Mein Star per­sön­lich

Als wir Su­per­star Ju­li­an­ne Moo­re, 55, in Ber­lin tref­fen, sind wir ganz ver­zau­bert. Im In­ter­view er­zählt sie vom Kampf ge­gen den Ju­gend­wahn und ih­rer Fa­mi­lie

Meins - - Inhalt - VON RÜ­DI­GER STURM

Ju­li­an­ne Moo­re: Je äl­ter ich wer­de, des­to mehr bin ich ich selbst

Ein si­gnal­ro­tes Kleid zu den wohl be­kann­tes­ten ro­ten Haa­ren Hol­ly­woods: Ju­li­an­ne Moo­re ist wie im­mer per­fekt ge­stylt, als sie in der Sui­te des „Re­gent Ho­tel“am Ber­li­ner Gen­dar­men­markt er­scheint. Das wah­re Er­ken­nungs­zei­chen der Os­car-Ge­win­ne­rin, die als Toch­ter ei­nes Rich­ters der US-Ar­my in Frank­furt auf­wuchs, ist je­doch ihr glo­cken­hel­les La­chen. Das ist es, was der ele­gan­ten Schau­spie­le­rin und zwei­fa­chen Mut­ter ganz viel Wär­me und Herz­lich­keit ver­leiht. Mit eben­die­ser be­ant­wor­tet sie auch die In­ter­view­fra­gen von MEINS. Kaum zu glau­ben, dass Ju­li­an­ne Moo­re in ih­ren Film­rol­len wie in der Tra­gi­ko­mö­die „Mag­gie’s Plan“(seit 4. Au­gust im Ki­no) so oft die über­kan­di­del­te, ego­zen­tri­sche New Yor­ke­rin gibt.

Wel­che Er­in­ne­run­gen ha­ben Sie an Deutsch­land, wo Sie ei­nen Groß­teil Ih­rer Ju­gend ver­brach­ten? Ju­li­an­ne Moo­re:

Nur po­si­ti­ve! Ich ha­be sel­ten so viel Freund­lich­keit er­lebt wie in Deutsch­land. Und in mei­ner Zeit an der ame­ri­ka­ni­schen Schu­le in Frank­furt traf ich schließ­lich auf die Leh­re­rin, die mein Schau­spiel­ta­lent ent­deck­te und för­der­te. Wer weiß, wo ich oh­ne sie ge­lan­det wä­re? Ach ja, und Ka­ta­ri­na Witt fällt mir als be­ein­dru­cken­de Deut­sche ein. Ich be­wun­de­re sie, weil sie of­fen­bar Ner­ven aus Stahl hat (lacht).

Ha­ben Sie die nicht auch? Ju­li­an­ne Moo­re:

Nein, ich bin ein ziem­li­ches Ner­ven­bün­del. Mei­nen Job kann ich im Grun­de nur er­le­di­gen, weil ich mich ex­trem kon­zen­trie­ren kann, so­bald die Ka­me­ra läuft.

Mei­nen Kin­dern ra­te ich: Pro­biert euch aus, habt kei­ne Angst!

Sie spie­len meis­tens sehr auf­rei­ben­de Rol­len und sind in Ih­rem neu­en Film „Mag­gie’s Plan“ein­mal mehr als ex­zen­tri­sche, kalt­her­zi­ge Frau zu se­hen … Ju­li­an­ne Moo­re:

Ja, ich lie­be es, sol­che Ge­füh­le im Spiel voll aus­zu­lo­ten. Das Le­ben ist nun ein­mal ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung mit al­len Hö­hen und Tie­fen. Des­halb su­che ich sol­che Er­fah­run­gen, schre­cke auch vor ex­tre­men Emo­tio­nen nicht zu­rück. Du kannst dich nicht nur mit den an­ge­neh­men Sei­ten be­schäf­ti­gen, schon gar nicht als Schau­spie­le­rin. Das Le­ben ist nun mal nicht ein­fach.

Im letz­ten Jahr be­ka­men Sie Ih­ren ers­ten Os­car – für Ih­re Darstel­lung der Alz­hei­mer-Kran­ken in „Still Ali­ce – Mein Le­ben oh­ne Ges­tern“. Was war das für ein Mo­ment? Ju­li­an­ne Moo­re:

An je­nem Abend fühl­te sich das ein we­nig sur­re­al an: Ha­ben die wirk­lich mei­nen Na­men ge­sagt? Ha­be ich mich nicht ver­hört? Und ich konn­te die Fei­er dann gar nicht rich­tig ge­nie­ßen, weil ich mich am nächs­ten Tag früh ins Flug­zeug set­zen muss­te, um in New York Sze­nen für „Mag­gie’s Plan“zu dre­hen.

