Heu­te weiß ich, was ich wiRk­lich will

Star­ke Frau und Mut­ter

Meins - - Inhalt - VON RÜ­DI­GER STURM

Im MEINS-In­ter­view ver­rät uns Ju­li­et­te Bi­no­che, 52, ihr Be­zie­hungs­ge­heim­nis und wie sie ne­ga­ti­ve Ge­füh­le ganz ein­fach wie­der los­wird

Ge­ra­de erst hat sie im ele­gan­ten Ho­sen­an­zug ei­nen Foto-Ter­min ab­sol­viert, doch zum Ge­spräch mit MEINS in Cannes er­scheint Ju­li­et­te Bi­no­che mit Je­ans und le­ge­rer Blu­se. Ob­wohl die Fran­zö­sin zu den größ­ten in­ter­na­tio­na­len Ki­no­stars zählt, ist sie das Ge­gen­bild zum glat­ten Hol­ly­wood-Star. Die ei­gen­wil­li­ge, wäh­le­ri­sche Os­car-Ge­win­ne­rin („Der eng­li­sche Pa­ti­ent“) führt ein ab­ge­schirm­tes Le­ben in der Nä­he von Paris. Sohn Ra­phaël, 22, stammt aus ei­ner frü­he­ren Be­zie­hung mit dem Sport­tau­cher An­dré Hal­lé, und auch vom Va­ter ih­rer Toch­ter Ha­na, 16, Schau­spie­ler Be­noît Ma­gi­mel, lebt sie seit Jah­ren ge­trennt.

Im Mo­ment scheint sie ver­liebt, hü­tet das aber als ihr Ge­heim­nis. Die Schau­spie­le­rin, die ih­ren Durch­bruch einst an der Sei­te ih­res Ex-Ge­lieb­ten Da­ni­el DayLe­wis im Dra­ma „Die un­er­träg­li­che Leich­tig­keit des Seins“(1988) fei­er­te, schwärmt von der be­glü­cken­den Er­fah­rung neu­er Be­geg­nun­gen. Zu­gleich be­tont sie ih­re Un­ab­hän­gig­keit und un­ter­streicht je­den Satz mit ih­ren wa­chen brau­nen Au­gen.

mEins: wir ha­ben glück, sie zu tref­fen. sie schei­nen der­zeit pau­sen­los vor der ka­me­ra zu ste­hen und un­ter­wegs zu sein … Ju­li­et­te bi­no­che: Ja, und es hört nicht auf. Ich kom­me ge­ra­de aus Neu­see­land, wo ich die Dreh­ar­bei­ten für ei­nen Sci­ence-Fic­tion-Film an der Sei­te von Scar­lett Jo­hans­son nur kurz un­ter­bro­chen ha­be. mEins: sci­ence-fic­tion? das über­rascht. sie sind be­kannt da­für, ei­ne kri­ti­sche Ein­stel­lung ge­gen­über hol­ly­wood-block­bus­tern zu ha­ben. schließ­lich ha­ben sie vor Jah­ren so­gar die haupt­rol­le in spiel­bergs „Ju­ras­sic Park“ab­ge­lehnt …

Ju­li­et­te bi­no­che: Die­ser neue Film „Ghost in the Shell“ist kein ge­wöhn­li­cher Sci­ence-Fic­tion-Stoff. Er the­ma­ti­siert vor al­lem die Fol­gen von to­ta­ler Com­pu­ter­über­wa­chung und Ma­ni­pu­la­ti­on. Es geht al­so auch um Lie­be, Angst, Hass. Das sind in­ten­si­ve Er­fah­run­gen, die ich in mei­nen Rol­len grund­sätz­lich gern durch­le­be. Und nur wenn ich das tue, fin­de ich mein in­ne­res Gleich­ge­wicht. Denn hier kann ich mich mit mei­nen Ängs­ten kon­fron­tie­ren, und das stärkt mei­ne See­le, und ich kann mei­ne ei­ge­nen Kon­flik­te krea­tiv ver­ar­bei­ten. mEins: wenn sie sich so stark mit ih­ren rol­len iden­ti­fi­zie­ren, fällt ih­nen dann der Über­gang ins wirk­li­che Le­ben schwer? Ju­li­et­te bi­no­che: Ich bin in der Re­gel leicht zu ge­nie­ßen, selbst bei schwie­ri­gen, auf­zeh­ren­den Pro­jek­ten. Al­ler­dings hat­te ich schon Fäl­le, wo nach ei­nem Dreh mei­ne Ner­ven blank la­gen. Und dann kann es pas­sie­ren, dass ich hem­mungs­los heu­le, selbst wenn ich im In­ners­ten weiß, dass ich das in dem Mo­ment nicht selbst bin. mEins: und wenn es ganz schlimm kommt? Dann grei­fe ich zum Pin­sel und ma­le. Aber ich will sol­che Ge­füh­le nicht un­ter­drü­cken. Wenn du sie zu­lässt, dann wirst du bes­ser da­mit fer­tig – und du ver­schaffst dir da­durch auch neue Luft für Glücks­ge­füh­le.

