Neu­an­fang Peg­gy, 67, er­öff­ne­te ei­nen La­den in Berlin

Die Schau­spie­le­rin peg­gy Lu­kac, 67, er­füllt sich ih­ren Le­benstraum – ei­nen ei­ge­nen Mo­de­la­den

Meins - - Inhalt - VON UWE KIL­LING

Peg­gy Lu­kac steht in ei­nem Meer aus Far­ben. Sie streicht mit dem Hand­rü­cken über ei­nen leuch­tend grü­nen Schal aus Sei­de. Dann ver­schwin­det sie hin­ter dem aus­ufern­den Blu­men­mus­ter ei­nes Ki­mo­nos. Lä­chelnd und im Vor­bei­ge­hen er­greift sie ei­ne Hand­ta­sche, um sie an an­de­rer Stel­le neu zu plat­zie­ren. Das An­ge­bot von „Peg­gy Lu­kac De­sign“ver­än­dert sich fort­lau­fend, weil die In­ha­be­rin ih­re Stof­fe, Klei­der und Wohn-Ac­ces­soires täg­lich va­ri­iert, er­wei­tert und neu in­sze­niert. Und das macht die­sen Shop, ge­le­gen im alt­ehr­wür­di­gen Ber­li­ner Stadt­teil Char­lot­ten­burg, so be­son­ders. Denn es ist die neue Le­bens­büh­ne ei­ner Frau, de­ren au­ßer­ge­wöhn­li­che Vi­ta sich hier wi­der­spie­gelt.

die Ren­te kann war­ten – ich füh­le mich noch jung.

Mit die­ser Ein­stel­lung hat Peg­gy Lu­kac als agi­le In­ge Ebin­ger drei Jah­re lang die Zu­schau­er der ARDTe­le­no­ve­la „Ro­te Ro­sen“be­geis­tert. An­fang des Jah­res stieg sie dort nach rund 400 Fol­gen aus. „Das gu­te Se­ri­en-Ge­halt war die Start­hil­fe“, sagt die Schau­spie­le­rin, „und ich ha­be mir ge­sagt: Ich muss den La­den jetzt er­öff­nen. Mit über 70 ma­che ich es viel­leicht nicht mehr.“Der Ent­schluss hat­te aber noch ei­nen an­de­ren Hin­ter­grund: Im Jahr 2010 war bei der Deutsch-Ame­ri­ka­ne­rin Brust­krebs dia­gnos­ti­ziert wor­den: „Mein Arzt hat mir jüngst noch ein­mal be­stä­tigt, dass ich als ge­heilt gel­te. Doch die Krank­heit war ein gro­ßer Ein­schnitt. Ich möch­te die ver­blei­ben­de Zeit ganz be­wusst nut­zen.“

Peg­gy Lu­kac emp­fängt ih­re Kun­den mit viel Her­zens­wär­me. Und char­man­tem Wie­ner Ak­zent. In ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie in New York ge­bo­ren, war sie nach dem Krieg als klei­nes Mäd­chen nach Ös­ter­reich ge­kom­men: „Dort hat mich

mei­ne Groß­mut­ter sehr ge­prägt. Sie sprach kein Eng­lisch, ich zu­nächst kein Deutsch, aber wir ha­ben uns wort­los ver­stan­den.“Die Oma be­trieb ei­ne Schnei­de­rei im Zen­trum von Wi­en, und En­ke­lin Peg­gy lieb­te es, der rat­tern­den Näh­ma­schi­ne zu­zu­schau­en, mit Gar­nen und Stof­fen zu han­tie­ren: „Das war ei­ne frü­he sinn­li­che Er­fah­rung.“

Ei­ne Schatz­tru­he mit Werk­zeug und Nähs­a­chen.

Die erb­te Peg­gy Lu­kac von ih­rer ge­lieb­ten Oma und hü­tet sie noch heu­te. Die Tru­he war der Grund­stock für ei­ne Samm­lung, die über die Jah­re im­mer grö­ßer ge­wor­den ist. Denn Peg­gy Lu­kac hat im­mer mit gro­ßer Hin­ga­be ge­näht und Klei­der ent­wor­fen. An­fang der 70erJah­re zog sie die Stu­den­ten­be­we­gung nach Berlin, wo sie sich ei­ner po­li­ti­schen Thea­ter­grup­pe an­schloss. Sie spiel­te, führ­te Re­gie, schnei­der­te selbst­ver­ständ­lich die Ko­s­tü­me. Dann grün­de­te sie ih­re ei­ge­ne Büh­ne und ver­dien­te Geld mit TV-Rol­len, dar­un­ter vie­le Se­ri­en („Pra­xis Bü­low­bo­gen“) und Ne­ben­rol­len in Fil­men wie „Die Frau von Check­point Char­lie“. Schließ­lich muss­te ei­ne Fa­mi­lie mit zwei Söh­nen (heu­te 34 und 24) er­nährt wer­den.

