Ko­lum­ne

Kommt doch mal vor­bei!

Meins - - Inhalt -

Seit Ta­gen ha­ben mein Mann und ich das Haus nicht mehr durch die Vor­der­tür ver­las­sen. Nur nachts schlei­chen wir über den Kel­ler­auf­gang nach drau­ßen und hu­schen zur Tank­stel­le, wo wir uns mit Le­bens­mit­teln, Ker­zen und ein paar Zeit­schrif­ten ein­de­cken. Ir­gend­et­was muss man ja tun ge­gen die Lan­ge­wei­le, und der fla­ckern­de Bild­schirm ei­nes Fern­se­hers könn­te uns ver­ra­ten. Sie wür­den kom­men, und sie wür­den blei­ben! Min­des­tens ei­ne Wo­che, das ha­ben sie an­ge­droht. Da­mals dach­ten wir, es wä­re ein Scherz, aber nach ein paar ge­mein­sa­men Ur­laubs­ta­gen mit Sig­gi und Jut­ta Mül­ler (Na­men von der Au­to­rin ge­än­dert), wis­sen wir, dass die Mül­lers nicht scher­zen. We­nigs­tens nicht, wenn es um die An­kün­di­gung geht, uns nach dem Mallor­ca-Ur­laub in Ham­burg zu be­su­chen.

Ken­nen­ge­lernt ha­ben wir

die bei­den auf ei­ner ge­führ­ten Wan­de­rung durch die Ber­ge. Wir hat­ten un­se­re Was­ser­fla­schen ver­ges­sen, Sig­gi gab uns sei­ne („Noch nicht an­ge­leckt, ver­spro­chen!“). Ich fand das nett und lud die bei­den für abends in die Ho­tel­bar ein. Da­nach wur­den aus zu­fäl­li­gen Tref­fen am Pool ge­plan­te Ver­ab­re­dun­gen zum Abend­es­sen, und am Mor­gen dar­auf trom­pe­te­te Jut­ta qu­er durch den Früh­stücks­raum, dass sie für uns zwei Plätz­chen an ih­rem Tisch frei­ge­hal­ten hät­te. Sie schlos­sen sich un­se­rem Aus­flug nach Pal­ma an, weil sich ein Leih­wa­gen zu viert doch viel mehr lohnt, und sie or­ga­ni­sier­ten un­ge­fragt die Be­sich­ti­gung ei­ner Öl­müh­le im Hin­ter­land.

Ir­gend­wie hat­ten mein Mann und ich den Zeit­punkt ver­passt, an dem man oh­ne pein­li­ches Her­um­la­men­tie­ren aus der zwangs­ehe­ähn­li­chen Ge­mein­schaft hät­te aus­stei­gen kön­nen. Ein Feh­ler. Nicht dass die Mül­lers nicht nett ge­we­sen wä­ren, sie wa­ren nur von al­lem zu viel. Zu laut, wenn Sig­gi wie ein spa­ni­scher Groß­grund­be­sit­zer in ei­ner Kn­ei­pe „Cer­ve­za, und zwar schön frio!“be­stell­te. Zu schnell, wenn mein Mann und ich heim­lich an den Strand woll­ten und vor Ort fest­stell­ten, dass die bei­den längst da wa­ren. Und zu ge­schickt im Er­fra­gen un­se­rer Adres­se, als dass wir uns ei­ne Aus­re­de hät­ten ein­fal­len las­sen kön­nen. „Ihr sag­tet ja, dass ihr zu Hau­se noch ’ne Wo­che Ur­laub habt“, mein­te Jut­ta am Ab­flug­tag. „Passt uns su­per, Ham­burg steht schon lan­ge auf un­se­rer Lis­te!“ seit­dem le­ben wir in­ko­gni­to, be­ant­wor­ten kei­ne Te­le­fo­na­te mehr und igno­rie­ren sämt­li­che E-Mails. „Wir könn­ten noch ein paar Ta­ge weg­fah­ren“, schlug mein Mann vor und zuck­te zu­sam­men, als er mei­nen ge­nerv­ten Ge­sichts­au­druck sah. Bes­ser nicht. Die Fol­ge­schä­den las­sen sich ein­fach nicht ab­se­hen … •

ALO­HA ’OE! NICHT DASS MÜL­LERS NICHT NETT WÄ­REN, NUR VON AL­LEM Z U VIEL

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