Was ein ein­zi­ger Trop­fen Blut ver­rät

Blut­zu­cker, Cho­le­ste­rin und Ei­sen – jetzt kön­nen wir mit­re­den, wenn unser Dok­tor den La­bor­zet­tel zückt

Meins - - Inhalt - VON ALEX­AN­DRA SUHLING

Aus­ge­wo­gen essen, viel be­we­gen, nicht stres­sen las­sen und acht St­un­den pro Nacht gut schla­fen – wir wis­sen eben, wie wir fit blei­ben! Des­we­gen las­sen wir auch kei­nen der für uns kos­ten­lo­sen Ge­sund­heits-Checks beim Arzt aus! Al­le zwei Jah­re nimmt der uns näm­lich Blut ab, schickt es ins La­bor und teilt uns mit, dass al­les in Ord­nung ist. Doch woran er­kennt unser Arzt ei­gent­lich, wenn uns doch et­was fehlt? Et­wa wich­ti­ge Mi­ne­ral­sal­ze wie Ka­li­um, Na­tri­um und Ma­g­ne­si­um – oder ob ein Or­gan Hil­fe braucht? Um die Spra­che des Blu­tes bes­ser zu ver­ste­hen, ler­nen wir doch gern ein biss­chen „La­bor-Latein“:

Un­se­re Or­ga­ne brau­chen fri­sche Luft

Schon mit dem so­ge­nann­ten klei­nen Blut­bild le­gen wir ein Zeug­nis ab. Und zwar über un­se­re aus­sa­ge­kräf­tigs­ten Blut­be­stand­tei­le: z. B. die Ery­thro­zy­ten (ro­te Blut­kör­per­chen), das Hä­mo­glo­bin (ro­ter Blut­farb­stoff ) und die Leu­ko­zy­ten (wei­ße Blut­kör­per­chen). So ver­rät uns bei­spiels­wei­se die Men­ge der ro­ten Blut­kör­per­chen, ob un­se­re Zel­len für al­le Stoff­wech­sel­vor­gän­ge ge­nug Sau­er­stoff aus der Lun­ge er­hal­ten. Und ob schäd­li­ches Koh­len­di­oxid aus dem Ge­we­be wie­der dort­hin zu­rück­ge­bracht wird. Als Richt­schnur gel­ten hier Men­gen von rund 5 Mil­lio­nen Ery­thro­zy­ten pro Mi­kro­li­ter Blut! Ist die Zahl nied­ri­ger, fehlt un­se­ren Zel­len buch­stäb­lich die Luft zum At­men. Und das heißt: Herz, Nie­ren, Darm und Co. sind we­ni­ger leis­tungs­stark. Vi­el­leicht der Grund, wes­halb wir schlapp sind, Kopf­weh ha­ben und uns kaum kon­zen­trie­ren kön­nen? Unser Arzt wird den ge­nau­en Ur­sa­chen na­tür­lich so­fort mit dem gro­ßen Blut­bild und wei­te­ren Un­ter­su­chun­gen auf den Grund ge­hen. Üb­ri­gens: Bei Mü­dig­keit kann auch das Hä­mo­glo­bin ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len, weil näm­lich Sau­er­stoff nur am ei­sen­hal­ti­gen ro­ten Blut­farb­stoff an­do­cken kann. Unser Hä­mo­glo­bin­wert soll­te da­her min­des­tens bei ca. 12 g pro De­zi­li­ter Blut lie­gen.

