In­ti­me Ko­lum­ne

SEITENSPRÜNGE ODER SWINGERKLUBS SIND OFT EIN VEN­TIL, UM IN­NE­RE SPAN­NUN­GEN AB­ZU­BAU­EN

Meins - - Inhalt - Clau­dia, 58 Al­les Lie­be wünscht Ih­nen Ih­re Dr. Bea­tri­ce Wa­gner

Ero­ti­sche Par­tys sind heu­te durch­aus stil­voll

Mit mei­nem Part­ner bin ich seit fünf Jah­ren zu­sam­men. Ich bin sehr glück­lich mit ihm. Der Sex ist gut. Viel­leicht nur et­was sel­ten. Des­halb ge­he ich schon lan­ge ge­le­gent­lich in Swingerklubs, da ich das für mein er­füll­tes Se­xu­al­le­ben brau­che. Ich er­fin­de im­mer neue Not­lü­gen. Aber ir­gend­wie füh­le ich mich nicht gut da­bei – ha­be auch im­mer Angst, auf­zu­flie­gen …

Lie­be Clau­dia,

Sie be­fin­den sich wirk­lich in ei­nem Kon­flikt. Ei­ner­seits wün­schen Sie sich ein er­füll­tes Sex­le­ben, für das Sie aber „dum­mer­wei­se“an­de­re Män­ner brau­chen. An­de­rer­seits wert­schät­zen Sie Ih­re Be­zie­hung, die mit Lie­be, Ge­bor­gen­heit und Glück ein­her­geht. Das möch­ten Sie nicht aufs Spiel set­zen. Wahr­schein­lich be­fürch­ten Sie, dass Ihr Part­ner ver­letzt ist, wenn er von Ih­ren Swin­ger­klub-Be­su­chen er­fährt – und dann aus Ih­rer Be­zie­hung aus­steigt. Hät­ten Sie die­se Be­fürch­tung nicht, wür­den Sie ja nicht zu den Not­lü­gen grei­fen. Und hier se­he ich den Ha­ken an Ih­rem Ar­ran­ge­ment: Es funk­tio­niert nur hin­ter dem Rü­cken Ih­res Part­ners. Der wur­de oh­ne sein Wis­sen in ei­ne be­stimm­te Si­tua­ti­on ma­nö­vriert. Da­mit hat er gar nicht die Mög­lich­keit, sich da­für oder da­ge­gen zu ent­schei­den oder sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Denn er ahnt ja von all­dem nichts.

So ganz wohl ist Ih­nen da­bei nicht, das sa­gen Sie ja auch. Ir­gend­wo in Ih­rem In­ne­ren wis­sen Sie, dass ei­ne Be­zie­hung eher auf Of­fen­heit be­ru­hen soll­te als auf Heim­lich­kei­ten. Hier ar­bei­ten Sie al­so ge­gen Ihr ei­ge­nes Moral­emp­fin­den. Das tut Ih­nen auf Dau­er nicht gut. Zu­dem be­trü­gen Sie sich selbst um ei­ne Wachs­tums­chan­ce: An­statt den Kon­flikt in Ih­rer Part­ner­schaft zu lö­sen, su­chen Sie sich von au­ßen ein Trost­pflas­ter. Hier se­he ich die Ge­fahr, dass sich Ih­re Be­zie­hung ir­gend­wann kom­plett fest­fah­ren wird.

So, jetzt ha­be ich Ih­nen aber ge­nug den Kopf ge­wa­schen. Da­bei möch­ten Sie nicht nur wis­sen, was Sie falsch ma­chen, son­dern vor al­lem auch, was Sie bes­ser ma­chen kön­nen. Zu­nächst soll­ten Sie sich die ent­schei­den­de Fra­ge stel­len: Was reizt Sie am Swin­ger­klub, was Sie nicht von Ih­rem Part­ner ha­ben kön­nen? Ist es die Ab­wechs­lung, weil Ih­nen der Sex mit dem im­mer glei­chen Part­ner lang­wei­lig wird? Oder ist es die Un­ge­zwun­gen­heit in ei­nem sol­chen Klub? Ero­ti­sche Par­tys sind ja heut­zu­ta­ge kein Schmud­del- kram mehr, es geht nicht ums blo­ße Rum­vö­geln in ei­nem dunk­len Kel­ler­klub, son­dern es ist ein stil­vol­ler Trend ge­wor­den. Vie­le Swin­ger möch­ten ein­fach ei­ne gu­te Zeit er­le­ben: Sie wol­len ei­ne tol­le Lo­ca­ti­on, ein le­cke­res Buf­fet, gu­te, stim­mungs­vol­le Mu­sik und als i-Tüp­fel­chen auch noch Sex. Dies hat erst kürz­lich die So­zio­lo­gin Mi­ri­am Venn in ih­rer Dok­tor­ar­beit be­schrie­ben.

Die meis­ten die­ser Punk­te könn­ten Sie oh­ne Ei­fer­sucht als Paar ge­nie­ßen. Von da­her soll­ten Sie ein­mal mit Ih­rem Part­ner spre­chen und ihm da­von er­zäh­len, dass Sie die Swin­ger­sze­ne reizt. Viel­leicht macht er mit? Sie brau­chen ja beim ers­ten ge­mein­sa­men Be­such nicht di­rekt Sex mit Frem­den zu ha­ben, son­dern schau­en sich mit Ih­rem Part­ner das Trei­ben auf den Spiel­wie­sen zu­nächst nur an. Al­lein schon das macht Ih­ren Sex zu Hau­se wie­der auf­re­gen­der. Und beim nächs­ten Mal könn­ten Sie ei­nen Schritt wei­ter­ge­hen.

Was aber, wenn er für das Ex­pe­ri­ment ge­ne­rell zu ei­fer­süch­tig ist? Das gibt es auch. Dann soll­ten Sie sich zu zweit über­le­gen, was in Ih­rer Part­ner­schaft nicht stimmt. Oft steht das Ge­fühl der Un­frei­heit hin­ter den se­xu­el­len Aus­bruchs­ver­su­chen. Der Sei­ten­sprung oder der Swin­ger­klub stellt dann das Ven­til dar, da­mit Sie Ih­re in­ne­re An­span­nung ab­bau­en und in Ih­rer Be­zie­hung wei­ter­le­ben kön­nen. Mög­li­cher­wei­se wei­chen Sie auch an­de­ren Kon­flik­ten aus – der Ge­bor­gen­heit zu­lie­be. Das ist aber falsch: Hier heißt es, die Ur­sa­che an­ge­hen und nicht län­ger an den Sym­pto­men her­um­dok­tern. Auch das geht nur zu­sam­men mit Ih­rem Part­ner, even­tu­ell mit Un­ter­stüt­zung ei­ner Paar- und Se­xu­althe­ra­peu­tin, die sich vor­ur­teils­frei Ih­re Be­dürf­nis­se und Ih­re La­ge an­schaut. •

FüR Sie da: Se­xu­alt­heR apeu­tin Beat ice R Wa­gneR Die Paar- und Se­xu­althe­ra­peu­tin mit Pra­xis in Mün­chen be­ant­wor­tet gern Ih­re in­ti­men Fra­gen. Schrei­ben Sie ver­trau­ens­voll an: re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com Dr. BeA­trI­Ce WA­gner, 52

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