Auf­re­ger

Un­se­re Ko­lum­nis­tin An­ge­li­ka Brink­mann är­gert sich doch sehr über all die un­ge­ho­bel­ten Rü­pel, die ei­nen je­den Tag so um­ren­nen …

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Hal­lo? Se­hen Sie mich denn nicht?

Heut­zu­ta­ge wä­re es cle­ver, man wür­de in den Su­per­markt Gum­mi­stie­fel tra­gen. Sie wis­sen si­cher di­rekt, war­um ich das emp­feh­le. Ge­nau – we­gen der Dep­pen, die ei­nem von hin­ten mit ih­rem Wä­gel­chen in die Ha­xen fah­ren. Das ist der Gip­fel der Frech­heit, fin­de ich. Das pas­siert ja nicht aus Unacht­sam­keit, nein, das ge­schieht, weil je­der im­mer und über­all vor­an­pre­schen muss. Mei­nen die­se Ge­stal­ten echt, es gin­ge schnel­ler, wenn sie ih­ren Ein­kaufs­wa­gen als Pan­zer be­nut­zen und mich an­schie­ben, oder was?

Eben­so un­sin­nig ist es auch, noch wäh­rend ich mei­nen vol­len Wa­gen an der Kas­se aus­räu­me, mit ei­nem lau­ten Klat­schen die­sen Trenn­keil aufs Band zu don­nern und hin­ter mir hek­tisch mit dem Aus­räu­men zu be­gin­nen. Wis­sen Sie, was ich da gern ma­che?

Ich ru­fe laut „Dan­ke für Ih­re Hil­fe! Die­se Trenn­kei­le fas­se ICH ja nicht an, da kle­ben SO vie­le ek­li­ge und ge­fähr­li­che Bak­te­ri­en dran …!“. Die Ge­sich­ter müss­ten Sie dann mal se­hen, das ist ein Spaß! Und sol­che Rü­pel ha­ben es ja wohl nicht an­ders ver­dient, ha! Aber – das mal ne­ben­bei – was ist das für ein schwach­sin­ni­ges Kon­zept, dass Kas­sen­bän­der so ra­send schnell lau­fen, dass man mit dem Auf­le­gen kaum nach­kommt, wäh­rend hin­ter der Kas­sie­re­rin schon al­les her­un­ter­fällt? Das muss ja wohl nicht sein.

Um­so wich­ti­ger ist es, dass wir uns die Höf­lich­keit un­ter­ein­an­der be­wah­ren. Ich fin­de: Gleich, wo man sich be­wegt, ist es doch et­was sehr Schö­nes, ein Lä­cheln oder ei­nen Gruß zu be­kom­men – oder zu ver­ge­ben. Al­le net­ten Ges­ten ha­ben ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung auf un­se­re Stim­mung, das ist ei­ne al­te Weis­heit. Nur wie sa­gen wir das all den blö­den Ram­bos da drau­ßen?

Wenn ich zum Bei­spiel spa­zie­ren ge­he, ist es kei­nes­falls mein Hund, den ich zü­geln muss, der ist näm­lich gut er­zo­gen. Ge­nau ge­nom­men muss ich uns per­ma­nent ret­ten, weil Rad­fah­rer, oh­ne vor­her Klin­gel­zei­chen zu ge­ben, haar­scharf an uns vor­bei­hei­zen.

Und erst die vie­len Jog­ger über­all! Die be­neh­men sich nicht die Boh­ne bes­ser als die Ra­drow­dys. Letz­tens – ich war selbst jog­gen – kom­men mir drei Män­ner ent­ge­gen: Ne­ben­ein­an­der füll­ten die den gan­zen brei­ten Weg aus wie ei­ne Dampf­wal­ze. Ich konn­te es kaum fas­sen, je nä­her sie ka­men, aber das Trio mach­te nicht die ge­rings­ten An­stal­ten, mal kurz­zei­tig hin­ter­ein­an­der­zu­lau­fen, um mich pas­sie­ren zu las­sen. Nee, ganz im Ge­gen­teil: Ich sprang in letz­ter Se­kun­de fas­sungs­los ne­ben dem Weg in die Bö­schung (!), um nicht um­ge­rannt zu wer­den. Was für ein ego­zen­tri­sches Ver­hal­ten! Das ist nicht nur un­ge­ho­belt, son­dern re­gel­recht ag­gres­siv, fin­de ich. Ir­gend­wie er­in­nert mich das an Ro­bo­ter aus ei­nem Sci­ence-Fic­tionFilm. Al­ler­dings sind das de­fek­te Ro­bo­ter, bei de­nen we­der die Au­gen noch die au­to­ma­ti­schen Dis­tanz­mel­der funk­tio­nie­ren. Die­se blö­den Gera­de­aus­gu­cker und An­remp­ler um uns

Ob Ein­kauf odeR Spa­zieR­gang – un­ser All­tag ist ei­ne KRaft­pRo­be!

her­um wir­ken so ver­strahlt und kämp­fe­risch, dass es mir Angst macht. Die wür­den die Kauf­haus­tü­ren noch hin­ter sich zu­schla­gen, wenn sie könn­ten.

Wis­sen Sie, was mich in sol­chen Frust-Mo­men­ten trös­tet: Die­se EgoI­dio­ten stra­fen sich selbst. Die wer­den nie er­fah­ren, wie schön lä­chelnd ich fürs Tür­auf­hal­ten ge­dankt hät­te. Ätsch!

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