Neue Chan­ce für al­te Ha­sen

Die Job­su­che mit 50+ ist gar nicht so ein­fach. Doch mit den rich­ti­gen Stra­te­gi­en ge­lin­gen uns Ar­beits­platz­wech­sel oder auch Wie­der­ein­stieg

Meins - - Mein Leben - VON SABINE KÄMPER

Auch wenn de­mo­gra­fi­scher Wan­del und der viel zi­tier­te Fach­kräf­te­man­gel lang­sam ei­ne Trend­wen­de ein­läu­ten, ist „äl­ter“oft im­mer noch ne­ga­tiv be­setzt, weiß Kar­rie­r­e­be­ra­te­rin Ma­de­lei­ne Leit­ner: „Un­fle­xi­bel, un­be­lehr­bar, im War­te­stand auf die Ren­te und oben­drein auch noch viel zu teu­er, das sind die gän­gi­gen Vor­ur­tei­le.“Da­bei hat Se­nio­ri­tät durch­aus Plus­punk­te: Er­fah­rung und Wis­sen, aber auch ei­ne an­de­re Ar­beits­mo­ral. Äl­te­re Ar­beit­neh­mer sind meist pünkt­li­cher, loya­ler, ha­ben mehr Biss und Durch­hal­te­ver­mö­gen. Das ha­ben in­zwi­schen auch vie­le Chefs er­kannt, und die­se Trümp­fe gilt es aus­zu­spie­len.

Den Fo­kus le­gen wir auf uns und un­se­re Stär­ken

Zu­nächst soll­ten wir uns un­se­re Stär­ken und Schwä­chen be­wusst ma­chen. Ge­ra­de beim Wie­der­ein­stieg in den Job müs­sen wir mög­li­cher­wei­se mit ge­ziel­ten Wei­ter­bil­dun­gen unser Wis­sen auf den neu­es­ten Stand brin­gen. Auch beim Be­wer­bungs­schrei­ben selbst kon­zen­trie­ren wir uns auf Stär­ken und Qua­li­tä­ten. Ta­bu ist al­les, was auf das Al­ter hin­weist, et­wa For­mu­lie­run­gen wie „Mit 51 Jah­ren möch­te ich …“Ein Muss hin­ge­gen: „Un­be­dingt die Per­son in den Vor­der­grund rü­cken“, rät Ma­de­lei­ne Leit­ner. Am bes­ten ver­su­chen wir, den Ar­beit­ge­ber persönlich zu kon­tak­tie­ren, bei­spiels­wei­se, in­dem wir die Be­wer­bung selbst dort ab­ge­ben. Die Er­folgs­chan­cen sind al­ler­dings bei of­fi­zi­ell aus­ge­schrie­be­nen Stel­len meist eher ge­ring. Er­folg ver­spre­chen­der ist der ver­deck­te Stel­len­markt. „Über ihn wer­den min­des­tens eben­so vie­le Jobs ver­ge­ben“, weiß die Ex­per­tin. „Fra­gen Sie bei Freun­den, Ver­wand­ten, Be­kann­ten und Ex-Kol­le­gen nach. Spre­chen Sie das The­ma auch beim Fri­seur, Steu­er­be­ra­ter oder mit der Apo­the­ke­rin, al­so al­len, die viel Kun­den­kon­takt ha­ben, an.“

Mit De­tek­tiv­ar­beit zum Traum-Ar­beit­ge­ber

Initia­tiv­be­wer­bun­gen sind ein wei­te­rer Weg. Wo weiß man Er­fah­rung und Se­nio­ri­tät zu schät­zen? Wel­cher Arbeit-

ge­ber könn­te zu mir pas­sen? Hier ist ein biss­chen De­tek­tiv­ar­beit ge­fragt. Oft geht es dann so­gar oh­ne klas­si­sche Be­wer­bung. „Ein­fach mal hin­ge­hen und Gu­ten Tag sa­gen“, rät Ma­de­lei­ne Leit­ner. Na­tür­lich soll­ten wir schon be­grün­den kön­nen, war­um wir uns ge­ra­de die­se Fir­ma aus­ge­sucht ha­ben. Grund­sätz­lich klappt so ei­ne Kon­takt­auf­nah­me bes­ser bei klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Be­trie­ben; bei grö­ße­ren Fir­men schau­en wir, ob wir vi­el­leicht je­man­den ken­nen, der je­man­den dort kennt. „Au­ßer­dem soll­ten Sie über­le­gen, wo es bei der Fir­ma klem­men könn­te. Brau­chen die vi­el­leicht je­man­den, der nach­mit­tags ei­ne Halb­tags­stel­le aus­füllt oder kurz­fris­tig ein­sprin­gen kann?“, rät Ma­de­lei­ne Leit­ner.

Kom­pe­tenz­pro­fil statt klas­si­schem Le­bens­lauf

Heu­te ist ein um­ge­kehrt chro­no­lo­gisch auf­ge­bau­ter Le­bens­lauf die Norm, d. h., wir fan­gen mit dem Ak­tu­el­len an und ar­bei­ten uns so­zu­sa­gen rück­wärts vor. So sieht man auf den ers­ten Blick, wo wir im Mo­ment ste­hen. Der Ha­ken: Sind wir ge­ra­de mal nicht be­rufs­tä­tig, dann sticht die­ses Han­di­cap so­fort ins Au­ge. Der be­son­de­re Tipp von Ma­de­lei­ne Leit­ner: ein Kom­pe­tenz­pro­fil statt Le­bens­lauf er­stel­len. „Auf ei­ner Sei­te schrei­ben Sie auf, was Sie an­zu­bie­ten ha­ben. Qua­si wie auf ei­ner Spei­se­kar­te, die Ap­pe­tit macht und zur Aus­wahl ein­lädt.“

Und wie sieht so ein Kom­pe­tenz­pro­fil aus? Oben im Kopf wird die Vi­ta kurz zu­sam­men­ge­fasst, al­so Aus­bil­dung, Er­fah­rung etc. Dar­un­ter fas­sen wir un­ter ei­ni­gen Haupt­punk­ten zu­sam­men, was wir zu bie­ten ha­ben: Fach­wis­sen, aber auch Fä­hig­kei­ten, die in­for­mell er­wor­ben wur­den, wie Hob­bys und eh­ren­amt­li­che Tä­tig­kei­ten, wenn sie ei­nen Be­zug zum an­ge­streb­ten Job ha­ben. Solch ein Kom­pe­tenz­pro­fil ist auch sinn­voll, wenn es be­ruf­lich in ei­ne et­was an­de­re Rich­tung ge­hen soll, Stichwort: Quer­ein­stieg. Auch Zeit­ar­beit kann üb­ri­gens ein Sprung­brett zu ei­nem neu­en Job sein. Und ei­ne wei­te­re Op­ti­on, die wir nicht ver­ges­sen soll­ten: Wir ma­chen uns selbst­stän­dig.

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