MEINS: Ist es wahr, dass sich Ih­re Kin­der nicht für Ih­re Ar­beit in­ter­es­sie­ren? Ju­li­an­ne Moo­re:

Ja! Ei­ne Aus­nah­me war mei­ne Mit­wir­kung in den „Tri­bu­te von Pa­nem“-Fil­men. Die hat mei­ne 14-jäh­ri­ge Toch­ter al­le ge­se­hen. Aber wel­ches Kind will schon wis­sen, was sei­ne Mut­ter tut? Vor al­lem wenn es im Te­enager-Al­ter ist. Mein Sohn ist 18.

Wel­che Be­rufs­wün­sche hat Ihr Sohn? Ju­li­an­ne Moo­re:

Er in­ter­es­siert sich durch­aus für die Film­bran­che. Als mein Mann im letz­ten Som­mer bei ei­nem Film Re­gie führ­te, hat er dar­an mit­ge­ar­bei­tet. Aber die­ses Jahr geht er erst ein­mal aufs Col­le­ge. Er möch­te auf je­den Fall ei­ne Geis­tes­wis­sen­schaft stu­die­ren, ganz ge­nau fest­le­gen will er sich aber noch nicht. Und das fin­de ich gut so.

Wel­chen Rat ge­ben Sie Ih­ren Kin­dern mit? Ju­li­an­ne Moo­re:

Pro­biert euch aus, habt kei­ne Angst, Feh­ler zu ma­chen, und fin­det für euch her­aus, was ihr mögt und was nicht. Das ha­be ich auch ge­lernt. Und: Lasst euch über­ra­schen. Wenn ihr glaubt, das Le­ben läuft auf ei­ne be­stimm­te Wei­se ab, dann täuscht ihr euch. Es hat euch so viel Auf­re­gen­des zu bie­ten. Das bes­te Bei­spiel da­für sind Dad und Mom.

Sie sind seit 13 Jah­ren ver­hei­ra­tet. Ei­ne lan­ge zeit für ei­ne Hol­ly­wood-Ehe. Wie schaf­fen Sie das? Ju­li­an­ne Moo­re:

Du musst dich en­ga­gie­ren, stän­dig kom­mu­ni­zie­ren und auf dei­nen Part­ner ein­ge­hen.

Die­sen Aus­druck mag ich über­haupt nicht. Das klingt so, als wä­re das ei­ne müh­se­li­ge Ge­schich­te. Mei­ne Ehe fühlt sich nicht so an. Sie be­rei­tet mir viel Ver­gnü­gen und Freu­de. Aber sie ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Und du musst grund­sätz­lich da­zu be­reit sein, mit je­man­dem ei­ne sol­che Part­ner­schaft zu füh­ren. Wer sich da­zu zwin­gen muss, der soll­te es lie­ber blei­ben las­sen.

gie’s Plan“füh­ren Sie ei­ne cha­os-Be­zie­hung mit Et­han Haw­ke. Sind da­bei per­sön­li­che Er­fah­run­gen ein­ge­flos­sen? Ju­li­an­ne Moo­re:

Oh nein. Mein Pri­vat­le­ben hat mit mei­nen Rol­len in der Re­gel über­haupt nichts zu tun. Und je äl­ter ich wer­de, des­to mehr le­ge ich Wert auf Nor­ma­li­tät.

Mö­gen Sie es, äl­ter zu wer­den? Ju­li­an­ne Moo­re:

Auf je­den Fall! Zu­mal es schon ei­ne Leis­tung dar­stellt. Über 50 zu kom­men und noch im Film­ge­schäft zu sein musst du erst mal schaf­fen. Ich sa­ge mir: Sei froh und dank­bar da­für. Na­tür­lich ist es auch sehr wich­tig, auf sei­nen Kör­per auf­zu­pas­sen, und das tue ich.

Wir se­hen Sie meis­tens als star­ke Frau. Neh­men die­se Rol­len­an­ge­bo­te mit dem Al­ter zu? Ju­li­an­ne Moo­re:

Ich den­ke schon. Aber das Wort „stark“passt nicht so rich­tig. Es kommt vor al­lem auf Au­then­ti­zi­tät an. Du musst Cha­rak­ter und Per­sön­lich­keit ha­ben, um sol­che Rol­len zu spie­len. Das Äl­ter­wer­den hilft na­tür­lich da­bei. Ich ver­su­che jetzt mehr denn je, ich selbst zu sein. •

Mit über 50 noch im Film­ge­schäft sein? Das musst du erst mal schaf­fen

ENt­SPANNt Ju­li­an­ne Moo­re weiß heu­te: „Es kommt doch im­mer an­ders, als man denkt.“

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