Auf­re­ger „So, jetzt hab’ ich die Haa­re schön, aber da­für den Na­cken steif!“

Un­se­re Ko­lum­nis­tin An­ge­li­ka Brink­mann wun­dert sich über Fri­seur-Wasch­be­cken mit Fol­ter-Funk­ti­on

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Ei­nes vor­ne­weg: Ich ge­he sehr gern zum Fri­seur und bin dank­bar, dass ich mir das dann und wann leis­ten kann. Wä­re es nur bloß nicht so un­be­quem. Käm­men, An­sät­ze fär­ben, Far­be ein­wir­ken las­sen, so weit ist noch al­les gut. Kä­me an­schlie­ßend nicht das Haa­re­wa­schen. Wo­bei ich da gar nicht emp­find­lich bin, im Ge­gen­teil. Wer mit drei Brü­dern auf­ge­wach­sen ist, kennt je­de Haar­wur­zel auf sei­nem Kopf mit Na­men. Mein Pro­blem ist der Na­cken. Der tut mir so weh auf die­ser har­ten, kal­ten Wasch­be­cken­kan­te – es macht nur aua! Wäh­rend mein Hals auf dem Be­cken auf­liegt, drü­cken sich mei­ne Wir­bel beim Haa­re­wa­schen mit je­dem lei­den­schaft­li­chen Hand­krei­sen wei­ter ins Por­zel­lan. Oft so mas­siv, dass das hö­hen­ver­stell­ba­re Be­cken kom­plett in Zeit­lu­pe nach un­ten glei­tet. Wie das Mi­kro­fon bei der Os­car-Ver­lei­hung, wenn der Preis­trä­ger zu lan­ge sei­nen El­tern und dem lie­ben Gott dankt.

Mein Preis ist ein stei­fer Na­cken, und mein Po rutscht im­mer wei­ter nach vorn.

Ver­zwei­felt stem­me ich mei­ne Fü­ße zum Brem­sen in den Bo­den, wäh­rend ich mich to­tal ver­span­ne und un­ter­halb mei­ner Ohr­läpp­chen links wie rechts zwei fei­ne Rinn­sa­le Wa­sch­was­ser in mei­nen Kra­gen lau­fen. Ich kral­le mich in ab­so­lu­ter Kör­per­span­nung an den Stuhl­leh­nen fest und ver­su­che mit letz­ter Kraft ein ge­quäl­tes Lä­cheln als Ant­wort auf die Fra­ge „Al­les recht bei Ih­nen?“. Lan­ge ha­be ich mich nicht ge­traut, et­was zu sa­gen, weil ich dach­te, na gut, das ge­hört so. Da­bei liegt die Lö­sung auf der Hand, oder bes­ser ge­sagt: im Hand­tuch! Neu­er­dings er­bit­te ich mir ein klei­nes Gäste­hand­tuch und rol­le es mir im Na­cken zu­sam­men. Ein biss­chen wie die­se auf­blas­ba­ren Le­se­kis­sen für die Ba­de­wan­ne, die mal so hip wa­ren. Die fra­gen­den Bli­cke – JAAA, ich kann das mit ge­schlos­se­nen Au­gen se­hen! – sind mir schnup­pe. Denn die Lö­sung wä­re so ein­fach …

War­um bit­te gibt es beim Fri­seur kei­ne Na­cken­rol­len?

So ein vor­ge­fer­tig­tes Ding aus sta­bi­lem Schaum­stoff oder ir­gend­ei­nem an­de­ren Knautschma­te­ri­al, was man ein­fach um die Kan­te des Wasch­be­ckens klemmt, um den zar­ten Kun­din­nenHals zu pols­tern? Wä­re dann über die­sem Pols­ter­röll­chen viel­leicht so­gar noch ein prak­ti­scher Frot­tee­be­zug, um das her­un­ter­lau­fen­de Was­ser auf­zu­sau­gen, wä­re das der Gip­fel vom Glück, denn ich könn­te so­gar at­men. Dann müss­te näm­lich das Lehr­mäd­chen den Klett­ver­schluss mei­nes Fri­seu­rum­hangs am Hals nicht so eng zu­sam­men­zie­hen, dass sich mir da­bei die Au­gen ver­dre­hen. Die­se Idee mit dem Na­cken­schutz ist doch so sim­pel wie groß­ar­tig, oder? Viel­leicht er­fin­de ich das ein­fach – und wer­de reich!

Und wenn wir ge­ra­de da­bei sind, Ab­läu­fe zu hin­ter­fra­gen, die uns tüch­tig ner­ven – schwie­rig fin­de ich auch das Ka­pi­tel Föh­nen.

Mei­ne Haa­re sind blond, von Na­tur aus sehr fein und, ganz of­fen ge­sagt, fus­se­lig.

Zu­dem fal­len sie so­fort trot­zig aus, so­bald sich ih­nen ei­ne Bürs­te nä­hert. Lei­der ler­nen Fri­seu­re in der Aus­bil­dung, war­um auch im­mer, die Kun­din nicht ge­hen zu las­sen, ehe sie nicht min­des­tens ei­ne hal­be St­un­de mit 23 Bürs­ten­stri­chen pro Sträh­ne ge­föhnt wur­de. On top be­kom­me ich un­zäh­li­ge Klemm­klam­mern und wip­pen­de Bürs­ten auf dem Kopf ver­teilt, wäh­rend mein Na­cken­haar mit hei­ßer Luft be­ar­bei­tet wird. Bis der Schei­tel dran ist, ist mein Ober­haar to­tal platt, und ich ha­be den 13. Schweiß­aus­bruch. Mir ist das, ganz ehr­lich, ein biss­chen zu viel „hei­ße Luft“… •

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