12 wich­ti­ge Ur­tei­le für uns Frau­en 50+

Farb­un­fall beim Fri­seur? High Heels in der Miet­woh­nung? Fir­men­park­platz für La­dys? Wenn wir wis­sen, wie Ge­rich­te im Zwei­fels­fall ent­schei­den, lie­gen wir ganz weit vorn!

Meins - - Inhalt - VON SA­BI­NE KÄM­PER

1 wir­kun­gen Haa­re ver­färbt? Das gibt Schmer­zens­geld! Zu Ri­si­ken und Ne­ben

fra­gen Sie Ih­ren Fri­seur! Tat­säch­lich ge­hört es zu den Pflich­ten ei­nes je­den Fi­ga­ros, uns über die Ri­si­ken – bei­spiels­wei­se beim Fär­ben – auf­zu­klä­ren. Tut er das nicht, ste­hen uns im Scha­dens­fall Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld zu. Ist nur das Haar be­trof­fen, ha­ben Ge­rich­te schon auf bis zu 500 Eu­ro ent­schie­den. Be­trifft die Schä­di­gung auch die Kopf­haut, et­wa durch Ve­rät­zung, kann es so­gar meh­re­re Tau­send

Eu­ro ge­ben. Zum Glück sind dies Ein­zel­fäl­le, aber gut zu wis­sen, ehe wir uns spä­ter die Haa­re rau­fen. OLG Ko­blenz, Az. 12 U 71/13 2 Ein Braut­kleid hat ide­el­len Wert! Di­rekt nach der Hoch­zeit wol­len wir erst mal nur „wei­ße Wä­sche wa­schen“. Geht mit un­se­rem Braut­kleid in der Rei­ni­gung et­was schief, ha­ben wir An­recht auf Ent­schä­di­gung – meist den Zeit­wert. In ei­nem Fall in Köln war ein Kleid ganz ver­schwun­den. Das Ge­richt sprach der Klä­ge­rin so­gar ei­nen deut­lich hö­he­ren Wert zu, da sie „ein star­kes sub­jek­ti­ves In­ter­es­se“ha­be. AG Köln, Az. 137 C 519/01

3 Hört, hört! Ei­ne Alt­bau­woh­nung ist kein Cat­walk … Ab­sät­ze ma­chen beim Ge­hen auf Holz- oder Flie­sen­bö­den klack, klack, klack. Stumm er­tra­gen müs­sen wir das al­ler­dings nicht. Das Land­ge­richt Ham­burg stell­te jüngst fest: Das Be­tre­ten von Fuß­bo­den­be­lä­gen mit Schu­hen in ei­nem akus­tisch an­fäl­li­gen Alt­bau fällt NICHT un­ter den ver­trags­ge­mä­ßen Ge­brauch

ei­ner Woh­nung. Das be­deu­tet im Kl­ar­text für uns al­le: Schu­he aus zu Haus! Im ver­han­del­ten Fall hat­te sich ei­ne Ham­bur­ge­rin an den lau­ten Schrit­ten ih­rer Nach­barn ge­stört. Das Land­ge­richt be­ur­teil­te das als „un­zu­mut­ba­re Lärm­be­läs­ti­gung“. LG Ham­burg, Az. 316 S 14/09 4 Ge­ra­de im Ur­laub die Hand­ta­sche schön im Au­ge be­hal­ten! Som­mer, Son­ne, See­len­frie­den – von we­gen! Ei­ne Ur­lau­be­rin woll­te cle­ver sein und stell­te ih­re Hand­ta­sche im vol­len Re­stau­rant zwi­schen die Bei­ne – den Hen­kel mit dem Schuh ge­si­chert. Man ahnt es: Die Ta­sche wur­de ge­klaut, die Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung ver­klagt. Kei­ne Chan­ce, sagt das Ge­richt, das Ver­hal­ten der Ur­lau­be­rin sei „grob fahr­läs­sig“ge­we­sen. AG München, Az. 231 C 27511/06

