Aben­teu­er Aus­land

Meins - - Inhalt - VON ISA­BELL BITT­NER

Jo­an­na, 57, ar­bei­te­te ein Jahr in Chi­le

Land, Job und Fa­mi­lie ver­las­sen, um für ein Jahr in Chi­le zu ar­bei­ten? Jo­an­na bie­ber­stein, 57, hat es ge­wagt – und kam be­seelt zu­rück

Das Schöns­te an Chi­le? Der Him­mel! Er ist das Ers­te, was ich vor mir se­he, wenn ich an das Land zu­rück­den­ke“, schwärmt Jo­an­na Bie­ber­stein. „Dort bil­den sich so präch­ti­ge Wol­ken, mal dün­ne Fä­den, mal klei­ne Kü­gel­chen. Be­ein­dru­cken­der als in je­dem Erd­kun­de-At­las.“Und mit Erd­kun­de kennt sich Jo­an­na aus. Sie un­ter­rich­tet es ne­ben Ma­the und Che­mie an ei­nem Gym­na­si­um in Hil­den (NRW). Doch En­de 2014 nimmt sie sich ei­ne Aus­zeit von ih­rer Schu­le, von ih­rer Hei­mat, von al­lem Ge­wohn­ten und star­tet mit viel En­thu­si­as­mus und ein paar Bro­cken Spa­nisch im Ge­päck ihr Chi­le-Aben­teu­er.

Ei­ne gold­rich­ti­ge Ent­schei­dung! „Ich ha­be mich so jung ge­fühlt. Wenn man über 30 Jah­re mit je­man­dem zu­sam­men­lebt, gibt man viel von sei­ner Per­sön­lich­keit ab. Das pas­siert ganz au­to­ma­tisch. In dem Aus­lands­jahr war ich seit Lan­gem mal wie­der ganz bei mir. Ich ha­be mich neu ent­deckt“, schwärmt Jo­an­na noch heu­te.

Fünf Jah­re hat sie auf die­se Chan­ce ge­war­tet.

Fünf Jah­re, bis sie aus­rei­chend ge­spart, mit ih­rem Ar­beit­ge­ber ver­han­delt und die pas­sen­de Ge­le­gen­heit ge­fun­den hat­te. „Ich woll­te un­be­dingt ei­ne Zeit im Aus­land le­ben – und ar­bei­ten! Denn für mich ge­hört bei­des zu­sam­men“, so die Leh­re­rin.

Al­so schreibt sie ak­tiv vier Schu­len in Süd­ame­ri­ka an und fragt, ob sie dort Deutsch un­ter­rich­ten kön­ne. „Deutsch ist zwar nicht mein Haupt­fach, aber da ich selbst mit 22 Jah­ren aus Po­len nach Deutsch­land ge­kom­men bin, weiß ich, wor­auf es beim Ler­nen der Spra­che an­kommt.“

Mit die­ser Be­grün­dung hat sie Er­folg. Ein Di­rek­tor aus Te­mu­co in Chi­le mel­det sich bald zu­rück. „In Te­mu­co le­ben seit 200 Jah­ren deut­sche Aus- wan­de­rer. Die El­tern spre­chen zum Teil Deutsch, die Kin­der kaum noch. Des­halb soll die Spra­che dort wie­der ge­för­dert wer­den“, er­klärt Jo­an­na. Der Di­rek­tor bie­tet ihr ei­ne Stel­le für 600 Eu­ro im Mo­nat an. Die Schu­le in Hil­den stellt sie frei. Da sie fünf Jah­re ei­nen Teil ih­res Ge­halts ge­spart hat, be­kommt sie wei­ter­hin 300 Eu­ro pro Mo­nat aus­be­zahlt. Fi­nan­zi­ell ist sie al­so auf der si­che­ren Sei­te. Jo­an­na zö­gert nicht lan­ge.

An­kunft in San­tia­go – und Jo­an­na ist hin und weg!