Was Le­ber und Nie­ren sa­gen, neh­men wir ernst

Der Co­gnac am Vor­abend, die Bra­ten­krus­te mit­tags oder die Hek­tik der letz­ten Wo­chen – al­les, was wir täg­lich auf­neh­men, spie­gelt sich im Blut wi­der. Per­fekt, so wis­sen wir im­mer, ob z. B. un­se­re Cho­le­ste­rin­und Blut­zu­cker­wer­te stim­men. Denn ein Zu­viel die­ser Stof­fe, die von Le­ber und Nie­ren ins Blut ab­ge­ge­ben wer­den, warnt uns recht­zei­tig vor schwe­ren Er­kran­kun­gen wie Herz­in­farkt und Schlag­an­fall bis hin zu Dia­be­tes. Auf un­se­rem La­bor­zet­tel le­sen sich die De­tails im Nor­mal­fall in et­wa so: Ge­samt­cho­le­ste­rin bis 200 mg/dl und Blut­zu­cker (Glu­ko­se) max. 100 mg/dl. Bei ei­nem Harn­säu­re­wert von dau­er­haft über 6 mg/ dl wird ge­prüft, ob ei­ne Nie­renoder Gich­ter­kran­kung vor­liegt. Zu­dem wacht der Arzt mit Ar­gus­au­gen über unser Haupt-Ent­gif­tungs­or­gan, die Le­ber! Ge­nau­er gesagt über le­ber­spe­zi­fi­sche Wer­te wie z. B. das Gam­ma-GT. Als nor­mal gilt hier ein Wert von max. 40 U/L. In­ter­es­sant ist aber: Nach drei Glä­sern Bier ist die­ser Wert schon deut­lich er­höht und zeigt an, dass un­se­re Le­ber über­las­tet ist. Das er­klärt na­tür­lich, war­um uns nüch­tern Blut ab­ge­nom­men wird und wir dem Arzt er­zäh­len, wenn wir am Vor­tag ein Gläs­chen zu viel oder ein biss­chen zu fett ge­ges­sen ha­ben …

Ent­zün­dun­gen pa­cken wir am Schla­fitt­chen

Wie Po­li­zis­ten im Dau­er­ein­satz pa­trouil­lie­ren wei­ße Blut­kör­per­chen, un­se­re Leu­ko­zy­ten, durch Adern und Lymph­ge­fä­ße. Prak­tisch, denn so kön­nen die flei­ßi­gen Hel­fer un­se­res Im­mun­sys­tems je­der­zeit Ein­dring­lin­ge aus­fin­dig ma­chen und ver­nich­ten. Ein er­höh­ter Wert (über 10 000 pro Mi­kro­li­ter Blut) zeigt uns da­her an, wenn der

Kör­per z. B. ge­gen bak­te­ri­el­le In­fek­tio­nen wie Bron­chi­tis, All­er­gi­en, Pil­ze oder auch Krebs­zel­len mo­bil macht und die­se be­kämpft. Liegt der Wert al­ler­dings un­ter 5000 pro Mi­kro­li­ter, könn­te ei­ne Schä­di­gung des Im­mun­sys­tems da­hin­ter­ste­cken und wei­te­re Un­ter­su­chun­gen er­for­der­lich ma­chen. Wich­tig ist zu­dem das C-re­ak­ti­ve Pro­te­in (CRP) für un­se­re Ab­wehr, ein Ei­weiß, das bei Ent­zün­dun­gen eben­falls deut­lich er­höht ist. Die Ur­sa­che da­für kann so­gar ei­ne bak­te­ri­el­le In­fek­ti­on un­se­res Her­zens sein! Der Wert er­höht sich aber auch bei an­de­ren aku­ten Ent­zün­dun­gen wie des Blind­darms, der Lun­ge oder bei Harn­weg­sin­fek­ten. Nor­mal ist ein Wert bis 5 mg/l Blut, kri­tisch wird es ab 200 mg/l.

So­gar Lust und Lau­nen „ste­hen“in un­se­rem Blut

Füh­len wir uns dünn­häu­tig und leer, steckt nicht zwangs­läu­fig ei­ne De­pres­si­on oder Or­gan­stö­rung da­hin­ter. Vi­el­leicht sind un­se­re Ener­gie­s­prei­cher ein­fach auf­ge­braucht? Dann brau­chen wir Vi­tal­stof­fe, zum Bei­spiel Vit­amin B12. Sinkt das Gu­te-Lau­ne-Vit­amin näm­lich auf un­ter 210 Pi­ko­gramm pro Mil­li­li­ter Blut ab, ha­ben wir nichts zu la­chen. Na­tür­lich kön­nen wir zu­sätz­lich das Wohl­fühl-Hor­mon Vit­amin D so­wie stim­mungs­re­le­van­te Schild­drü­sen­hor­mo­ne be­stim­men las­sen. Die Kos­ten tra­gen wir aber selbst, wenn kein Ver­dacht auf ei­ne Krank­heit be­steht. Kein Pro­blem, un­se­re Gesundheit ist uns das schließ­lich wert! •

Son­ne kuR­belt die Bil­dung vom Feel-goo­dVit­amin D an

FriSchLuFtFaNS Ge­nug Sau­er­stoff im Blut hält un­se­re Zel­len fit Rund 6 Li­teR Blut flie­ßen duRch un­se­Ren KöR­peR

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.