Rei­se-Kurz­trip

Boots­tour durch die Bre­ta­gne

Meins - - Inhalt -

Zu­ge­ge­ben, an­fangs war ich ent­täuscht, dass das gro­ße Haus­boot mit ge­ra­de mal zwölf St­un­den­ki­lo­me­tern durch die Ge­gend tu­ckert – in mei­ner Fan­ta­sie sah ich mich näm­lich schon in Bond-Ma­nier den Fluss ent­lang­dü­sen. Als wir die ers­te Schleu­se er­rei­chen, ist dann Action an­ge­sagt: Husch, husch, ei­ner an den Bug, ei­ner ans Heck! Was war noch mal vorn und was hin­ten? Zum Stop­pen den Rück­wärts­gang ein­le­gen, mit dem Bug­strahl­ru­der die Rich­tung kor­ri­gie­ren – und das mehr als 14 Me­ter lan­ge Boot si­cher in die Schleu­se ma­nö­vrie­ren. Schnell die Sei­le um die Pol­ler und straff hal­ten.

Ein fran­zö­si­scher Wort­schwall reg­net vom Schleu­sen­wär­ter oben auf dem Kai auf uns her­ab. Er ru­dert wild mit Ar­men und Bei­nen und wirkt mit sei­nem lan­gen Bart wie ein zap­peln­der Gar­ten­zwerg. Mein Kopf ver­sucht, ein paar Fet­zen Schul­fran­zö­sisch her­vor­zu­kra­men. Seil, Bei­ne, wi­ckeln …? Em­sig wi­ckeln wir uns das Tau um die Bei­ne. Der Schleu­sen­wär­ter weiß nicht recht, ob er la­chen oder wei­nen soll. Na­tür­lich sol­len wir uns NICHT das Seil um die Bei­ne wi­ckeln, sonst könn­te es uns vom Boot hau­en. Be­reits die drit­te Schleu­se wer­den wir aber wie er­fah­re­ne Süß­was­ser­ma­tro­sen meis­tern.

Al­le Mann an Bord heißt es

in der klei­nen Ge­mein­de Mes­sac, wo sich ei­ne Sta­ti­on von Le Boat, un­se­rem Haus­boot­ver­lei­her, be­fin­det. Wir wer­den knapp vier Ta­ge un­ter­wegs sein und auf dem Boot über­nach­ten. Strom und Was­ser ha­ben wir im­mer. Nach ei­ner gründ­li­chen Ein­füh­rung sind wir fast klar zum Ab­le­gen. Schnell ist das Ge­päck in den klei­nen, aber ge­müt­li­chen Ka­jü­ten ver­staut, und wir sind

mit bre­to­ni­schen Spe­zia­li­tä­ten ver­sorgt. Be­son­ders schme­cken mir der Cid­re und flüs­si­ges Ca­ra­mel au be­ur­re salé. Das Ka­ra­mell aus ge­sal­ze­ner But­ter auf fri­schen Crê­pes – ein Traum!

Auf zu neu­en Ufern! Wir wer­den mal an ver­las­se­nen An­le­gern, mal im Ha­fen fest­ma­chen. Un­ter­wegs glei­ten ver­wun­sche­ne Fluß­land­schaf­ten und wei­te Fel­der an uns vor­bei.

In Re­don las­sen wir uns durchs Städt­chen füh­ren, das dank sei­ner La­ge an den Flüs­sen Vi­lai­ne und Oust im Mit­tel­al­ter ein be­deu­ten­der Was­ser­stra­ßen­kno­ten­punkt war. Skur­ril wirkt der frei ste­hen­de Glo­cken­turm der Be­ne­dik­ti­ner-Ab­tei Saint-Sau­veur, se­hens­wert ist auch das Schloss Le Mail.

In­zwi­schen steu­ern wir unser Zu­hau­se auf Zeit sehr rou­ti­niert – und wei­ter ins ma­le­ri­sche La Ga­cil­ly, wo Yves Ro­cher das Licht der Welt er­blick­te und auch den Grund­stein für sein Kos­me­ti­kIm­pe­ri­um leg­te. Dort gön­nen wir ein wun­der­vol­les Drei-Gän­ge-Me­nü im „Les En­fants Gat’Thés“und ein ech­tes Kunst-High­light: Rie­si­ge Fotos an den Fas­sa­den ver­wan­deln La Ga­cil­ly all­jähr­lich in ei­ne Frei­luft-Ga­le­rie für be­kann­te Fo­to­gra­fen.

Schon ist es Zeit für den Rück­weg. Hier und da glit­zern ein paar Son­nen­strah­len durchs Blät­ter­dach, wäh­rend wir ge­mäch­lich den Fluss ent­lang­schip­pern. Ein Rei­her be­glei­tet uns ein Stück, be­vor er ab­dreht und im Grün am Fluss­rand ver­schwin­det. Ich nip­pe an mei­nem Cid­re und schaue ihm hin­ter­her. Al­les duf­tet nach Som­mer und Na­tur, ich at­me tief durch und füh­le mich – zum ers­ten Mal seit Ewig­kei­ten – so rich­tig ent­spannt. •

Fo­to­SA­FA­ri Auf den Flüs­sen Aff und Vi­lai­ne ist die Ka­me­ra im Dau­er­ein­satz

Ahoi, mes amis! MeinS-Fo­to­re­dak­teu­rin Me­la­nie Schneid ist schon nach kur­zer Zeit Haus­boot­pro­fi und hat die Ka­pi­täns­müt­ze auf

LAnd­rAt­ten brau­chen auch mal Land­gang, um die Ge­gend zu er­kun­den. Kat­ja macht schon mal fest

Sa­voir-vi­v­re Pick­nick mit Le­cke­rei­en aus der Re­gi­on. Schö­ner kann man nicht Pau­se ma­chen

Bon Ap­pé­tit! Rich­tig le­cker sind die Ge­rich­te mit Bio-Ge­mü­se. Der Fisch zer­geht auf der Zun­ge

Wie ein BiL­der­Buch Me­la­nie und Kat­ja (r.) stau­nen über ma­le­ri­sche Gas­sen und ma­gi­sche Fotos

Vi­Si­te iM Ge­BurtS­hAuS von Yves Ro­cher. Hier grün­de­te er auch sei­ne Mar­ke: mit ei­ner Hä­mor­rhoi­den­sal­be

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