5 Kein An­spruch auf Wit­wen­ren­te! Oh, là, là, das klingt hart. Dau­ert ei­ne Ehe nicht min­des­tens ein Jahr, hat die Wit­we kei­nen An­spruch auf Wit­wen­ren­te. In Hes­sen hat­te ei­ne Frau ei­nen schwer krebs­kran­ken Mann ge­hei­ra­tet, der nur 17 Ta­ge spä­ter starb. Das Ge­richt be­fand: Die­se Le­bens­ge­mein­schaft wur­de nicht auf Dau­er ge­grün­det, da der Tod vor­her­seh­bar war. Ei­ne „Ver­sor­gungs­ehe“nen­nen das die un­er­bitt­li­chen Ju­ris­ten ganz lieb­los. Üb­ri­gens: Wä­re die Klä­ge­rin durch ei­nen Un­fall Wit­we ge­wor­den, hät­te sie An­spruch auf Wit­wen­ren­te. LSG Hes­sen, Az. L 5 R 320/10 6 Ach­tung im Bü­ro: Se­xu­el­le Be­läs­ti­gung gibt’s auch ganz oh­ne Fum­me­lei … Wer sei­nen Kol­le­gen zum Bei­spiel ge­gen de­ren Wil­len ein por­no­gra­fi­sches Bild auf sei­nem Han­dy zeigt oder sie ver­bal be­läs­tigt, kann ratz­fatz den Job ver­lie­ren! Und das gilt so­gar oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung durch den Chef. Das Ar­beits­ge­richt sagt: Se­xu­el­le Be­läs­ti­gung kann auch dann zur frist­lo­sen Kün­di­gung füh­ren, wenn sie oh­ne Hand­greif­lich­kei­ten er­folgt. Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Az. 3 Sa 410/08 7 Kein Per­ma­nent Make­up von der Kas­se … Fal­len nach ei­ner me­di­zi­ni­schen Be­hand­lung Au­gen­brau­en und Wim­pern aus, kann man die­se durch Ein­tä­to­wie­ren von Farb­pig­men­ten nach­bil­den. Be­zah­len muss das die Kran­ken­kas­se al­ler­dings nicht – me­di­zi­nisch be­ding­ter Ver­lust hin oder her. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ur­teil­te, es sei ei­ner Frau zu­zu­mu­ten, sich täg­lich 20 Mi­nu­ten fürs Schmin­ken zu neh­men. BSG, Az. B 1 KR 28/02 R 8 Ent­haa­rung miss­glückt? Geld zu­rück! Man­che Kos­me­tik­in­sti­tu­te ver­spre­chen: „Dau­er­haft haar­frei nach nur zehn Ul­tra­schall­be­hand­lun­gen!“Ei­ne Kun­din hat­te Pech, blieb auch nach 23 Sit­zun­gen noch be­haart – und ver­lang­te ihr Geld zu­rück. Zu Recht! Die Kos­me­ti­ke­rin hät­te nach zehn Sit­zun­gen von wei­te­ren Be­hand­lun­gen ab­ra­ten müs­sen und muss nun de­ren Kos­ten tra­gen. LG Bonn, Az. 4 S 22/01 9 Ätsch! Män­ner müs­sen wei­ter lau­fen als Frau­en Wer­den den Mit­ar­bei­tern Park­plät­ze zu­ge­teilt, gilt „Frau­en vor Män­ner“– trotz Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, meint das Ar­beits­ge­richt. Der Hin­ter­grund: Frau­en wer­den öf­ter Op­fer von ge­walt­sa­men Über­grif­fen. So­mit liegt ein ganz sach­li­cher Grund für die „Be­nach­tei­li­gung“männ­li­cher Mit­ar­bei­ter vor. Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­lan­dP­falz, Az. 10 Sa 314/11 10 No, no. Wir müs­sen nicht er­ben! In der Re­gel hat ein Er­be sechs Wo­chen Zeit, sei­ne Erb­schaft aus­zu­schla­gen. Die Frist be­ginnt aber nicht di­rekt mit dem Tod, son­dern erst, wenn sie oder er von sei­ner Erb­schaft er­fährt. Wird der Er­be spä­ter vom To­des­fall in­for­miert, gilt die Frist zur Ab­leh­nung erst ab dann – bis zu 40 Jah­re spä­ter! OLG Naum­burg, Az. 10 Wx 1/06 11 Un­ter­halt als Aus­gleich der Kar­rie­re Das ist über­ra­schend! Ei­gent­lich heißt es doch, ge­schie­de­ne Müt­ter kön­nen bzw. müs­sen wie­der Voll­zeit ar­bei­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof fin­det aber auch, der Ver­zicht auf Kar­rie­re müs­se bei ei­ner Schei­dung aus­ge­gli­chen wer­den. Das heißt: Hat­te die Frau vor der Hei­rat ei­nen gut be­zahl­ten Job, den sie für die Kin­der auf­ge­ge­ben hat, steht ihr bei ei­ner Schei­dung mehr Un­ter­halt zu. Der Grund: Sie hat ei­nen „ehe­be­ding­ten Nach­teil“er­lit­ten, den der Ex-Mann aus­glei­chen muss, wenn sie kei­nen neu­en, ver­gleich­ba­ren Job fin­det. BGH, Az. XII ZR 108/09 Fal­sche Stel­len­aus­schrei­bung? Das gibt Ent­schä­di­gung! Jo­b­an­ge­bo­te müs­sen un­ab­hän­gig vom Ge­schlecht aus­ge­schrie­ben wer­den. Wird in ei­ner Stel­len­an­zei­ge et­wa ein „Ge­schäfts­füh­rer“ge­sucht, kann ei­ne ab­ge­lehn­te Be­wer­be­rIN ei­ne Aus­gleichs­zah­lung for­dern. Der Grund: Die Stel­len­an­zei­ge ist dis­kri­mi­nie­rend, und auf­grund des Gleich b eh andlungs grund­sat­zes be­steht An­spruch auf Ent­schä­di­gung. Im ver­han­del­ten Fall wur­de der Klä­ge­rin rund ein Mo­nats­ge­halt zu­ge­spro­chen. OLG Karlsruhe, Az. 17 U 99/10

FüR al­le Fäl­le gibt’s auch Rechts­schutz­veR­si­che­Run­gen!

WIE HÜBSCH! Ein­mal wa­schen und le­gen, bit­te! Nicht im­mer geht al­les glatt

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