In­ti­me Ko­lum­ne

Meins - - Inhalt - Ich wün­sche Ih­nen al­les Gu­te Ih­re Dr. Ve­re­na Brei­ten­bach

Der Mann, in den ich mich ver­liebt ha­be, ist 20 Jah­re äl­ter als ich. Wir ver­ste­hen uns gut. Aber er hat Pro­ble­me mit der Se­xua­li­tät. Er kann nicht mehr. Ich glau­be, es heißt erek­ti­le Dys­funk­ti­on. Was kann ich tun? Nora, 55

Lie­be Nora,

vie­len Dank für Ih­re Fra­ge und Ihr Ver­trau­en. Erst mal herz­li­chen Glück­wunsch, dass Sie sich ver­liebt ha­ben und glück­lich sind. Das ist ein gro­ßes Ge­schenk und kann wirk­lich in je­dem Al­ter pas­sie­ren. Das ist doch toll! Es ist auch wun­der­schön, dass Sie sich nach ei­ner er­füll­ten Se­xua­li­tät seh­nen. Das ist gut für Sie, Ih­ren Part­ner, die Be­zie­hung und in je­dem Al­ter mög­lich.

Lei­der ha­ben ei­ni­ge Män­ner Pro­ble­me mit der so­ge­nann­ten erek­ti­len Dys­funk­ti­on. Das ist der me­di­zi­ni­sche Be­griff und be­deu­tet, dass sie kei­ne rich­ti­ge Erek­ti­on be­kom­men kön­nen. Für Män­ner und auch de­ren Part­ne­rin­nen ist es häu­fig ein gro­ßes Pro­blem. Für vie­le Män­ner hängt die Männ­lich­keit zum gro­ßen Teil da­von ab. De­pres­sio­nen, Ängs­te und noch mehr Po­tenz­stö­run­gen kön­nen die Fol­ge sein.

Die Häu­fig­keit die­ser Po­tenz­stö­rung hängt stark vom Le­bens­al­ter ab. Fast die Hälf­te der 60-Jäh­ri­gen und fast zwei Drit­tel der 70-Jäh­ri­gen sind zum Bei­spiel da­von be­trof­fen. Wäh­rend man frü­her dach­te, es sei ei­ne psy­chi­sche Er­kran­kung, hat man her­aus­ge­fun­den, dass die erek­ti­le Dys­funk­ti­on (ED) meist meh­re­re Ur­sa­chen hat, al­so kör­per­li­che, see­li­sche, part­ner­schaft­li­che und kul­tu­rel­le.

In jün­ge­rem Al­ter über­wie­gen meist die see­li­schen Grün­de. Da­zu ge­hö­ren Ver­sa­gens­ängs­te, Be­zie­hungs­kon­flik­te, das Rol­len­ver­ständ­nis als Mann oder schlech­te Er­fah­run­gen in der Ver­gan­gen­heit, um nur ei­ni­ge zu nen­nen.

In hö­he­rem Le­bens­al­ter über­wie­gen meist kör­per­li­che Ur­sa­chen, wie Ver­kal­kung der Ar­te­ri­en, Ve­rän­de­run­gen im Bin­de­ge­we­be, der Mus­ku­la­tur oder der Ve­nen im Pe­nis, Ni­ko­tin-, Al­ko­hol- oder Dro­gen­kon­sum, Ner­ven­schä­di­gung oder ein ver­än­der­ter Hor­mon­spie­gel. Aber auch Ope­ra­tio­nen oder Me­di­ka­men­te kön­nen die Po­tenz stark be­ein­träch­ti­gen.

Ihr Part­ner soll­te un­be­dingt ei­nen Uro­lo­gen auf­su­chen. Er wird ihn un­ter­su­chen, die Ur­sa­che fin­den und ihn dann even­tu­ell ge­zielt zu an­de­ren Ärz­ten über­wei­sen. Oft ist ei­ne Er­kran­kung der Ge­fä­ße die Ur­sa­che. Al­so ei­ne Ar­te­ri­en­ver­kal­kung der Blut­ge­fä­ße im Pe­nis. Da­durch fließt zu we­nig Blut, und der Pe­nis kann nicht an­schwel­len. Oft ist die­se Po­tenz­stö­rung ein Vor­bo­te an­de­rer Er­kran­kun­gen wie Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall. Auch bei die­sen Er­kran­kun­gen ist ei­ne Ar­te­ri­en­ver­kal­kung häu­fig die Ur­sa­che. Des­we­gen ist es so wich­tig, dass Ihr Part­ner zum Uro­lo­gen, Haus­arzt und even­tu­ell zu ei­nem Fach­arzt für In­ne­re Me­di­zin geht, da­mit auch die­se Er­kran­kun­gen be­han­delt wer­den kön­nen.

Wich­tig ist bei Durch­blu­tungs­stö­run­gen, Ri­si­ko­fak­to­ren wie ho­hen Blut­druck, Über­ge­wicht, Rau­chen zu mi­ni­mie­ren oder ganz aus­zu­schal­ten. Das wirkt sich meis­tens auch auf die Se­xua­li­tät aus.

Die gu­te Nach­richt lau­tet: Ei­ne erek­ti­le Dys­funk­ti­on kann man be­han­deln!

Auf der see­li­schen Ebe­ne kön­nen Sie Ih­ren Part­ner un­ter­stüt­zen, in­dem Sie den Leis­tungs­druck neh­men und die Se­xua­li­tät nicht nur auf den Beischlaf re­du­zie­ren. Even­tu­ell kann auch ei­ne Psy­cho­the­ra­pie hel­fen. Wich­tig ist es auf je­den Fall, dass Sie mit ihm über die Se­xua­li­tät re­den, was lei­der vie­len schwer­fällt. Aber so schaf­fen Sie Nä­he und Ver­trau­en und bau­en Ängs­te ab.

Bei Durch­blu­tungs­pro­ble­men kön­nen spe­zi­el­le Me­di­ka­men­te wie „Via­gra“, „Cia­lis“und „Le­vi­tra“hel­fen. Sie nüt­zen meist, ha­ben al­ler­dings auch Ne­ben­wir­kun­gen. Es gibt auch an­de­re The­ra­pie­mög­lich­kei­ten, z. B. Im­plan­ta­te, Pum­pen oder In­jek­tio­nen. Doch soll­te Ihr Part­ner nicht oh­ne ärzt­li­che Be­ra­tung ei­ne The­ra­pie be­gin­nen. Und auf kei­nen Fall Me­di­ka­men­te aus dem In­ter­net be­stel­len! Das kann sehr ge­fähr­lich sein.

Ich kann Ih­nen Mut ma­chen. Vie­le Män­ner mit die­ser Er­kran­kung kön­nen bei aus­rei­chen­der The­ra­pie wie­der ei­ne be­frie­di­gen­de Se­xua­li­tät le­ben. •

Ei­ne erek­ti­le Dys­funk­ti­on lässt sich be­han­deln Das Wich­tigs­te: ihm den übeR Leis­tungs­dR uck neh­men und Sex eden. Das schafft Nä­he

Dr. Ve­re­Na BreI­teN­Bach Die Frau­en­ärz­tin hat ei­ne Pra­xis in Ehin­gen/Do­nau und be­reits ei­ni­ge Bü­cher ge­schrie­ben, u. a. „Wo­men’s Se­crets“(Orell Füss­li). Gern be­ant­wor­tet sie Ih­re Fra­gen zum The­ma Sex und gy­nä­ko­lo­gi­sche Pro­ble­me. Schrei­ben Sie ver­trau­ens­voll an: re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com

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