„In Deutsch­land bin ich im Herbst los­ge­flo­gen und in Chi­le im Früh­ling ge­lan­det. Al­les grün­te und blüh­te.“Mit ih­rem Mann be­reist sie zu­nächst das Land, be­vor es an der Schu­le los­geht. Sie fah­ren in die Ata­ca­ma­wüs­te, an den Pa­zi­fik, in den Nor­den an die Gren­ze zu Bo­li­vi­en und bum­meln durch die Parks, Al­le­en und Ca­fés San­tia­gos. „Die Stadt ist sehr eu­ro­pä­isch und die Land­schaft ein­fach gran­di­os. In Chi­le sagt man: Als Gott mit der Er­schaf­fung der Welt fer­tig war, hat­te

er noch wun­der­schö­ne Strän­de und Vul­ka­ne üb­rig. Die hat er al­le in Chi­le un­ter­ge­bracht.“

Ihr mann muss wie­der zu­rück nach deutsch­land.

Und auch für Jo­an­na heißt es nach der ge­mein­sa­men Rei­se: ar­bei­ten, All­tag. Al­lein­sein. In ei­nem fer­nen Land. „Zu­erst dach­te ich: ‚Oje, ein Jahr musst du jetzt über­ste­hen.‘ Aber die flau­en Ge­füh­le wa­ren schnell ver­flo­gen.“

Sie lebt sich gut ein, hat ein klei­nes Zim­mer bei ei­ner Fa­mi­lie. Ih­re Schü­ler mö­gen sie, weil sie so spie­le­risch un­ter­rich­tet, und ei­ne Freun­din fin­det sie auch bald: Dagmar, 67,wie sie deut­sche Leh­re­rin auf Zeit. An den Wo­che­n­en­den ge­hen sie zu­sam­men auf Ent­de­ckungs­tour. „Mit Dagmar bin ich ins Thea­ter und auf Fes­te ge­gan­gen, ich ha­be die Kul­tur ge­nos­sen und ge­macht, wor­auf ich Lust hat­te. Und wenn ich hung­rig war, ha­be ich mir was auf die Hand ge­kauft. Ich fühl­te mich so wun­der­bar un­be­schwert.“

Was hat sie mit nach Hau­se ge­nom­men? „Die Ge­las­sen­heit der Süd­ameri­ka­ner. Wir schlos­sen dort nie die Tür ab. Mit der Zeit bin auch ich viel ent­spann­ter ge­wor­den“, gibt sie zu. „Vor mei­nem Jahr in Chi­le war ich ge­nervt, so­bald et­was nicht so lief wie ge­plant, und hat­te ein star­kes Si­cher­heits­be­dürf­nis. Jetzt weiß ich, oft kommt es ein­fach an­ders. Und kann gut da­mit le­ben.“

Noch et­was hat sie zur Freu­de ih­rer Fa­mi­lie mit­ge­bracht: das Rezept für Pis­co Sour, ei­nen Cock­tail aus Trau­ben­schnaps, Li­met­ten­saft, Rohr­zu­cker und Ei­klar. Sa­lud, zum Wohl, auf das nächs­te Aus­lands­aben­teu­er!

Im­mer auF tour Schon mal in Chi­le, sieht sich Jo­an­na auch in Nach­bar­staa­ten um – wie Uru­gu­ays Haupt­stadt Mon­te­vi­deo. Und ihr Spa­nisch wird bes­ser und bes­ser wun­der der na­tur Vul­ka­ne säu­men Te­mu­co im Sü­den von Chi­le, da­zu ge­hört der Vil­lar­ri­ca (2840 Me­ter)

neu­er Freund?

Eher ein kur­zer Flirt mit Mis­ter Al­pa­ka, schließ­lich war der Ehe­mann mit in Pe­ru Jo­an­nas ar­beIts­platz Sechs St­un­den pro Wo­che hat die Leh­re­rin an der deut­schen Schu­le in Te­mu­co un­ter­rich­tet

po­wer Im dop­pel­paCk Dagmar, 67, und Jo­an­na, 57, bei­de aus Deutsch­land, teil­ten Steaks und vie­le Erlebnisse

Am Wo­che­n­en­de geht’s durchs Land, wie hier nach San­ta Cruz

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