Es gibt kei­ne Nie­der­la­gen, nur Her­aus­for­de­run­gen Drei Jah­re war sie nach dem Ge­hirn­schlag ver­schwun­den. Au­then­tisch ist Ga­by Kös­ter. Und wie!

Meins - - Mein Star -

Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schau­er lieb­ten die­se schäg grin­sen­de, stets ver­zau­sel­te Frau, wie sie da an der Su­per­markt­kas­se saß, sich die Strähn­chen aus dem Ge­sicht pus­te­te, im­mer ir­gend­ei­nen Kun­den auf die Schip­pe nahm oder mal eben die Welt ih­rer Kol­le­gen ret­te­te. „Ri­tas Welt“hieß die­ser Quo­ten­hit, der ei­ne un­an­ge­pass­te Frau mit ei­nem rie­si­gen Her­zen und der frechs­ten Sch­nu­te im deut­schen Fernsehen zeig­te. Ge­nau da­für lieb­ten wir Ga­by Kös­ter – auch in Talk­shows und als Come­dy-Star auf der Büh­ne. Bis ih­re Welt am 8. Ja­nu­ar 2008 ste­hen blieb: Die Köl­ne­rin er­litt ei­nen Schlag­an­fall, un­ter des­sen Fol­gen sie noch heu­te kör­per­lich lei­det. Jetzt hilft ihr ein neu­er Job da­bei, ihr Schick­sal zu be­wäl­ti­gen und wie­der ein­mal an­de­ren Mut zu ma­chen. Im Herbst wird Ga­by Kös­ters Le­ben in Köln ver­filmt – mit ihr als Be­ra­te­rin … Nie­mand wuss­te bis 2011, wo die mehr­fach preis­ge­krön­te Frau steck­te. Die Öf­fent­lich­keit rät­sel­te, wäh­rend sich Ga­by Kös­ter in Re­ha-Kli­ni­ken tap­fer Schritt für Schritt zu­rück ins Le­ben kämpf­te. Und was sind Prei­se wie der Bam­bi und der Adolf-Grim­me-Preis wert, wenn die Aus­ge­zeich­ne­te sie nicht ein­mal mehr selbst ab­stau­ben kann? Fast drei Jah­re wuss­te nie­mand et­was. Ty­pisch für das lau­te Fern­seh­volk der Ko­mi­ker üb­ri­gens, die pri­vat oft so stil­le, auch me­lan­cho­li­sche Men­schen sind.

Dann, im Sep­tem­ber 2011, brach Ga­by Kös­ter ihr Schwei­gen und gab zag­haft In­ter­views. „Ich kann schon ste­hen, aber nicht al­lein und nicht lan­ge“, er­klär­te sie. Sät­ze, die ih­re Fan­ge­mein­de be­stürz­ten und tief be­weg­ten. Ga­by Kös­ter ver­ar­bei­te­te ih­ren Schlag­an­fall, wie sie zu­vor ge­lebt hat­te: öf­fent­lich. Nur dies­mal ein biss­chen lei­ser und im ge­dimm­ten Schein­wer­fer­licht. Sie schrieb ein Buch mit dem Ti­tel „Ein Schnup­fen hät­te auch ge­reicht“. „Ich möch­te den Men­schen Mut ma­chen, sie zum Wei­nen und zum La­chen brin­gen“, sag­te sie und stürm­te 2012 die Best­sel­ler­lis­ten. Zu Hau­se ging ihr har­ter Kampf wei­ter – links­sei­tig ge­lähmt, die Glied­ma­ßen nicht un­ter Kon­trol­le. Come­dy-Fernsehen wird sie in die­ser Zeit wohl nicht

Mir geht es su­per! Ich ma­che kei­ne rie­si­gen Schrit­te, aber klei­ne

ge­se­hen ha­ben. An Leich­tig­keit war nicht zu den­ken. Die neue Ga­by Kös­ter sag­te be­rüh­ren­de Sät­ze wie: „Seit mei­nem Schlag­an­fall kann ich nicht mehr wei­nen. Da hat der Schlag et­was er­wischt, was für das Wein­zen­trum zu­stän­dig ist. Ich bin manch­mal sehr trau­rig und wür­de am liebs­ten los­heu­len. Dann muss man eben die Gieß­kan­ne neh­men …“

Selbst­iro­nisch, pa­tent und stark! Wenn es ei­ne schafft, dann sie.

