Was uns bewegt Stars über das Le­ben nach der Trau­er

Chris­tia­ne Hör­bi­ger, 77, weint um ih­ren „Le­bens­men­schen“. Wie schafft man es wie­der aus dem Tal der Trä­nen ins Le­ben?

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

Was pas­siert mit uns, wenn der Le­bens­mensch, mit dem wir al­les ge­teilt ha­ben, den wir über al­les ge­liebt ha­ben, stirbt? Ob der Tod ganz un­er­war­tet kommt, er vor­her­seh­bar ist oder wir ihn viel­leicht so­gar her­bei­seh­nen – ist er da, trifft er uns mit al­ler Här­te. Der in­ne­re Schmerz über den Ver­lust, den wir ver­spü­ren, scheint un­er­träg­lich, die Welt stürzt ein. Und stän­dig ist da der ei­ne quä­len­de Ge­dan­ke, der uns so ver­zwei­feln lässt: Nie mehr hö­re ich sein La­chen, spü­re ich den war­men Druck sei­ner Hand. Nie mehr. Wie­der ein nor­ma­les Le­ben zu füh­ren scheint uns un­mög­lich. Die Trau­er lähmt uns.

Al­le, die das schon ein­mal er­le­ben muss­ten, wis­sen, wie es Chris­tia­ne Hör­bi­ger, 77, jetzt geht. Ge­ra­de starb Ger­hard Tötschin­ger, 70, ihr „Le­bens­mensch“, wie sie ihn nann­te, an ei­ner Lun­gen­em­bo­lie. Der Tod kam völ­lig über­ra­schend. Vor we­ni­gen Wo­chen ha­ben sie noch sei­nen 70. Ge­burts­tag ge­fei­ert. Und sie woll­ten noch in die­sem Jahr hei­ra­ten – end­lich, nach 32 Jah­ren Be­zie­hung. Die Hör­bi­ger und der Tötschin­ger – das war ei­ne

ganz gro­ße Lie­be. Die Schau­spie­le­rin schwärm­te ein­mal über ihn: „Ger­hard ist ein Stück von mir, ein Stück mei­nes Le­bens. Oh­ne ihn wä­re al­les nichts. Ich he­ge lei­den­schaft­lichs­te Ge­füh­le für ihn, mal sind es Ängs­te, oft Glücks­ge­füh­le, die ich al­lein durch die Tat­sa­che emp­fin­de, dass er lebt.“

was für ein schmerz­haf­ter Pro­zess ist die­ses Trau­ern!

Sie muss ler­nen, oh­ne ihn zu le­ben. Oh­ne ihn zu la­chen. Oh­ne ihn zu ge­nie­ßen. Aber wie schafft man es, ein neu­es Le­ben an­zu­fan­gen? Wie kann man den Ver­lust ei­nes Men­schen je­mals ver­kraf­ten? Di­plom-Psy­cho­lo­gin Doris Wolf ist Trau­er­ex­per­tin und weiß, was Men­schen durch­ma­chen, die je­man­den ver­lo­ren ha­ben: „Es ist in Ord­nung, mit dem Schick­sal zu ha­dern, sich zu be­dau­ern und zu be­mit­lei­den. Aber man soll nicht al­lein blei­ben, sich nicht ver­krie­chen, son­dern über sei­ne Ge­füh­le spre­chen.“

Über ih­re Ge­füh­le nach dem Tod ih­res Le­bens­ge­fähr­ten Wolf­gang Ra­de­mann († 81) im Ja­nu­ar spricht jetzt Ruth Ma­ria Ku­bit­schek, 85. 42 Jah­re wa­ren die bei­den ein Paar. Und ob­wohl die Schau­spie­le­rin an ein Le­ben nach dem Tod glaubt und dem Thema ge­gen­über ei­ne po­si­ti­ve Grund­ein­stel­lung hat, so hat der Ver­lust ih­res Part­ners sie völ­lig aus der Bahn ge­wor­fen. „Die Trau­er er­wischt dich eben doch. Auch wenn man viel über den Tod weiß“, sagt Ruth Ma­ria Ku­bit­schek jetzt. Und nicht nur ih­re See­le lei­det, auch ihr Kör­per. Sie be­kam Herz­rhyth­mus­stö­run­gen, Atem­not und nimmt seit­dem Herz­ta­blet­ten.

sie kommt mit dem le­ben oh­ne ihn nicht zu­recht.

Und sucht Hil­fe bei ei­nem bra­si­lia­ni­schen Hei­ler João de Deus, der in ei­nem spi­ri­tu­el­len Zen­trum in Aba­dia­nia lebt. Dort wohnt die Schau­spie­le­rin in ei­ner ein­fa­chen Kam­mer, lebt von Obst und Kar­tof­feln und hüllt sich in wei­ße Klei­dung. Sie be­tet und me­di­tiert. Es hilft ihr, wie­der klar zu wer­den über sich und das Le­ben. „Seit­dem ich zu­rück bin, den­ke ich po­si­tiv und lä­chelnd an Wolf­gang. Sein Ver­lust tut nicht mehr so weh.“Ih­re See­le ha­be sich wie­der er­holt, sagt sie. „Wolf­gang ist auch noch nicht ganz ge­gan­gen, weil ich mit ihm und sei­ner Trau­er­ver­ar­bei­tung noch nicht fer­tig bin.“

Wolf­gang Ra­de­mann war so ganz an­ders als sei­ne „Ku­bi“, wie er sie lie­be­voll nann­te. Er war ein Rea­list mit Ber­li­ner Schnau­ze. Ih­re Lei­den­schaft fürs Spi­ri­tu­el­le konn­te er nicht nach­voll­zie­hen. Was wür­de er über Ku­bis Bra­si­li­en­rei­se den­ken? „Er wür­de sa­gen: Ruth, du spinnst.“

Auch Sän­ge­rin Pao­la, 65, ver­lor ih­ren ge­lieb­ten Mann Kurt Fe­lix († 71), er starb an Krebs. Er war ihr „See­len­ver­wand­ter“. Ein Jahr lang brauch­te sie, um aus dem Tief her­aus­zu­kom­men. „Hin­ter mir liegt ein Jahr un­end­li­cher Trau­rig­keit, ein Jahr der Zu­rück­ge­zo­gen­heit, die ich ganz fest ge­braucht ha­be. Mei­ne See­le muss­te erst wie­der lau­fen ler­nen. Aber Kurt fehlt mir je­den Tag.“Was ihr ge­hol­fen hat? „Mei­ne Fa­mi­lie, mei­ne Freun­de.“

Je­der Mensch trau­ert auf sei­ne Wei­se. Und doch ist der Schmerz für al­le gleich. Wie er­trägt man ihn? „In der schlimms­ten Trau­er­pha­se im­mer nur für ei­nen Tag pla­nen. Ei­nen Tag ver­su­chen, den Schmerz aus­zu­hal­ten. Mor­gen kann man neu ent­schei­den. Und den Blick weg­wen­den von dem, was man ver­lo­ren hat, und auf das len­ken, was ge­blie­ben ist“, sagt Psy­cho­lo­gin Doris Wolf. „Ir­gend­wann kommt für je­den die Fra­ge: Wie möch­te ich mei­nem Le­ben jetzt ei­nen Sinn ge­ben? Aber das braucht Zeit.“Wie viel Zeit Chris­tia­ne Hör­bi­ger braucht, das weiß nur sie selbst. •

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