Die Schau­spie­le­rin ist ei­ne lei­den­schaft­li­che Samm­le­rin. Ob auf ih­ren Rei­sen oder bei Dreh­ar­bei­ten im Aus­land: Über­all lässt Lu­kac ih­rem Fai­b­le für kräf­ti­ge Far­ben, ori­gi­nel­le Mus­ter und ex­qui­si­te Ma­te­ria­li­en frei­en Lauf. Und was sie dann mit nach Hau­se bringt, wird ir­gend­wann ver­ar­bei­tet: „Von Kol­le­gin­nen wur­de ich öf­ters an­ge­spro­chen: wo man zum Bei­spiel den Schal um mei­nem Hals kau­fen kön­ne. Das hat mir ge­zeigt, dass mei­ne Ent­wür­fe of­fen­bar Ab­neh­mer fin­den.“

Im La­den von Peg­gy Lu­kac fin­det man aus­schließ­lich Uni­ka­te, noch da­zu in un­ge­wöhn­li­chen Kom­bi­na­tio­nen: ori­en­ta­li­sche Or­na­men­te und in­di­sches Flair, pe­rua­ni­sche Fröh­lich­keit und asia­ti­sche Zart­heit. Auf ei­nem Stän­der reiht sich ein präch­ti­ger Vin­ta­ge-Ki­mo­no an den an­de­ren, et­li­che von ih­nen mehr als 100 Jah­re alt. Lu­kac hat sie in Ja­pan auf­ge­spürt, re­stau­riert oder auch um­ge­ar­bei­tet. So zeu­gen die Klei­dungs­stü­cke vom Le­ben ei­ner Kos­mo­po­li­tin, die in al­len Kul­tu­ren Schö­nes ent­deckt und dar­aus Ei­ge­nes schafft. In vie­len Län­dern hat sie Ver­wand­te: „Wir sind ei­ne in der gan­zen Welt ver­spreng­te jü­di­sche Fa­mi­lie.“

Das Ge­schäft ist ei­ne Full­time-Auf­ga­be.

Die ein oder an­de­re Rol­le möch­te Lu­kac aber wei­ter­hin an­neh­men. Ab­ge­trennt durch ei­nen kunst­voll ge­stal­te­ten Pa­ra­vent be­fin­det sich auch ein Ar­beits­tisch im Ge­schäfts­raum. Hier er­scheint wäh­rend des In­ter­views Peg­gys Ehe­mann Gus­tav. Er bringt ei­ne an­ti­ke Näh­ma­schi­ne aus der Re­pa­ra­tur zu­rück. „Mein gu­ter Geist“, sagt Lu­kac dop­pel­deu­tig. Und sehr lie­be­voll. Das Paar lebt auf ei­nem Bau­ern­hof in Bran­den­burg, was für die um­trie­bi­ge De­si­gne­rin ein wich­ti­ger Rück­zugs­ort ist.

„Ich bin kei­ne klas­si­sche Ge­schäfts­frau“, sagt Lu­kac, „das hier hat sich al­les aus mei­nem Le­ben ent­wi­ckelt.“Und sie fühlt sich wohl in ei­ner Nach­bar­schaft, wo es in der Nä­he zu ei­nem Park (am Ber­li­ner Liet­zen­see) und klei­nen Ca­fés noch wei­te­re Lä­den gibt, die mit Ma­nu­fak­tur­be­trieb und in­di­vi­du­el­lem Look um Kun­den wer­ben. „Trotz der auf­wen­di­gen Hand­fer­ti­gung ver­su­che ich, die Prei­se mo­de­rat zu hal­ten. Selbst ein Ki­mo­no kos­tet bei mir ma­xi­mal 350 Eu­ro.“

Ge­ra­de hat Peg­gy Lu­kac be­gon­nen, Schmuck- oder Lam­pen­de­si­gner in den La­den zu in­te­grie­ren. Oder auch Ein­zel­stü­cke wie den Tisch, auf den sie vor­hin die Ta­sche ge­stellt hat: Er wur­de von Peg­gys jüngs­tem Sohn Paul ge­stal­tet. •

Das al­les hat sich ent­wi­ckelt. Es gab kei­ne Ge­schäfts­idee Die FaR ben und Mus­teR fin­de ich in al­leR Welt

SiE liEbt ES buNt Peg­gy Lu­kac in ih­rem Ber­li­ner Mo­de­ge­schäft, das gleich­zei­tig Näh­stu­be ist

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