mEins: ihr sohn ist in­zwi­schen er­wach­sen, ih­re toch­ter im te­enager­al­ter. sie ha­ben sie weit­ge­hend al­lein groß­ge­zo­gen. hat­ten ih­re kin­der je­der­zeit Ver­ständ­nis für die Ar­beit ih­rer mut­ter? Ju­li­et­te bi­no­che: Ich ha­be sie im­mer ge­fragt, ob sie mich zu mei­nen Drehs be­glei­ten woll­ten, so­fern es ihr Zeit­plan zu­ge­las­sen hat. Na­tür­lich gab es auch Pha­sen, wo sie am liebs­ten die Ma­ma zu Hau­se ge­habt hät­ten, statt­des­sen aber nur das Kin­der­mäd­chen da war. Im­mer­hin ha­be ich stets Frau­en ge­fun­den, auf die ich mich hun­dert­pro­zen­tig ver­las­sen konn­te und die sich mei­nen Kin­dern vol­ler Lie­be ge­wid­met ha­ben. mEins: fra­gen sie ih­re kin­der auch um rat? Ja, und sie ha­ben mich auch schon er­mun­tert, be­stimm­te Rol­len zu über­neh­men – zum Bei­spiel die­sen ak­tu­el­len Sci­ence-Fic­tion-Film. mEins: sie sind al­so kei­ne die­ser so­ge­nann­ten he­li­ko­pter-ma­mas, die ih­re kin­der über­be­hü­ten? Ju­li­et­te bi­no­che: Das den­ke ich nicht. Mei­ne Kin­der sind zwar bei­de nicht ge­ra­de be­gie­rig, das Haus zu ver­las­sen. Aber ich ha­be sie zur Un­ab­hän­gig­keit er­zo­gen. Den­noch pas­se ich na­tür­lich auf sie auf – wo­hin sie ge­hen, was sie ma­chen. Aber es ist ganz wich­tig, dass sie mit der Ver­ant­wor­tung, die mit der Frei­heit kommt, um­ge­hen kön­nen. Ich selbst hat­te als Kind vie­le Frei­räu­me, nach­dem sich mei­ne El­tern schei­den lie­ßen. mEins: ist das auch ein grund, war­um sie selbst nie ge­hei­ra­tet ha­ben be­zie­hungs­wei­se kei­ne län­ge­re be­zie­hung ein­ge­gan­gen sind? Ju­li­et­te bi­no­che: Ich bin je­mand, der stets neue Din­ge ent­de­cken will. Des­halb brau­che ich mei­ne Frei­heit. In ei­ner Ehe hät­te ich mich ein­ge­engt ge­fühlt – das wä­re der Still­stand für mich ge­we­sen. Aber in­zwi­schen ha­be ich mehr Le­bens­er­fah­rung, ich weiß, was ich von ei­nem Part­ner er­war­ten kann und was nicht. Das hilft mir jetzt, tie­fe­re Be­zie­hun­gen ein­zu­ge­hen, was nicht be­deu­tet, dass ich jetzt un­be­dingt auch hei­ra­ten möch­te. mEins: was ge­hört für sie zu solch ei­ner tie­fe­ren be­zie­hung da­zu? Ju­li­et­te bi­no­che: Vor al­lem: Ehr­lich­keit. Du musst ak­zep­tie­ren, dass dein Part­ner ein ei­gen­stän­di­ges In­di­vi­du­um ist. Und ge­nau die Un­ter­schie­de zwi­schen zwei Men­schen sind das

Span­nen­de, wo­bei bei­de schon ähn­li­che Grund­wer­te ha­ben soll­ten. Das ist die per­fek­te Ba­lan­ce zwi­schen zwei Part­nern. Die su­che ich. mEins: sie ha­ben den ge­dan­ken an die gro­ße Lie­be nicht auf­ge­ge­ben?

Ju­li­et­te bi­no­che: Ab­so­lut nicht. Ich will die­se Ge­füh­le aus­kos­ten. Manch­mal denkst du dir, das wird dir zu viel. Aber ge­nau sol­che Her­aus­for­de­run­gen ma­chen un­ser Da­sein aus. Da­vor wer­de ich nie zu­rück­scheu­en. mEins: wel­che sehn­süch­te trei­ben sie noch an? Ju­li­et­te bi­no­che: Ich möch­te neue Or­te ent­de­cken. Des­halb lie­be ich es, zu rei­sen oder in mir bis­lang un­be­kann­ten Län­dern wie Neu­see­land zu dre­hen. Ei­nes mei­ner größ­ten Aben­teu­er in den letz­ten Jah­ren war ei­ne Schiffs­fahrt in die Ant­ark­tis. •

Wenn du schlech­te Ge­füh­le raus­lässt, ist wie­der Platz für gu­te

KÜNsT­LeR-see­Le Schon Ju­li­et­tes Va­ter und ih­re aus Po­len stam­men­de Mut­ter wa­ren Schau­spie­ler

BeL­Le de NuIT

Wa­che brau­ne Au­gen, Por­zel­lanTeint: Ju­li­et­te Bi­no­che in Cannes

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