Ich ha­be beim lie­ben Gott an­ge­klopft. Er hat mich weg­ge­schickt

Wie muss sich das an­füh­len für so ei­ne Tem­pe­ra­mentsGra­na­te, wenn man sich plötz­lich im wahrs­ten Sin­ne am Bo­den wie­der­fin­det? Ei­ne Frau, die vor die­ser Se­kun­de nie zu ras­ten schien. Auf null ge­stellt qua­si. „Für mich war es gut, weil ich et­was ka­piert ha­be. Ich ha­be ge­lernt: Wenn man es über­treibt, dann kann auch mal ein ab­rup­tes En­de kom­men. Ich hät­te mir da­mals das ein oder an­de­re län­ge­re Päu­schen gön­nen sol­len“, re­sü­miert sie heu­te und hat die gro­ße zwei­te Chan­ce er­kannt, die ihr das Le­ben bot. Sie sagt: „Ich ha­be beim lie­ben Gott an­ge­klopft. Er hat mich zu­rück­ge­schickt.“Und wei­ter: „Es gibt kei­ne Nie­der­la­gen, es gibt Her­aus­for­de­run­gen, und das ist vi­el­leicht mei­ne größ­te.“

Die­ser Film über ihr Le­ben nun. Das ist wie­der so ei­ne wich­ti­ge Stu­fe auf der Trep­pe zum Ziel – die Idee ei­nes un­be­schwer­ten Le­bens. Im Gar­ten sit­zen, ein Buch hal­ten kön­nen. Wie das Dreh­buch zum Film. Sie hat es ge­le­sen, und es hat ihr ge­fal­len. Ins­be­son­de­re die Be­set­zung der Haupt­dar­stel­le­rin. Mit An­na Schudt, 42, be­kannt als Dort­mun­der „Tat­ort“-Kom­mis­sa­rin, war sie schon Mit­tag es­sen, sie mö­gen sich sehr, heißt es. War­um Ga­by Kös­ter nicht selbst die Haupt­rol­le spielt, liegt auf der Hand: Das RTLDra­ma zeigt auch die Zeit vor dem Schlag­an­fall. Das könn­te Ga­by Kös­ter nicht spie­len. Noch nicht. Trotz­dem nimmt sie ak­tiv Ein­fluss, be­rät das Film­team und wird im Film zu se­hen sein – in Vi­deo­se­quen­zen ih­rer be­ruf­li­chen Hö­he­punk­te. Das macht es au­then­ti­scher, sagt der Film­pro­du­zent.

Nicht nur, wenn sie Sät­ze sagt wie „Es hät­te we­sent­lich schlim­mer kom­men kön­nen!“oder „Mir geht es su­per. Es sind kei­ne Mam­mut­s­chrit­te, die ich ma­che, aber klei­ne.“. Wie die klei­nen Mo­men­te die­ses so wert­vol­len Le­bens, wel­ches sie be­hal­ten durf­te. Mo­men­te, für die sie sich jetzt die Mu­ße nimmt. „Ich re­ge mich nicht mehr über Kin­ker­litz­chen auf. Ich freue mich an Klei­nig­kei­ten – wenn die Son­ne scheint und die Vö­gel zwit­schern. Wenn ich könn­te, wür­de ich durch den Gar­ten hüp­fen!“Ir­gend­wann wird auch das wie­der ge­hen, lie­be Ga­by! •

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