mei­ner Mut­ter hing. Ich ha­be mit 14 Jah­ren noch bei mei­ner Mut­ter auf dem Schoß ge­ses­sen. Des­we­gen mag ich Ham­burg na­tür­lich auch, da bin ich auf­ge­wach­sen. Ich freue mich im­mer, wenn ich in mei­ne Woh­nung zu­rück­kom­me, denn da füh­le ich mich auf­ge­ho­ben. MEINS: Sie wir­ken so ru­hig. Macht das Al­ter wirk­lich ge­las­se­ner? Han­ne­lo­re Ho­ger: Ich mer­ke gar nicht, dass ich äl­ter wer­de. Bis auf hier und da ein paar Pro­ble­me mit mei­nen Kno­chen. MEINS: oder wa­ren Sie im­mer schon ge­las­sen? Han­ne­lo­re Ho­ger: Das weiß ich nicht. Ich glau­be auch nicht, dass ich ge­las­sen bin. Ich kann mich sehr gut auf­re­gen. Aber ich den­ke ein­fach nicht un­un­ter­bro­chen ans Äl­ter­wer­den. Wir wis­sen ja un­ser gan­zes Le­ben lang, dass wir ir­gend­wann nicht mehr le­ben. Und wir trau­ern um Men­schen, die wir ver­lo­ren ha­ben. Na­tür­lich hat man Angst, dass es sehr schnell ge­hen könn­te oder dass man krank wird. Aber im Mo­ment ist es so, dass ich nicht dar­über nach­den­ke. Das ist ein Glück. Ich le­be sehr gern. Es geht um die Lie­be. Je­der Mensch, der nur Es­sen und Trin­ken be­kommt, stirbt. Weil er kei­ne Zu­wen­dung und Zärt­lich­keit er­fährt. MEINS: Kön­nen Sie sich vor­stel­len, sich noch mal zu ver­lie­ben?

Han­ne­lo­re Ho­ger: Ob ich mir das vor­stel­len kann? Ich bin ja mit­ten­drin! Aber mal ganz un­ab­hän­gig da­von: Es geht doch nicht nur um Sex. So was hat mich schon im­mer ge­lang­weilt. Al­so ich sa­ge nicht, dass Sex nicht auch we­sent­lich ist. Aber es gibt ja noch ganz vie­le an­de­re Din­ge, die da­zu­kom­men müs­sen – wie Ver­trau­en und mit­ein­an­der re­den kön­nen. MEINS: Gibt es noch gro­ße Plä­ne?

Han­ne­lo­re Ho­ger: Ich möch­te gern mal nach Ku­ba rei­sen. Aber ge­ne­rell ha­be ich ei­gent­lich noch nie ei­nen Plan ge­macht. Ich ha­be ein­fach wei­ter­ge­lebt. Es kommt ja doch im­mer an­ders. „Ja, mach nur ei­nen Plan, sei nur ein gro­ßes Licht. Und mach dann noch ’nen zwei­ten Plan, gehn tun sie bei­de nicht …“Das ist von Ber­tolt Brecht und ge­fällt mir. •

Ho­ger mit Toch­ter Ni­na, 55: „Ich ko­che für sie, wenn sie mich in Ham­burg be­sucht“ EIN HERz uNd EI­NE SEE­LE

Ur­laub macht Han­ne­lo­re Ho­ger gern an der Nord­see

Plä­ne ma­chen? Es kommt doch im­meR an­deRs, als man denkt

Ho­tEl­dIrEK­torIN Mu­SI­KE­rIN dEtEKtIvIN In „Ho­tel Hei­del­berg“spiel­te sie an der Sei­te von Ul­ri­ke C. Tschar­re In der TV-Se­rie „Die Ber­ti­nis“war Ho­ger (links) 1988 zu se­hen Als „Bel­la Block“be­geis­tert sie seit über 20 Jah­ren Mil­lio­nen Zu­schau­er im TV

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